Maiswurzelbohrer in Deutschland / Gift & Genmais oder Fruchtfolge? Eine BUND Information
25.07.2007
Nach der Bienenvergiftung am Oberrhein
im Frühsommer 2008, ausgelöst durch die Bayer - Saatgutbeize Clothianidin (Poncho Pro) gegen den Maiswurzelbohrer, sollen zumindest die Imker jetzt entschädigt werden.
Dies ist nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit meint BUND Geschäftsführer Axel Mayer vom BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, einer der am stärksten betroffenen Regionen. Nicht entschädigt und eigentlich auch nicht entschädigbar sind die Verluste an anderen Wildtieren und eventuelle Schäden auch im Obstbau.
Die kurze Geschichte des Maiswurzelbohrers in Südbaden und dem Elsass
ist eine Geschichte von Pleiten, Pech und Umweltbelastungen, die der BUND seit dem ersten Auftreten des „Jet Set Beetle“ am Euroairport Basel Mulhouse kritisch begleitet hat.
Der Maiswurzelbohrer war 2007 in Deutschland angekommen.
Jetzt entscheidet sich, in welche Richtung sich die Landwirtschaft langfristig entwickeln wird. Wird der Monokulturwurzelbohrer mit Gift und Genmais oder mit ökologisch und ökonomisch sinnvollen Fruchtfolgen bekämpft?
Wir tragen hier einige aktuelle Informationen zusammen. Der Maiswurzelbohrer in Deutschland und in Frankreich / Gift & Genmais oder Fruchtfolge?
Wie zu erwarten war,
ist der Maiswurzelkäfer 2007 auch in Südbaden gefunden worden. Einige der so genannten „Jet-Set Beetle“ (er wird häufig in der Nähe von Flughäfen gefunden) wurden im Umfeld des Euroairports (F) und des Flugplatz Lahr (D) entdeckt. Maiswurzelbohrer sind im Jahr 2007 auch erstmals am Bodensee gefangen worden, teilte das baden-württembergische Agrarministerium in Stuttgart mit.
Protestaktion im Elsass
Der Maiswurzelbohrer ist ein flugfähiger Käfer
mit fünf bis sechs Millimeter Größe, länglich und blassgrün-gelblich. Auf den Flügeldecken und am Flügelrand trägt er schwarze Längsstreifen. Die Käfer fressen an den Narbenfäden bei der Blüte der Maispflanze, wodurch es zu einer schlechteren Befruchtung der Maispflanze kommen kann.
Größeren Schaden richten die Larven an,
die an den Maiswurzeln fressen und so die Pflanze schädigen. Die Eiablage erfolgt im Sommer in den Boden. Aus diesen Eiern schlüpfen im nächsten Jahr Larven, die in zirka einem Meter Umkreis Maiswurzeln zum Überleben brauchen.
2003
wurden in einer, heftig kritisierten, beinahe militärisch anmutenden "Abwehrschlacht" im Elsass über 1,5 Tonnen Insektizide per Hubschrauber ausgebracht. Auch auf der deutschen Seite wurde ein Gebiet entlang des Rheins mit Insektiziden vorsorglich "behandelt". Wie vom BUND angekündigt zeigte sich, dass der „Ausrottungsversuch“ vergeblich war. Auch 2007 wurde der Maiswurzelbohrer
im Elsass mit Pestiziden bekämpft. Das gleiche galt für den Ortenaukreis und den Bodensee. „Beim westlichen Maiswurzelbohrer handelt es sich um einen Quarantäneschadorganismus, der nach Vorgaben der EU bekämpft werden muss. Damit soll eine Ausbreitung in befallsfreie Gebieten verhindert werden", erläuterte Landwirtschaftsminister Hauk das weitere Vorgehen.“ (Zitat aus der Presseerklärung des Ministeriums 166/2007)
Und in der direkt benachbarten Schweiz?
