Diese Seite ausdrucken

Ökostrom häufig billiger als Yello Egalstrom

Grünstromanbieter sind mitunter billiger als die Billigmarke Yello

Von Bernward Janzing

FREIBURG. Wer Strom aus erneuerbaren Energiequellen, kurz Ökostrom, beziehen möchte, muss nicht unbedingt draufzahlen. Im Gegenteil: Nachdem viele konventionellen Stromversorger ihre Preise erhöht haben, zählen einige Ökostromanbieter inzwischen zu den billigsten Lieferanten.

Der günstigste Anbieter lässt nicht pauschal bestimmen. Es hängt vom persönlichen Verbrauch ab, bei welchem Anbieter man seinen Strom am billigsten bekommt. Aber zahlreiche Kunden können mit dem Bezug von Ökostrom Geld sparen. Nehmen wir einen Haushalt mit 1500 Kilowattstunden Jahresverbrauch - das kann ein Single-Haushalt sein oder ein sparsamer Zwei-Personen-Haushalt.

Bezieht dieser Haushalt Ökostrom von den "Stromrebellen" der EWS aus Schönau, so kostet ihn das 304,50 Euro im Jahr. Nur unwesentlich teurer ist der Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick mit 309,30 Euro. Regiostrom, der Ökostrom der Badenova, liegt mit 335,25 Euro im Mittelfeld. Bei Naturenergie kosten 1500 Kilowattstunden im Jahr 350,61 Euro, bei Greenpeace-Energy 370,20 Euro und bei Naturstrom 377,85 Euro.

Der Tarif der EnBW-Tochter Yello liegt in Freiburg mit 329,85 Euro über dem mancher Ökoanbieter - dennoch hat Yello kurioserweise das Image des Billiganbieters. Der reguläre EnBW-Tarif liegt mit 335,35 Euro noch etwas höher. Der Ökostrom der EWS ist für jeden Kunden, der weniger als rund 2200 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, billiger als Strom von Yello. Regiostrom der Badenova ist bei einem Verbrauch bis knapp 2000 Kilowattstunden billiger als Yello. Das liegt an den geringeren monatlichen Fixkosten, die Badenova und EWS berechnen.

"Unsere Preisstruktur hat einen politischen Hintergrund", sagt Martin Halm, Geschäftsführer der EWS: "Mit niedriger Grundgebühr und höheren Kilowattstundenpreisen belohnen wir Stromsparen." Alles andere wäre aus Schönauer Sicht auch unglaubwürdig. Denn die EWS gingen aus einer Bürgerinitiative gegen Atomkraft hervor. Doch von politischen Preisen alleine kann kein Stromversorger leben. Es muss für die günstigen Tarife weitere Gründe geben.

"Schauen Sie sich die Prachtbauten der großen Konzerne an", sagt EWS-Geschäftsführer Halm. Sein Unternehmen ist in einem unscheinbaren Häuschen im Zentrum der 2500-Einwohner-Gemeinde Schönau untergebracht. Ein weiterer Preisvorteil einiger Ökostromer liegt in den deutlich geringeren Werbe- und Marketingkosten. Denn schließlich müssen auch diese Ausgaben, die bei einigen konventionellen Anbietern enorm sind, am Ende stets von den Kunden getragen werden. So ist Lichtblick für alle Privatkunden billiger als die EnBW; die EWS sind bis fast 3900 Kilowattstunden Jahresverbrauch günstiger als der Normaltarif der EnBW.

Das liege auch daran, dass bei Ökostromhändlern zumeist die Margen geringer seien als in der klassischen Stromwirtschaft, sagt Lichtblick-Sprecher Gero Lücking. Hinzu komme, dass etwa Lichtblick "als junges Unternehmen mit schlanker Struktur keinen solchen Wasserkopf finanzieren" müsse, wie viele der eingesessenen Stromversorger.

So kann es nicht verwundern, dass die etablierten Stromkonzerne, wenn sie als zusätzliches Produkt Ökostrom verkaufen, diesen stets teurer anbieten als ihren üblichen Mix. Da muss der Kunde beides bezahlen: sowohl die höheren Beschaffungskosten für den umweltgerecht erzeugten Strom als auch die teuren Strukturen der Ex-Monopolisten. Doch nicht allein die Kosten sind nach Lückings Einschätzung Grund für den Öko-Aufschlag. "Da steckt auch viel Ideologie dahinter", sagt er. Mit ihrer Preisstruktur wollten die Unternehmen suggerieren, dass Ökostrom zwangsläufig teurer sein müsse: "Da schwingt immer die Aussage mit, dass nur mit Kohle und Atomkraft eine preisgünstige Versorgung möglich ist."
Wir danken Herrn Janzing für die Abdruckgenehmigung.

Quelle: Badische Zeitung vom Samstag, 23. August 2003

mehr Infos:


hier: weltweite Energiereserven
hier: Alle Infos zu Atomkraftwerken
hier: neue Kohlekraftwerke sind Klimakiller
hier: Wachstum und Wachstumskritik
hier: Klimawandel und Klimaschutz





Dieser Artikel wurde 641 mal gelesen und am 10.6.2007 zuletzt geändert.
Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/oekostrom-haeufig-billiger-als-egalstrom.html">Ökostrom häufig billiger als Yello Egalstrom</a>