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Neues Pumpspeicherwerk der Schluchseewerk AG am Hochrhein: Gut für Wind und Atom?

02.10.2008
An die Mailinglisten des BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein

Der Wunsch der Schluchseewerk AG, alte Pläne für ein Pumpspeicherwerk im Hotzenwald zu reaktivieren, hat den BUND und die Umweltbewegung überrascht. Von Stellungnahmen oder einer "fertigen Meinung" zu diesem wichtigen Thema sind wir noch weit entfernt. Dennoch beginnt jetzt ein Diskussionsprozess in der Umweltbewegung (u.a. in großen regionalen Mailinglisten) und manche "grünen Argumente" der bisher in den Medien veröffentlichten Diskussion, werden kritisch hinterfragt.
Ich sende Ihnen zur Information einen Debattenbeitrag des BUND-Regionalverband.
Dieser Debattenbeitrag beleuchtet auch Aspekte, die bisher in den Medien noch nicht angesprochen wurden.

Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer / BUND Geschäftsführer Freiburg




Neues Pumpspeicherwerk im Hotzenwald am Hochrhein: Gut für Wind und Atom?
Ein wichtiges und schwieriges Thema für die Umweltbewegung am Oberrhein und am Hochrhein.



Pumpspeicherwerk für Wind und Atom?

Liebe Freundinnen und Freunde in den Verteilern,

um die unregelmäßig anfallende Wind- und Sonnenenergie zwischen zu speichern braucht es "Batterien" oder ein verbessertes Energiemanagment.
Pumpspeicherwerke könnten einen Teil der Windenergie speichern.

Mit Pumpspeicherwerken kann allerdings auch Grundlast-Atomstrom in teuren Spitzenlaststrom "veredelt" werden. Vor Jahrzehnten haben wir am Hochrhein ein Atom-Pumpspeicherwerk im Lindauer Tal verhindert, auch aus Gründen des Landschaftsschutzes.

Jetzt plant die Schluchseewerk AG ein neues Pumpspeicherwerk im Hotzenwald und begründet dies mit dem Ökostrom. Die bisher veröffentlichte Debatte befasst sich nur mit den "Ökoargumenten". Nur so lassen sich solche Projekte durchsetzen.

Gleichzeitig werden aber in der Schweiz neue AKW geplant, die wesentlich mehr Leistung bringen würden, als die alten Schrottreaktoren. Die beiden alten Beznauer Reaktoren haben zusammen 730 MW, der neue EPR hat eine elektrische Leistung von 1600 MW. Auch für die AKW Betreiber wäre es ökonomisch sinnvoll den Atomstrom in Spitzenlaststrom umzuwandeln.

Geht es der Schluchseewerk AG tatsächlich "nur" um den Ökostrom, oder lenkt diese Ökoargumentation von den atomaren Hintergründen ab? (Greenwash) Wenn in der Schweiz tatsächlich neue AKW mit mehr Leistung und neuen Gefahren gebaut würden, dann würde die "Atomstromveredelung" wohl tatsächlich im Voedergrund stehen.

Nicht überall wo heute "grün" draufsteht ist auch "grün" drin...

Das ganze ist ein wichtiges, kompliziertes und schwieriges Thema für die Umweltbewegung.

Gruss
Axel

(Die Schluchseewerk AG ist eine 50-Prozent-Tochter der RWE Power AG und eine 37,5 Prozent-Tochter der EnBW Kraftwerke AG,
eine 7,5 Prozent-Tochter der Energiedienst AG sowie eine 5 Prozent-Tochter der Energiedienst-Holding AG.)


hier mehr Infos: Neue AKW Schweiz




Am Schluchsee zeigt sich, warum Wind- nicht zu Atomkraft passt.
Wasser den Berg hinauf


KOMMENTAR in der Tageszeitung TAZ am 22.Okt.2008 VON BERNWARD JANZING

Der Ausbau der Windkraft erfordere den Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken, um für ausgleichend Strom zu sorgen, so heißt es. Bei starkem Wind pumpen die Anlagen Wasser den Berg hinauf und verbraten dabei überzähligen Strom. Bei Flaute jagen sie das Wasser wieder über die Turbinen hinunter. Klingt plausibel.
Bernward Janzing ist studierter Geowissenschaftler und arbeitet als freier Journalist in Freiburg. Der Klimawandel und die effiziente - und kostensparende - Nutzung von Energie zählen seit Jahren zu den Schwerpunkten seiner Arbeit. Foto: taz

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Fakt ist: Windkraft in großem Stil und Atomkraft passen technologisch nicht zusammen. Wo beides aufeinander trifft, braucht man einen Ausgleich - zum Beispiel Pumpspeicherwerke. Folglich kann man mit der gleichen Berechtigung, wie derzeit die Windkraft als Grund für die Baupläne im Hotzenwald herhalten muss, auch die Atomkraft als Grund nennen: Hätte man nämlich flexible Gaskraftwerke statt unflexibler Atomkraftwerke am Netz, bräuchte man die neuen Staubecken nicht.