Dort wurde der "Maiswurzelfiesling" bisher ohne Gifteinsatz mit Fruchtfolge bekämpft. Vor vier Jahren wurde den Bauern im Umkreis von 10 Kilometern um die Fundorte in der Gegend von Therwil BL verboten, Mais anzubauen, wo im Jahr zuvor bereits Mais stand. Eine erweiterte Fruchtfolge ist eine wirksame und nachhaltige Bekämpfungsmaßnahme. Die Vermeidung des Anbaus von Mais nach Mais führt beim Schlupf der überwinterten Eier im Frühjahr dazu, dass die auf Mais angewiesenen Larven keine Nahrung vorfinden und absterben. Im Elsass und in Baden brächte eine Fruchtfolge ohne Entschädigung wirtschaftliche Probleme für die Landwirte, die stark auf die Monokultur Mais ausgerichtet sind. Daran ist vor allem eine verfehlte Subventionspolitik in der Vergangenheit schuld: Bis zur Entkopplung der Direktzahlungen von der Produktion im Jahr 2005 wurde von der EU für Maisanbau mehr Geld bezahlt als für jede andere Kultur. In der Schweiz erhalten die Landwirte für gute Produkte mehr Geld als in der EU. Das ermöglicht auch sinnvolle Maßnahmen wie Fruchtfolgen.
Warum diese Unterschiede von Land zu Land
am Oberrhein? In einer Richtlinie der EU wird der Maiswurzelbohrer unter den Schadorganismen als sogenannter Quarantäneschadorganismus eingestuft. Danach muss im Befallsjahr eine Befallszone von mindestens einem Kilometer Radius rund um ein Feld, in dem der Schadorganismus festgestellt wurde, und eine Sicherheitszone von mindestens fünf Kilometer Radius um die Befallszone ausgewiesen werden. Die aktuellen, massiven Bekämpfungsmaßnahmen sind auf diese EU-Richtlinie zurückzuführen, die eine Zurückdrängung des Maiswurzelbohrers erreichen will.
Doch die Annahme einer möglichen Ausrottung
ist unrealistisch. Aus den USA eingeschleppt, vermutlich durch ein Flugzeug im Rahmen der letzten Balkankriege, ist der Schädling in Osteuropa und Österreich nicht mehr ausrottbar und breitet sich aus. Auch in der Schweiz hat der Maisschädling die Alpen überschritten. "Militärisch anmutende, umweltschädliche Abwehrschlachten mit Insektiziden können das Auftreten des Käfers verzögern, aber nicht verhindern," sagt BUND Geschäftsführer Axel Mayer.
Der Maiswurzelbohrer sollte nach Ansicht des BUND
mit Fruchtfolgen bekämpft werden, wie dies auch in der Schweiz geschieht. Die Landwirte sollten entschädigt werden. Der BUND hatte bereits in der Vergangenheit auf die Folgen des bisherigen Dünger- und Pestizideinsatzes beim Maisanbau und auf die massiven Folgen und Belastungen für das Grundwasser hingewiesen. Durch die weitere chemische Bekämpfung des neuen Schädlings auf Grund nicht mehr zeitgemäßer EU-Erlasse, könnte sich dieses Problem noch weiter verschärfen. Ein zunehmender Pestizideinsatz wird die Akzeptanz für die Maismonokulturen, nicht nur am Oberrhein, noch weiter senken.
Skandalöse Abweichung von der Pflicht zur Fruchtfolge im Befallsgebiet
In einem der Befallsgebiete 2007, im Raum Ortenau Lahr gilt in der "Sicherheitszone" die folgende sinnvolle Regelung: - Mais darf auf Flächen, die 2007 damit bepflanzt waren, erst 2009 wieder angebaut werden.
Eine skandalös "giftfreundliche Ausnahmeregelung" aber ist in die Bestimmungen eingebaut:
- Abweichend davon darf auf Flächen, auf denen 2007 Mais gesät wurde, Mais im kommenden Jahr nur angebaut werden, wenn das verwendete Saatgut mit einem geeigneten Insektizid gebeizt wurde oder die Flächen mit einem insektiziden Bodengranulat behandelt wurden.
(Im Rahmen des in Deutschland üblichen "Neusprech" wird statt Insektengift lieber von Insektizid gesprochen und was sich
hinter dem Begriff "behandeln" verbirgt kann man sich vorstellen)
Die unsinnig hohen Subventionen für den grundwasserbelastenden Mais
gibt es seit 2005 nicht mehr- heute bekommen die Bauern für Weizen, Kartoffeln oder Sonnenblumen genauso viel Geld. Ein Problem am Oberrhein ist allerdings, dass sich viele auf Mais spezialisiert haben und die Maschinen für andere Kulturen nicht mehr haben.
