Iran Krieg: Der drohende Krieg gegen den Iran ist ein Atom-kraft-waffen-krieg!
29.03.2007
Krieg gegen Iran: Der drohende Krieg ist ein Atomkraftwaffenkrieg!
An die Medien
"Die Bewahrung des Friedens" ist ein Satzungsziel unseres BUND. Auch aus diesem Grund senden wir Ihnen diese umfangreiche Hintergrundinformation, die einen Aspekt des drohenden Krieges etwas umfassender beleuchtet. Sie können den Text frei verwerten.
Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer / Geschäftsführer Der drohende Krieg gegen den Iran ist ein Atomkraftwaffenkrieg!
Sanktionen, Drohung und wechselseitige Drohgebärden - immer schneller dreht sich gegenwärtig im nahen Osten die Eskalationsspirale. Militärschläge gegen iranische Atomanlagen und militärische Ziele, ja sogar ein Krieg gegen den Iran scheint angesichts der wechselseitigen Drohgebärden unausweichlich.
Iran, krieg, atomwaffen, Atomprogramm
Dieser Krieg wäre wieder ein Krieg um Öl und Macht. Er wäre aber auch ein erster Atomkraftwaffenkrieg. Ein Zusammenhang zwischen der sogenannten friedlichen und militärischen Nutzung der Atomenergie, wird von den Medien und insbesondere von den VertreterInnen der Atomparteien gerne verdrängt. Wer neue Atomkraftwerke weltweit exportieren will, weil ein einziges neues AKW 4 Milliarden Euro kostet und satte Gewinne erwarten lässt, der will diesen Zusammenhang nicht sehen. Und doch zeigt gerade der aktuelle Konflikt um das iranische Atomprogramm diesen Zusammenhang mehr als deutlich.
Das iranische Nuklearprogramm reicht bis in Jahr 1959 zurück. 1974 begann die Siemens - Tochter Kraftwerk Union (KWU) mit dem Bau eines Atomkraftwerks in Buschehr am Persischen Golf. Nach dem Sturz von Reza Pahlewi, des Schah von Persien, wurde diese Zusammenarbeit eingestellt. Heute wird in Deutschland nicht gerne daran erinnert, dass die Grundsteine des iranischen Atomprogramms von der deutschen Firma Siemens gelegt wurde. Die so genannte „friedliche Nutzung der Kernenergie“ setzt nicht nur den fehlerfreien Menschen und die fehlerfreie Technik, sondern auch dauerhaft stabile politische Verhältnisse voraus. Als diese, scheinbar stabilen politischen Verhältnisse im Iran aus deutscher Sicht nicht mehr gegeben waren, beendete Siemens die Zusammenarbeit, doch dafür setzt jetzt Russland die Bauarbeiten fort.
Der Iran wurde durch den Krieg mit dem Irak, der 1980 begann, wirtschaftlich massiv zurückgeworfen. Die USA hatten bei diesem mörderischen Krieg, bei dem hunderttausende irakischer und iranischer Soldaten starben, ein Interesse an einer möglichst langen Kriegsführung, um beide Konfliktparteien politisch und ökonomisch zu schwächen.
Heute erheben die USA und die UNO den Vorwurf gegen den Iran, an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten.
In Betrieb sind u.a. Forschungsreaktoren in Teheran sowie in Ramsar und Bonab im Nordwesten des Landes. Die Anlage in Natans wurde eigens für die Anreicherung von Uran gebaut. Mit Gas-Zentrifugen angereichertes Uran ist nötig, um Atomkraftwerke zu betreiben. Für den Bau von Atombomben wird hochangereichertes Uran benötigt, das mit speziellen Zentrifugen gewonnen wird.
Gerade diese Urananreicherungsanlagen lassen sich sowohl für militärische als auch für die zivile Zwecke nutzen und zeigen damit das Doppelgesicht der „friedlichen Nutzung der Kernenergie“.
In der Freiburger Partnerstadt Isfahan steht das größte Atomforschungszentrum des Iran. In diesen Anlagen wird Uranhexafluorid hergestellt. In Arak wird gerade eine Anlage zur Produktion von Schwerem Wasser zur Moderation der Kernspaltung in Reaktoren erbaut. Ebenfalls noch im Bau ist der Siemens KWU Reaktor in Buschehr am Persischen Golf, der bereits unter der Monarchie geplant wurde, sowie Anlagen gleicher Größe in Ahvaz.
Das Nachbarland Pakistan hat (nicht nur) dem Iran den Weg zur Atombombe vorgezeigt:
1965: Inbetriebnahme des ersten „Forschungsreaktors“. Gleichzeitige Erklärung von Außenminister Bhutto, „einer indischen Atombombe eine eigene entgegen zu setzen“
1972: Energiegewinnung durch pakistanisches AKW. Parallel dazu ständig Versuche die pakistanische Atombombe zu entwickeln
Über Urananreicherung und Plutoniumgewinnung (mit Chinesisch-Deutscher Hilfe) erreicht Pakistan dieses Ziel
Seit Beginn der 90er Jahre produziert Pakistan jährlich hochangereichertes Uran für ca. 3 bis 4 Atombomben
1992: Erklärung der Regierung, über eine Atombombe zu verfügen
1998: erster pakistanischer Atomwaffentest
Der drohende Krieg im Iran zeigt den, von der Atomindustrie erfolgreich aus den Medien verdrängten, engen Zusammenhang zwischen der so genannten zivilen Nutzung der Atomenergie und der Atombombe. Werbeagenturen, wie die vom Nuklearforum beauftragte Firma Burson Marsteller, sorgen dafür, dass diese in der Werbesprache sinnigerweise „killing fields“ genannten, unangenehmen Atom - Themen öffentlich nicht diskutiert werden.
