Klimaanlage / Klimagerät: teuer, klimaschädlich und umweltbelastend? (Test / Warentest)
Klimaanlage / Klimageräte: Echte Abhilfe gegen Sommerhitze oder schafft Kühlung nur noch mehr Wärme?
Klimageräte – schlecht gekennzeichnete Stromfresser
Mit Strom betriebene Klimageräte (Standgeräte) gehören zu den ineffizientesten und unsinnigsten Stromfressern, die zurzeit mit rasanter Geschwindigkeit Verbreitung finden.
In den letzten Jahren werden sie vor allem als Saisonware von den Baumärkten und Discountern verstärkt angeboten. Bei den Discountern sind Media Markt und Saturn sehr aktiv bei der Bewerbung dieser in Deutschland meist überflüssigen Geräte. Seit 2004 müssen mobile Klimageräte mit dem EU-Label gekennzeichnet sein. Diese Verbrauchskennzeichnung ist also theoretisch eine absolute Selbstverständlichkeit für die Elektromärkte. Umso erschreckender ist es, dass wir hier klare Lücken registrieren. In Stichproben in mehreren Märkten von Saturn und Media Markt in der letzten Woche hat der BUND feststellen müssen, dass ein Großteil der Geräte oft gar nicht oder zumindest nicht ordnungsgemäß gekennzeichnet wurde. Und dies bei Geräten, bei denen die Verbraucher dringend auf den hohen Stromverbrauch und die Unterschiede bei den Geräten hingewiesen werden müssen. Denn Klimageräte können zum größten Stromverbraucher im Haushalt werden. Jahresverbräuche von 600 kWh/Jahr und mehr sind schnell erreicht.
Erneut fällt damit die Metrogruppe mit den Diskountern Media Markt und Saturn negativ auf. Bereits im Mai hatte der BUND in einer Schwachstellenanalyse nachgewiesen, dass diese Elektromärkte besonders viele Strom fressende Geräte verkaufen und ihre Kunden oft schlecht oder gar nicht darüber informieren. Da passt es ins negative Bild, wenn bei einem so wichtigen Produkt wie Klimageräten nicht einmal die gesetzliche Kennzeichnungspflicht durchgehend eingehalten wird. Trotz anderer Beteuerungen der Metro-Gruppe werden hier erneut
Stromfresser verkauft, ohne ausreichend über den hohen Stromverbrauch zu informieren. Aber der BUND will mehr als die (eigentlich selbstverständliche) Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften: Wir fordern von allen Elektromärkten, dass für diese ineffizienten Geräte keine
Werbung mehr gemacht wird. Wenn einzelne Klimageräte dennoch im Sortiment angeboten werden, muss deutlich auf den hohen Stromverbrauch und die damit verbundenen Folgekosten hingewiesen werden. Die gesetzliche Kennzeichnung ist dafür die Basis. Aber die Verbraucher benötigen die weitergehende klare Information, dass der Einsatz des Gerätes an nur wenigen Tagen im Jahr einen signifikant erhöhten Stromverbrauch bedeutet.
1. Klimageräte sind Stromfresser
Klimaanlagen benötigen zum Kühlen oder Heizen sehr viel Energie: leistungsstarke Ventilatoren
müssen für die Umwälzung der Luft sorgen und die Wärmepumpe erfordert einen starken
eingebauten Kompressor. Klimaanlagen funktionieren im Prinzip wie Kühlschränke, aber statt
150 bis 200 Liter Inhalt müssen ganze Räume gekühlt werden. Ein normales Klimagerät hat im
Betrieb eine Leistungsaufnahme, die jener Menge an Energiesparlampen entspricht, um damit
50 Wohnräume zu beleuchten. Dem Stromverbrauch sind nach oben hin kaum Grenzen gesetzt,
wenn Geräte mit höherem Stromverbrauch länger als 500 Stunden im Jahr eingesetzt werden.
Und selbst wenn ein durchschnittliches Klimagerät nur an 30 Hitzetagen im Jahr läuft, ergibt
sich ein zusätzlicher Stromverbrauch von 220 kWh/a.
Zum Vergleich: Ein moderner Kühlschrank, der das ganze Jahr läuft, liegt bei 200 kWh/a (ein
sparsamer 2-Personenhaushalt verbraucht zwischen 1000 und 1400 kWh/a).
Dies ist auch auf der Stromrechnung abzulesen:
Ein großes mobiles Raumklimagerät verursacht innerhalb eines Jahres im Durchschnitt über 100
Euro zusätzliche Stromkosten.
2. Klimageräte müssen mit dem EU-Label gekennzeichnet werden
Klimageräte, die eine Kühlleistung von unter 12 kW haben, müssen seit Dezember 2004
gekennzeichnet werden. Das EU-Label gibt durch die Einteilung in Klassen auf den ersten Blick
Auskunft darüber, wie das Raumklimagerät in Sachen Energieeffizienz abschneidet.