Der Maiswurzelbohrer zeigt die regionalen Folgen der Globalisierung. Die Landwirte am Oberrhein stehen im harten globalen Wettbewerb. Es geht wie bei vielen Umweltkonflikten auch um massive wirtschaftliche Interessen der Agrochemielobby. Sie hofft auf den Mehrabsatz von Pestiziden und vor allem auf eine größere Akzeptanz für gentechnisch veränderten Mais.
Bei insektenresistentem Mais ist die Herausbildung von resistenten Schadinsekten eine nicht zu unterschätzende Gefahr. In Nebraska beispielsweise liegen schon Resistenzen gegen Insektizide vor.
Die EU-Quarantäneverordnung für den Maiswurzelbohrer
dient nach Ansicht von BUND Geschäftsführer Axel Mayer nur den wirtschaftlichen Interessen der Agrochemielobby." Ökologisch sinnvolle Fruchtfolgen bringen den Landwirten keine Gewinne. Leidtragende des neuen Schädlings sind Landwirte und durch den aktuellen Pestizideinsatz auch alle anderen Menschen, das Grundwasser und die Umwelt.
Der neue Schädling, der in Osteuropa
und der Schweiz schon Fuß gefasst hat, verursacht nur dann wirtschaftliche Schäden, wenn Mais nach Mais angebaut wird. Darüber waren sich die Experten schon 2003 bei einem Fachgespräch bei der Biologischen Bundesanstalt einig. Die Vermeidung von wirtschaftlichen Schäden ist durch eine ökologisch sinnvolle erweiterte Fruchtfolge ohne weiteres möglich. Der gnadenlose weltweite Konkurrenz- und Überlebenskampf in der Landwirtschaft und eine überholte Quarantänereglung der EU behindern jedoch diese sinnvolle Maßnahme. Gerade das Beispiel Oberrhein zeigt deutlich, dass nur grenzüberschreitend abgestimmte Maßnahmen sinnvoll sind.
Nachtrag
Mit dem neuen Gift Biscaya gegen den Maiswurzelbohrer?
Mit neuen Giften gegen den Maiswurzelbohrer?
Presseerklärung vom 10.August 2007
Der Maiswurzelbohrer soll jetzt (bei günstiger Witterung) auf der badischen Rheinseite mit Insektiziden bekämpft werden. Das ins Gespräch gebrachte Insektengift Biscaya, das auch mit dem Hubschrauber versprüht werden soll, sorgt beim BUND allerdings für Bedenken.
Es ist schon erstaunlich, dass Biscaya in einem Notverfahren am 31.7.2007 erst für den Einsatz gegen den Maiswurzelbohrer zugelassen wurde. Es gibt ein Verbot des menschlichen Verzehrs bei drei Spritzungen.
Der BUND bleibt bei seiner Forderung den Schädling mit Fruchtfolgen zu bekämpfen. Der bisherige Maisanbau hat bereits im Grundwasser am Oberrhein seine deutlichen chemischen Spuren hinterlassen.
Evtl. wäre sogar kostengünstiger den (in diesem Jahr weit entwickelten) Mais in der betroffenen Region vorzeitig zu ernten, in Biogasanlagen zu verwerten und die Landwirte zu entschädigen. Ernte, Transport und Verwertung müssten dann natürlich unter besonderen Sicherheitsbedingungen abgewickelt wären um den Schädling nicht zu verbreiten. Diese ungiftige Alternative sollte zumindest ernsthaft geprüft werden.
Bei allen Bekämpfungsmassnahmen muss der Schutz von Mensch, Natur und Grundwasser im Vordergrund stehen.
Axel Mayer / BUND Regionalverband Maiswurzelbohrer am Oberrhein auch mit Gift nicht auszurotten
Maisschädling jetzt auch an zwei Stellen in Bayern und am Bodensee
Die aktuelle, massive chemische Bekämfung des Maiswurzelbohres am Oberrhein im Raum Lahr, Efringen-Kirchen und Eimeldingen ist auch in der Hoffnung gegründet, den Maisschädling evtl. doch ausrotten oder langfristig aufhalten zu können.
Jetzt bestätigen zwei neue, aktuelle Schädlingsfunde in Bayern (Passau und beim Münchner Flughafen) und in Salem am Bodensee die Ansicht des BUND, dass sich der Maiswurzelbohrer auch mit dem umstrittenen Insektengift Biscaya nicht ausrotten lässt.
