23.10.2008
Maiswurzelbohrer: Gifteinsatz statt Fruchtfolge
Es kam wie es kommen musste. In Sachen Maiswurzelbohrerbekämpfung hat sich nicht die Vernunft, die Umwelt und der Verbraucherschutz durchgesetzt, sondern die Agrochemielobby.
Für die so genannte “Sicherheitszone” hat das Landratsamt Ortenau jetzt den Anbau von Mais erlaubt. Mit einer “Ausnahmegenehmigung” wurden die Bauern von der Fruchtfolge befreit, also von der ökologisch und ökonomisch sinnvollen Vorgabe, auf einem Maisacker im kommenden Jahr keinen Mais pflanzen zu dürfen.
Konkret heißt das: Gifteinsatz statt Fruchtfolge.
Die von vielen Imkerverbänden und vom BUND und vorgeschlagene Bekämpfung des Käfers mit Fruchtfolge ist eine realistische Alternative zum Gifteinsatz. In der Schweiz wird diese giftfreie Bekämpfung sehr erfolgreich praktiziert. In Tirol ist der Maiswurzelfiesling gerade angekommen: Hier gelten strenge Richtlinien wie Fruchtfolge. Ein Gifteinsatz kommt für die Tiroler Landwirtschaftskammer nicht in Frage.

Maiswurzelbohrer: Fruchtfolge statt Bayer Gift & Bienensterben
In der Presseerklärung des Landratsamt Ortenau vom 22.10.08 steht: Das Saatgut muss mit einem "zugelassenen, gegen die Larven des Käfers wirksamen Mittel" behandelt werden. Hinter dem Neusprechwort “Mittel” verbirgt sich der Begriff Gift. In diesem Jahr hat das “Mittel” genannte Nervengift Poncho Pro ein massives Bienensterben ausgelöst. Auch wenn zukünftig das Gift besser am Saatgut haftet. Die Folgen des jahrzehntelangen Gift- und Düngemitteleinsatzes im Maisanbau sind im Grundwasser am Oberrhein deutlich erkennbar.
Die Folgekosten trägt die Allgemeinheit. Wo bleibt hier der Aufschrei der Wasserversorger?
Als die Aufregung über die Bayer-Bienenvergiftung groß war, wurde Krisenkommunikation betrieben und die ökologisch sinnvolle Fruchtfolge (mit “kleinen” Ausnahmeregelungen) versprochen. Jetzt ist die Aufregung vorbei, das Thema vergessen und aus der Ausnahme wird die Regel.
Die chemische Vergiftung des Maiswurzelbohrers ist ein Millionengeschäft und in allen Ministerien sind die Lobbyisten erfolgreich aktiv. Die Interessen der Honigesser, der Trinkwassertrinker und der Schutz der Verbraucher und Verbraucherinnen werden bei solchen Entscheidungen nicht berücksichtigt.
Axel Mayer, BUND Geschäftsführer Freiburg
Christof Graf, Imker, Koordinator des Internationalen Bienenkonvent und Organisator der Freiburger Kundgebung gegen das Biensterben, St. Peter
hier: Mehr Infos zum Maiswurzelbohrer