Die Bekämpfung des Maiswurzelbohrers bedroht Grundwasser und Umwelt am Oberrhein
Beim Mais spielt sich derzeit im Elsass dramatisches ab. In der Umgebung des Flughafens Muhlhouse sind bei Blotzheim, Bartenheim und Village-Neuf Exemplare eines in der Region bisher unbekannten Maisschädlings gefangen worden. Auch im Baselbiet (CH) wurde der Käfer gefunden. Die Larve des Maiswurzelbohrers befällt die Maiswurzel mit der Folge, dass die ganze Pflanze abstirbt. Er ist nur schwer mit den bisher üblichen Insektiziden zu bekämpfen. Angesichts der herrschenden Maismonokultur reagieren die Verantwortlichen äußerst nervös und es sind drastische Massnahmen angekündigt worden: diskutiert werden u.a. die Vernichtung von Maisbestände in der betroffenen Region, Insektizidanwendung per Hubschrauber, weitere Massnahmen bis 40 (!) km um die Befallsregion. Der Insektizideinsatz mit sehr toxischen Stoffen hat bereits begonnen.
Eine Ausweitung des Befalls auch auf die Maismonkulturen auf der deutschen Seite des Oberrheins ist nicht auzuschließen.
Der Maiswurzelbohrer ist in den USA einer der bedeutendsten Maisschädlinge und verursacht dort jährlich ca. 1 Mrd. US Dollar an Schäden und Pflanzengift-aufwendungen.
"Weltweit werden etwa 20 Mill. ha Mais durch Maiswurzelbohrer,davon allein 13,5 Mill. ha in den USA, befallen. Davon werden jährlich ca. 5,2 Mill. ha Mais mit Insektiziden gegen Diabrotica behandelt. Diabrotica ist somit der Schädling, gegen den sich die meisten Insektizidapplikationen weltweit richten. In Deutschland kommt Diabrotica virgifera bisher noch nicht vor. Von den 1,5 Millionen ha Maisanbauflächen in Deutschland sind etwa 350.000 ha durch den Anbau von Mais nach Mais gefährdet. Bei einer Einschleppung und Verbreitung wären jährlich Schäden in Höhe von ca. 25 Millionen Euro zu erwarten" sagen die Warnhinweisen der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig.
Die Umweltschützer vom BUND und Alsace Nature hatten bereits in der Vergangenheit auf die Folgen des bisherigen Dünger- und Pestizideinsatzes beim Maisanbau und auf die massiven Folgen und Belastungen für das Grundwasser hingewiesen. Durch die chemische Bekämpfung des neuen Schädlings könnte sich dieses Problem noch weiter verschärfen.
Dennoch gibt es auch erfolgreiche biologische Methoden der Bekämpfung.
"Eine erweiterte Fruchtfolge ist eine wirksame und nachhaltige Bekämpfungsmaßnahme. Die Vermeidung des Anbaus von Mais nach Mais führt beim Schlupf der überwinterten Eier im Frühjahr dazu, dass die obligatorisch auf Mais angewiesenen Larven keine Nahrung vorfinden und absterben. Bei Fortführung der bisherigen Anbausysteme in Deutschland wären bei konventioneller Bekämpfung zur Vermeidung dieser Schäden bis zu 1.800 t Bodeninsektizide erforderlich." schreibt die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft.
Am Beispiel des Maiswurzelbohres zeigen sich die regionalen Folgen der Globalisierung besonders deutlich. Vermutlich wurde der Schädling durch den weltweiten Flugverkehr eingeschleppt. Die Landwirte am Oberrhein aber stehen im globalen Wettbewerb mit den Farmern, die unter "besseren Bedingungen" produzieren können. Leidtragende des neuen Schädlings sind Landwirte und durch den drohenden Pestizideinsatz auch alle anderen Menschen, Grundwasser und Umwelt. Gute Lösungen gibt es in diesem Konfliktbereich nicht.
Eine Ausbreitung des neuen Schädlings, der in Osteuropa schon Fuß gefasst hat, wird wohl nur durch eine ökologisch sinnvolle erweiterte Fruchtfolge langfristig möglich sein. Der gnadenlose weltweite Konkurrenz- und Überlebenskampf in der Landwirtschaft aber behindert diese sinnvolle Maßnahme am Oberrhein.
Daß die ökologische Variante möglich ist, zeigt die Schweiz.
Anders als in Frankreich setzen die Schweizer Behörden nicht auf Pflanzengift, sondern auf die Fruchtfolge: Den Bauern im Umkreis von 10 Kilometern um die Fundorte in der Gegend von Therwil BL wird verboten, nächstes Jahr dort Mais anzubauen, wo dieses Jahr bereits Mais steht. "Was in der Schweiz möglich ist, sollte nach Ansicht des BUND auch in Frankreich und Deutschland gelten. Im Zweifelsfall auch verbunden mit einer Entschädigung der Landwirte", sagt BUND Geschäftsführer Axel Mayer.
Dieser Artikel wurde 434 mal gelesen und am 25.7.2007 zuletzt geändert.
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