Ein Ausrottungsversuch wäre möglicherweise beim allerersten Schädlingsfund 1992 nahe dem Belgrader Flughafen sinnvoll gewesen, heute ist der Maiskäfer flächendeckend in Südosteuropa vorhanden und mit Gift schlicht nicht mehr auszurotten wie die aktuellen Funde in Bayern zeigen.
Die Landwirtschaft am Oberrhein wird sich auf den neuen, gefährlichen Schädling einstellen müssen.
Dauerhafter, langfristig flächendeckender Gifteinsatz und Genmais sind für den BUND nicht akzeptabel und in den USA gibt es auch schon erste gift- und genmaisresistente Käfer des Maiswurzelbohrers.
Die ökologisch und gesamtwirtschaftlich ökonomisch sinnvollste Maßnahme ist nach Ansicht des BUND Fruchtfolge statt Monokultur. Dies wird in der Schweiz auch erfolgreich praktiziert.
Auch die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, AGES bestätigt die Haltung des BUND:
„Die einzige nachhaltig wirkungsvolle Bekämpfungsmaßnahme gegen die Verbreitung des Maiswurzelbohrers ist die sogenannte "Fruchtfolge". Das bedeutet, dass der Bauer nach einer eingebrachten Maisernte in den darauf folgenden zwei Jahren andere Feldfrüchte anbaut und der Schädling dadurch verhungert.
Eine chemische Bekämpfung der Larven im Frühling kann den Befall nur bis zu 70 Prozent reduzieren und ist daher nicht als Maßnahme zur Vernichtung einer gesamten Population geeignet. Das Ausbringen von chemischen Mitteln zu einem späteren Zeitpunkt ist auf Grund der Höhe der ausgereiften Maispflanze nur schwer möglich.
"Um die rasche Verbreitung zu stoppen, ist es wichtig, dass alle Maisbauern die Dringlichkeit des Problems erkennen und freiwillig Fruchtfolge praktizieren. Bauern, die nicht auf Fruchtfolge setzen, müssen in den nächsten Jahren mit hohen Einkommensverlusten rechnen", so Dr. Peter Cate, Diabrotica-Experte der AGES.
Axel Mayer / BUND Geschäftsführer 23.August 2007 Insektizid Biscaya: Ein Kommentar H.-D.Stürmer
(Dipl.-Chemiker, Leiter des Freiburger Institut für Umweltchemie):
Biscaya ist ein absolutes Notmittel, obwohl angeblich Bienenungiftig (B4), weil potentiell humantoxisch:
ACHTUNG: Heterocyclischer Halogenaromat !! Abbau und Metabolisierung unklar !
Nichtkompetitive Eigenschaften bei Enzymaktivitäten nach Formel anzunehmen!
Allergisierung bei Anwendern wahrscheinlich ! Zitatende
Mehr Infos zu Biscaya vom Bundesamt für Verbaucherschutz
Zulassungsnummer 5918-00
Zulassungsinhaber Bayer CropScience
Weitere Vertriebsfirmen
Zulassungsende 31. Dezember 2016
Wirkungsbereich Insektizid
Wirkstoffgehalt 240 g/l Thiacloprid
Formulierung Dispersion in Öl (ölhaltiges Suspensionskonzentrat)
Gefahrenbezeichnung Umweltgefährlich, Gesundheitsschädlich
Kennzeichnung nach GefStoffV R 36/38 : Reizt die Augen und die Haut
R 50/53: Sehr giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.
R 22 : Gesundheitsschädlich beim Verschlucken
R 40 : Verdacht auf krebserzeugende Wirkung.
S 36/37/39 : Bei der Arbeit geeignete Schutzkleidung, Schutzhandschuhe und Schutzbrille/Gesichtsschutz tragen
S 2 : Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen
S 13 : Von Nahrungsmitteln, Getränken und Futtermitteln fernhalten
S 26 : Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren
S 35: Abfälle und Behälter müssen in gesicherter Weise beseitigt werden
S 46 : Bei Verschlucken sofort ärztlichen Rat einholen und Verpackung oder Etikett vorzeigen
S 57 : Zur Vermeidung einer Kontamination der Umwelt geeigneten Behälter verwenden
Zur Vermeidung von Risiken für Mensch und Umwelt ist die Gebrauchsanleitung einzuhalten.
Kennzeichnung nach PflSchMV SPo5: Wiederbetreten der behandelten Fläche erst nach Abtrocknung des Spritzbelages.