Nach den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki begann die weltweite Werbkampagne „Atome für den Frieden“, die von den unmenschlichen Folgen der Kriegsverbrechen in Japan ablenken sollten.
Auch hinter dem gefährlichen Traum von der „friedlichen“ Nutzung der Atomenergie in Frankreich, Deutschland und der Schweiz stand ursprünglich der Wunsch nach eigenen, nationalen Atomwaffen.
Heute wird die Welt von den Atomwaffen der folgenden Staaten bedroht:
USA
US-Atomwaffen in Europa (NATO)
Großbritannien
Frankreich
Russland
China
Indien
Pakistan
Israel
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Im Jahr 1981 hatte die israelische Luftwaffe, vermutlich im Auftrag der USA, das im Bau befindliche irakische AKW, kurz vor der Beladung mit Brennelemeten, bombardiert und zerstört. Im Gegensatz zu diesem, damals im Bau befindlichen irakischen Atomkraftwerk, sind die Mehrzahl der iranischen Atomanlagen hochgradig radioaktiv belastet. Auch in einem Versuchsreaktor entsteht pro Megawatt elektrischer Leistung jährlich die kurz- und langlebige Radioaktivität einer Hiroshima Bombe. Zusätzlich zu den verheerenden Folgen jedes Krieges, wäre eine Bombardierung der iranischen Atomanlagen auch ein radioaktives Fiasko, mit Folgen weit über den Iran hinaus. Weltweiter Nuklearterrorismus und Anschläge auf Atomanlagen wären als mögliche Reaktion auf solche Angriffe durchaus denkbar.
Die aktuellen Überlegungen der Militärs in den USA, mit so genannten kleinen Atombomben (Mininukes) beschränkte Kriege zu führen, verstärkt die Gefahren zusätzlich.
Wieso haben die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea Atomwaffen? Weil sie mit Hilfe der „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ Mittel und Wege gefunden haben Atomkraftwaffen zu bauen. Und jedes alte und neue AKW (auch der neue Europäische Druckwasserreaktor EPR) vergrößert die Gefahr für den Weltfrieden.
Der erhobene Zeigefinger gegen Länder wie den Iran ist leider unglaubwürdig, wenn hinter diesem Zeigefinger eigene Atomwaffen, AKW und Urananreicherungsanlagen stehen. Woher kommt die Anmaßung der Atomstaaten, anderen Ländern das verbieten zu wollen, was sie selber haben? Wie schnell kann ein heute noch demokratisches Land mit Atomanlagen zur Diktatur und zum so genannten Schurkenstaat werden?
Iran, krieg, atomwaffen, Atomprogramm
Wie der Kolonialismus lässt sich eine weltweite atomare Zweiklassengesellschaft auf Dauer nicht aufrecht erhalten. Wer im eigenen Land AKW betreibt, Atomkraftwerke länger laufen lässt, wer heimlich auf den Bau neuer Siemens Druckwasserreaktoren spekuliert, liefert dem Rest der Welt leider gute Gründe, neue Atomkraftwerke und Atomwaffen zu bauen, fördert die Proliferation und gefährdet so diesen Planeten und alles Leben.
Der Iran Konflikt zeigt auch die Schizophrenie der UNO-Organisation IAEO. Das Ziel der IAEO wurde bei der Gründung folgendermaßen definiert: "Ziel der Organisation ist es, den Beitrag der Atomenergie zum Frieden, zur Gesundheit und zum Wohlstand auf der ganzen Welt rascher und in größerem Ausmaß wirksam werden zu lassen. Sie stellt soweit als möglich sicher, dass die von ihr geleistete Hilfe nicht zur Förderung militärischer Zwecke verwendet wird."
Einerseits soll sie im Iran und anderswo die militärische Nutzung der Atomkraft verhindern, andererseits fördert die IAEO als UNO-Organisation aber indirekt die Proliferation, die Weiterverbreitung von Atomwaffen durch den Bau von AKW in immer mehr Ländern.
Atomkraftwerke und Atomwaffen sind die jeweils andere Seite der gleichen Medaille, auch wenn die PR-Industrie der Atomlobby alles versucht, diesen Zusammenhang zu leugnen. Der drohende Krieg gegen den Iran, der sicher kein lokal begrenzter Krieg bleiben würde, wirft ein grelles Licht auf diesen Zusammenhang. Der eskalierende Konflikt zeigt welche Gefahren von der weltweiten Verbreitung von Atomkraftwerken und der zwangsläufig damit verbundenen Weiterverbreitung von Atomwaffen ausgeht.
Deeskalation und eine aktive Friedenspolitik ist das Gebot der Stunde.
"Amerikanische" Bomben auf Atomanlagen und AKW im Iran rücken alle westlichen AKW in das Fadenkreuz des Terrorismus. Diese zusätzlichen Gefahren eines Krieges gegen den Iran werden von den Atomkonzernen und den Atomparteien aus ideologischen Gründen gerne verdrängt.
Axel Mayer BUND Geschäftsführer / Vizepräsident Trinationaler Atomschutzverband
(Sie haben sich in diesem Beitrag über den ungewöhnlichen Begriff der Atomkraftwaffen gewundert? Er führt zusammen, was zusammen gehört und was eine geschickte Werbung zu trennen versucht)
Dieser Artikel wurde 1967 mal gelesen und am 1.12.2008 zuletzt geändert.
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