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Krieg & Lügen: 1939 bis 2009 - Lügen im Dienste des Krieges - Eine umfassende Hintergrundinformation von Wolfram Wette


Krieg & Lügen: 1939 bis 2009 - Lügen im Dienste des Krieges - Eine umfassende Hintergrundinformation von Wolfram Wette



Wir danken Herr Wolfram Wette und den immer lesenswerten "Blättern für deutsche und internationale Politik" für die Abdruckerlaubnis.

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1939 bis 2009 - Lügen im Dienste des Krieges - Eine umfassende Hintergrundinformation von Wolfram Wette



Am 1. September 1939 eröffnete das im Danziger Hafen liegende deutsche Linienschiff „Schleswig-Holstein“ mit seinen schweren Geschützen das Feuer auf die polnische Westerplatte – ohne jede Kriegserklärung. Gleichzeitig ließ Hitler einen Angriff polnischer Soldaten auf den oberschlesischen Sender Gleiwitz vortäuschen. Deutsche Staatsbürger in polnischen Uniformen griffen die Radiostation an, um den NS-Propagandisten Stoff für ihre Ablenkungspropaganda zu liefern.
Hitler verkündete noch am selben Tag in einer Reichstagsrede seine Verteidigungslüge. Sie wurde über den Rundfunk in alle deutschen Haushalte getragen. Die Kernsätze lauteten: „Polen hat nun heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch durch reguläre Soldaten geschossen. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten.“
Heute sind es nur noch rechtsradikale Außenseiter, die in Frage stellen, dass Hitler-Deutschland mit dem Angriff auf Polen den Zweiten Weltkrieg entfesselte. Hitler hatte diesen Krieg von langer Hand geplant, seine Ziele aber vor der deutschen Öffentlichkeit verborgen, indem er zwischen 1933 und 1938 – zur allgemeinen Irreführung – eine geschickte Friedenspropaganda betrieben hatte.
Der deutsche Angriff auf Polen ist das vielleicht bekannteste Beispiel für ein sehr viel älteres Ablenkungsmanöver: Der eigentliche Angreifer macht sich zum Angegriffenen, die Kriegsschuld wird damit dem Kriegsgegner angelastet.

Die Lüge als Sprachstrategie im Dienste der Kriegführung
Gewiss sind Kriege hinsichtlich ihrer Ursachen und Anlässe, ihrer Dauer, Intensität und Auswirkungen stets sehr unterschiedlich. Daher – und aufgrund der früheren Generalisierung (der Krieg als „Schicksal“ oder als „Vater aller Dinge“) – haben wir gelernt, von der Frage nach den Ursachen des Krieges im Allgemeinen Abstand zu nehmen. Stattdessen historisieren wir und erforschen die Entstehungsgeschichte und den Verlauf einzelner Kriege.
Gleichwohl gibt es bei kriegerischen Auseinandersetzungen einige typische Erscheinungen, die immer wiederkehren. Dazu gehört in erster Linie die Lüge. Zurückhaltender ausgedrückt: das Bestreben der jeweiligen Kriegsherren, bestimmte Sprachstrategien zum Einsatz zu bringen, um ihre Handlungen und Ziele zu verschleiern.
Alle Aggressoren verfolgten in der Vergangenheit das Ziel, die eigene Verantwortung für die Entfesselung kriegerischer Gewalt zu verschleiern. Sie wussten, dass das eigene Lager sich nur durch Verteidigungslügen für den Krieg mobilisieren ließ. Durch Kriegspropaganda wurden die jeweiligen Rechtfertigungsbehauptungen unter das Volk gebracht. Diese Propaganda hatte mehrere Adressaten: Erstens war sie an den Feind gerichtet, den man ins Unrecht zu setzen versuchte, indem man ihm die Schuld aufbürdete. Zweitens richtete sie sich an die Soldaten und die Zivilbevölkerung des eigenen Landes – eventuell auch der verbündeten Nationen –, die man mit einer Verteidigungslüge kriegsbereit zu machen versuchte. Den Menschen des eigenen Lagers wurde erklärt, dass die Führung nicht anders konnte, als sich gegen eine fremde Aggression zu wehren. Kaum je hat ein Kriegsherr eigene Aggressionsabsichten eingeräumt. Das liegt in der Tatsache begründet, dass die meisten Menschen bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert nur den Verteidigungskrieg für legitim halten. Die folgenden historischen Beispiele für Verteidigungslügen aus mehreren Jahrhunderten sind nur die bekannteren, sie ließen sich beliebig vermehren.

weitere Themen des Artikels:

  • 1740 – 1870 – 1914 – 1941
  • Verfassungsrechtliche und sicherheitspolitische Folgerungen
  • Jude gleich Partisan – Das Massaker von Babij Jar am 29. und 30. September 1941
  • Soldatenbriefe: Das Beschweigen des Tötens und der Todesangst
  • Unzensiertes Grauen: Der Vietnamkrieg von 1964 bis 1975
  • Saddam gleich Hitler: Feindbilder in den US-amerikanischen Golfkriegen
  • „Neue Normalität“ und „Gewachsene Verantwortung“: Die Camouflage der schleichenden Remilitarisierung der deutschen Außenpolitik seit 1991


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Quelle: Wolfram Wette, Blätter für deutsche und internationale Politik 9/2009




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Dieser Artikel wurde 3318 mal gelesen und am 22.7.2014 zuletzt geändert.