Anwendungsbestimmungen
NW468: Anwendungsflüssigkeiten und deren Reste, Mittel und dessen Reste, entleerte Behältnisse oder Packungen sowie Reinigungs- und Spülflüssigkeiten nicht in Gewässer gelangen lassen. Dies gilt auch für indirekte Einträge über die Kanalisation, Hof- und Straßenabläufe sowie Regen- und Abwasserkanäle.
Auflagen NN361: Das Mittel wird als schädigend für Populationen der Art Coccinella septempunctata (Siebenpunkt-Marienkäfer) eingestuft.
NN370: Das Mittel wird als schädigend für Populationen der Art Chrysoperla carnea (Florfliege) eingestuft.
NN3842: Das Mittel wird als schädigend für Populationen der Art Aphidius rhopalosiphi (Brackwespe) eingestuft.
NW264: Das Mittel ist giftig für Fische und Fischnährtiere.
SB001: Jeden unnötigen Kontakt mit dem Mittel vermeiden. Missbrauch kann zu Gesundheitsschäden führen.
SE110: Dicht abschließende Schutzbrille tragen beim Umgang mit dem unverdünnten Mittel.
SS110: Universal-Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) tragen beim Umgang mit dem unverdünnten Mittel.
SS210: Standardschutzanzug (Pflanzenschutz) und festes Schuhwerk (z.B. Gummistiefel) tragen beim Umgang mit dem unverdünnten Mittel.
SS610: Gummischürze tragen beim Umgang mit dem unverdünnten Mittel.
Hinweise NB6641: Das Mittel wird bis zu der höchsten durch die Zulassung festgelegten Aufwandmenge oder Anwendungskonzentration, falls eine Aufwandmenge nicht vorgesehen ist, als nichtbienengefährlich eingestuft (B4).
05.06.2008
Mais, Maiswurzelbohrer, Bienen und Grundwasser: Pleiten, Pech und Umweltbelastung
Nach der Bienenvergiftung am Oberrhein, ausgelöst durch die Bayer - Saatgutbeize Clothianidin (Poncho Pro) gegen den Maiswurzelbohrer, sollen zumindest die Imker jetzt entschädigt werden, kündigte der zuständige und verantwortliche Minister Hauk gestern im Landtag an.
Dies ist nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit meint BUND Geschäftsführer Axel Mayer vom BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, einer der am stärksten betroffenen Regionen. Nicht entschädigt und eigentlich auch nicht entschädigbar sind die Verluste an anderen Wildtieren und eventuelle Schäden auch im Obstbau.
Zur Zeit werden öffentlich nur die Probleme dieses Jahres diskutiert, doch die kurze Geschichte des Maiswurzelbohrers in Südbaden und dem Elsass ist eine Geschichte von Pleiten, Pech und Umweltbelastungen, die der BUND seit dem ersten Auftreten des „Jet Set Beetle“ am Euroairport Basel Mulhouse kritisch begleitet hat. hier: mehr Infos Maiswurzelbohrer
Als der Käfer im Jahr 2003 im Elsass erstmalig gesichtet wurde versprühten Hubschrauber 1,5 Tonnen des Gifts "Karate". Hinter dem Begriff Karate verbergen sich die besonders giftigen Pyrethroide. Beim Menschen lösen sie Übelkeit, Herzrasen und Atembeschwerden aus. In „abgespritzten“ Kleingewässern starben die Fische. Aufgebrachte Menschen im Elsass veranstalteten mit aufgespannten Schirmen eine Kundgebung gegen die Giftdusche.
Eine massiver Gifteinsatz zur Abwehr des Käfers an der deutschen Grenze hat, wie vom BUND nicht anders erwartet, nichts gebracht. Im Jahr 2007 wurden die ersten Exemplare des Maiswurzelbohrers auf der badischen Rheinseite entdeckt und mit dem umstrittenen Insektengift Biscaya bekämpft. Biscaya wurde in einem Notverfahren am 31.7.2007 erst für den Einsatz gegen den Maiswurzelbohrer zugelassen.. Es gibt ein Verbot des menschlichen Verzehrs bei drei Spritzungen...