Beispielsweise verbraucht ein Gerät der Klasse A gegenüber einem Gerät, das gerade noch Klasse
C erreicht je nach Gerätetyp etwa 11 – 15 % weniger Energie. Wenn schon ein Klimagerät, dann
sollte die Wahl daher stets auf die Energieeffizienzklasse A fallen.
3. Klimageräte werden zum Massenphänomen
Raumklimageräte boomen: Allein 2002 wurden 140.000 Geräte verkauft. Je heißer der Sommer,
desto höher der Absatz. Heizungsbau und Stromversorger wittern bereits das Geschäft mit den
energieintensiven Haushaltsgeräten und rühren kräftig die Werbetrommel. Es ist zu befürchten,
dass dieser Trend weitergeht. Allein im Jahr 2002 ist durch den zusätzlichen Strombedarf durch
die neuen Klimageräte der deutsche CO2-Ausstoß um 57 Millionen kg CO2 angestiegen.
Wenn Klimageräte weiter mit Wucht auf den Markt geworfen werden, ist zu befürchten, dass
diese Zahl künftig weiter ansteigt.
4. BUND: Keine Werbung für Klimageräte!
Über die massive Bewerbung von Klimageräten in den Prospekten von Elektrohandelsketten und
Baumärkten wird eine Nachfrage geschaffen, die den Stromverbrauch unnötig anheizt. Dies ist
unverantwortlich im Hinblick auf unnötige CO2-Emissionen. Aber vor allem werden den
Verbrauchern scheinbare Schnäppchen angeboten, die dann hohe Folgekosten haben.
Der BUND fordert deshalb, dass für diese ineffizienten Geräte keine Werbung gemacht wird.
Wenn einzelne Klimageräte dennoch im Sortiment angeboten werden, muss deutlich auf den
hohen Stromverbrauch und die damit verbundenen Folgekosten hingewiesen werden.
5. Geiz ist geil? Ich bin doch nicht blöd!
Das Beispiel Klimageräte zeigt erneut: Hinter vermeintlichen Schnäppchen verbergen sich bei
den Elektrodiscountern oft Stromfresser, die die Stromrechnung nach oben treiben.
Der BUND hat im Mai das Sortiment, die Werbung und Beratung von Media Markt und Saturn
getestet und festgestellt: Die beiden zum Metro-Konzern gehörenden Ketten haben besonders
viele Stromfresser im Sortiment. Zum Beispiel gehört nur ein Viertel der von Saturn und Media
Markt verkauften Kühlgeräte zu den sparsamen Effizienzklassen A++ und A+. Beim
Versandhandelsunternehmen Quelle beträgt der Anteil immerhin 57 Prozent.
Ungenügend ist bei beiden Handelsketten auch die Kennzeichnung des Stromverbrauchs von
Fernsehern, DVD-Rekordern, Computern und Druckern. Testeinkäufer erhielten bei Saturn und
Media Markt nur bei jedem dritten Kundengespräch Hinweise zum Energieverbrauch von
Fernsehgeräten.
Saturn und Media Markt wollen bisher nicht auf die BUND-Forderungen eingehen und wälzen
die Verantwortung für die Stromverschwendung alleine auf die Verbraucher ab.
6. Klimageräte sind in der Regel überflüssig
Der Juli ist mit einer mittleren Temperatur von 17 Grad der wärmste Monat in Deutschland.
Längere Hitzeperioden sind in unseren Breitengraden die Ausnahme. Dennoch denken immer
mehr Deutsche darüber nach, sich ein Klimagerät anzuschaffen.
Aber: In der Regel geht es ohne: Einfach und schonend für Umwelt und Geldbeutel kühlt man
die Wohnung, wenn man nachts und morgens gut lüftet. Anschließend die Fenster, die von der
Sonne beschienen werden, mit lichtdichten Markisen, Vorhängen oder einem Rollladen gut
abschatten. So bleibt die Hitze draußen.
7. Wenn es unbedingt ein Klimagerät sein soll, dann ein vergleichsweise sparsames Gerät
zudem sparsam einsetzen.
Dann sollte mindestens ein Gerät der Energieeffizienz-Klasse A gewählt werden. Und das Gerät
sollte nur so viel Leistung haben wie nötig und nur selten und möglichst sinnvoll eingesetzt
werden: Sind die Jalousien tagsüber geschlossen, heizt sich die Wohnung weniger auf.
Entsprechend weniger muss ein Raumklimageräte kühlen. Die kühle Nachtluft sollte zur
Vorkühlung des Gebäudes genutzt werden. Raumklimageräte sollten stoßweise und lediglich
nach Bedarf (z.B. zum Vorkühlen des Schlafzimmers vor dem Zubettgehen) genutzt werden.
Kontakt: BUND
Thorben Becker, Energiereferent
Am Köllnischen Park 1
10179 Berlin
030-27586-421
thorben.beckerbund.net
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