Vor zwei Wochen etwa blies der Wind in Deutschland so stark, dass der Strom morgens im Großhandel der Strombörse zu negativen Preisen "verkauft" wurde. Denn die Atomkraftwerke speisten ungerührt mehr als 13.000 Megawatt ein und schufen damit einen Überschuss. Weil es nicht möglich ist, die Meiler kurzfristig deutlich runterzufahren, legten die Erzeuger den Abnehmern des überflüssigen Stroms sogar noch einen Zehntel Cent pro Kilowattstunde drauf.

Unabhängig von atomaren Risiken und der ungeklärten Entsorgung des Atommülls: Auch aus technischer Sicht ist Atomkraft mit einem modernen - also regenerativ geprägten - System der Stromerzeugung nicht kompatibel. Und da die Windkraft nicht mehr aufzuhalten ist, brauchen wir flexible Kraftwerke, die gegenläufig zu den erneuerbaren Energien gefahren werden können.

Quelle: http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/wasser-den-berg-hinauf




Badische Zeitung vom Freitag, 17. Oktober 2008 LESERBRIEFE

Pumpspeicherkraftwerk Nur wirtschaftliche Interessen spielen Rolle

Zu den Plänen des Schluchseewerks, oberhalb Bad Säckingens im Hotzenwald ein neues Pumpspeicherkraftwerk zu bauen.

Es erscheint mir dringend notwendig, zu den technischen Fragen Stellung zu nehmen, denn hier wird mit allerlei Unwahrheiten gearbeitet, um der Bevölkerung dieses Projekt unter dem Deckmantel der regenerativen Energien schmackhaft zu machen. Und mit einem Ausbau der Wasserkraft, wie von Landrat Bollacher behauptet, hat diese Thematik schon gleich gar nichts zu tun. Rein wirtschaftliche Interessen spielen hier eine Rolle.

Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass Pumpspeicherkraftwerke keine Energie erzeugen — schon gleich gar nicht regenerative Energie — sondern speichern und dabei im Prinzip eher vernichten.

Die Behauptung, dass Pumpspeicherkraftwerke einspringen müssen, wenn die Windräder bei Flaute still stehen, ist falsch. Diese Kraftwerke sind im Prinzip für zwei Anwendungszwecke hervorragend geeignet — zum Speichern von überschüssigem Strom und zum Ausgleich von kurzfristig auftretenden Lastschwankungen. Kurzfristige Lastschwankungen entstehen aber nicht durch Windenergie; das Problem ist die Struktur unserer Energieversorgung, denn es sind die großen Kraftwerke, die große Ersatzkapazitäten brauchen. Wenn ein Biblis-AKW ausfällt, fehlen auf einen Schlag 1300 MW. Der Wind aber fällt bundesweit nicht schlagartig aus. Für Holland (eine Vergleichszahl für die BRD liegt mir nicht vor) beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die Windleistung sich um 30 Prozent in einer Stunde ändert, nur 1:10 000. Windenergie ist auch nicht unberechenbar. Die Vorhersagen sind mittlerweile sogar so genau, dass Windparks selber als Anbieter von Regelenergie auftreten können.

Auch die Thematik mit dem überschüssigen Strom führt zurück auf die Struktur der Energieversorgung in Deutschland. Es ist so, dass der Anteil der großen und relativ trägen bzw. schlecht regelbaren Kraftwerksblöcke an der Stromerzeugung offensichtlich zu groß ist. Da der Gesetzgeber die Energieversorger verpflichtet hat, anfallenden regenerativ erzeugten Strom immer aufzunehmen, müssten die EVU diese Blöcke in ihrer Leistung zurückfahren. Dabei sinkt aber der Wirkungsgrad, was aus betriebswirtschaftlicher Sicht der EVU nicht gewünscht ist. Deshalb sind sie bestrebt, Pumpspeicherseen zu füllen, zumal der damit erzeugte Spitzenstrom teuer verkauft werden kann, während der zum Hochpumpen verwendete Grundlaststrom sehr billig ist. Daran wird deutlich, dass Pumpspeicherkraftwerke sehr gut dazu geeignet sind, Strom zu veredeln; man könnte auch sagen z.B. Atomstrom zu waschen und als Wasserkraftstrom zu verkaufen. Und das, obwohl der Prozess mit einem Verlust von gut 25 Prozent behaftet ist.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass nicht der zunehmende Anteil an regenerativ erzeugtem Strom Pumpspeicherseen notwendig macht. Es sind vielmehr betriebswirtschaftliche Aspekte, die solche Projekte für die EVU so reizvoll machen.
Jürgen Pritzel, Herrischried


Dieser Artikel wurde 371 mal gelesen und am 11.11.2008 zuletzt geändert.
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