Einen kritischen Beitrag von der Internetseite des Imkerbundes zum Thema Saatgutbeize Clothianidin unter der Überschrift „Der Maiswurzelbohrer kommt, die Biene geht?“ vom 6.03.2004 hatten auch wir vor Jahren auf unserer Seite veröffentlicht. Die Behörden, Politiker, aber auch die Landwirte hätten gewarnt sein müssen...doch der Einfluss der Agrochemielobby ist „ein wenig ausgeprägter“ als der der Umweltorganisationen.
Vorbild Schweiz? Dort wurde und wird der Maiswurzelbohrer ohne Gifteinsatz mit Fruchtfolge bekämpft. Eine erweiterte Fruchtfolge ist eine wirksame und nachhaltige Bekämpfungsmaßnahme. Die Vermeidung des Anbaus von Mais nach Mais führt beim Schlupf der überwinterten Eier im Frühjahr dazu, dass die auf Mais angewiesenen Larven keine Nahrung vorfinden und absterben. Im Elsass und in Baden brächte eine Fruchtfolge ohne Entschädigung wirtschaftliche Probleme für die Landwirte, die stark auf die Monokultur Mais ausgerichtet sind. Daran ist vor allem eine verfehlte Subventionspolitik in der Vergangenheit schuld: Bis zur Entkopplung der Direktzahlungen von der Produktion im Jahr 2005 wurde von der EU für Maisanbau mehr Geld bezahlt als für jede andere Kultur. In der Schweiz erhalten die Landwirte für gute Produkte mehr Geld als in der EU. Das ermöglicht auch sinnvolle Maßnahmen wie Fruchtfolgen. Die zwischenzeitlich stark verbesserte Erzeugerpreise für Getreide und anderen Feldfrüchten in Deutschland sollten eine Fruchtfolge auch bei uns möglich machen, auch wenn die am Maiswurzelbohrer gut verdienende Chemieindustrie gerne anderes erzählt.
Warum diese Unterschiede von Land zu Land am Oberrhein? In einer Richtlinie der EU wird der Maiswurzelbohrer unter den Schadorganismen als sogenannter Quarantäneschadorganismus eingestuft. Danach muss im Befallsjahr eine Befallszone von mindestens einem Kilometer Radius rund um ein Feld, in dem der Schadorganismus festgestellt wurde, und eine Sicherheitszone von mindestens fünf Kilometer Radius um die Befallszone ausgewiesen werden. Die umweltschädlichen Bekämpfungsmaßnahmen sind auf diese EU-Richtlinie zurückzuführen, die eine Zurückdrängung des Maiswurzelbohrers erreichen will.
Doch die Annahme einer möglichen Ausrottung ist unrealistisch. Aus den USA eingeschleppt, vermutlich durch ein Flugzeug im Rahmen der letzten Balkankriege, ist der Schädling in Osteuropa und Österreich nicht mehr ausrottbar und breitet sich aus. Auch in der Schweiz hat der Maisschädling die Alpen überschritten. "Militärisch anmutende, umweltschädliche Abwehrschlachten mit Insektiziden und giftigen Beizen können das Auftreten des Käfers verzögern, aber nicht verhindern," sagt BUND Geschäftsführer Axel Mayer.
Der Maiswurzelbohrer sollte nach Ansicht des BUND mit Fruchtfolgen bekämpft werden, wie dies auch in der Schweiz geschieht. Wenn Minister Hauk dem widerspricht, dann zeigt sich darin ein rückwärtsgewandter Fortschrittsglaube.
Der BUND hatte bereits in der Vergangenheit auf die Folgen des bisherigen Dünger- und Pestizideinsatzes beim Maisanbau und auf die massiven Folgen und Belastungen für das Grundwasser hingewiesen. http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/wasser-oberrhein.html
Schon der bisherige Anbau von Mais in der Rheinebene zeigt sich in einer flächenhaften Nitrat-Belastungsfahne im Elsass und in Südbaden. Durch die weitere chemische Bekämpfung des neuen Schädlings auf Grund nicht mehr zeitgemäßer EU-Erlasse könnte sich dieses Problem noch weiter verschärfen. Der verstärkte Pestizideinsatz und das Bienensterben, für das die Saatguthersteller die Verantwortung tragen, hat die Akzeptanz für die Maismonokulturen, nicht nur am Oberrhein, noch weiter gesenkt.
Axel Mayer / BUND Geschäftsführer mehr Infos: BUND Info Maiswurzelbohrer AGES Info Maiswurzelbohrer
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