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Kernkraftwerk Leibstadt - Problemreaktor wieder am Netz

23.08.2006
An die Medien

Nach Instandhaltungsarbeiten und einem Austausch der Brennelemente ist das grenznahe Schweizer AKW Leibstadt wieder ans Netz gegangen.

Versteckt in einer langen, selbstlobenden Presseerklärung der KKW Leibstadt AG war dann auch in zwei dürren Sätzchen ein "kleines" Problem aufgezeigt worden:

"Es wurden zwei meldepflichtige Vorkommnisse der Klasse U durch Prüfanzeigen an Schweissnähten festgestellt. Die bisherige Beurteilung kommt zu dem Ergebnis, dass die Integrität der Rohrleitung und des Behälters während des nächsten Betriebszyklus nicht eingeschränkt ist." Zitatende

Offen blieb in dieser PE allerdings die Frage, an welchen Teilen des AKW die Probleme mit den Schweissnähten aufgetreten waren, und was den Betreibern die Zuversicht gibt, dass das AKW den nächsten Betriebszyklus unbeschadet überstehen wird.

Erfreulicherweise hat zumindest ein kleiner Teil der Medien gründlicher recherchiert und berichtet. Die Risse waren in den Schweissnähten des Reaktordruckbehälters, also im Herzstück des Reaktors, aufgetaucht.

Bei den Befunden handelt es sich wahrscheinlich um zwei, aus der Herstellung der Plattierung resultierende, Fehler und um einen Fehler im Schweissgut, teilte die Hauptabteilung für die Sicherung der Kernanlagen (HSK) mit. Weitere Abklärungen seien im Gange.

Nachträglich wurde bei den abschliessenden Funktionstests eines Sicherheitssystems ein Fehler bei einem Messwertaufnehmer festgestellt, der repariert worden sei.

Nach Beendigung der Arbeiten und Funktionsprüfungen sind bei den abschliessenden Rundgängen im Kraftwerk geringfügige Leckagen im Bereich der Turbinen festgestellt worden. Auch das ist bedenklich, weil bei einem Siedewassereaktor das radioaktive Wasser des Primärkreilaufs direkt auf die Turbine trifft.

Im Zusammenhang gesehen also eine Vielzahl von technischen Problemen und das nicht bei einer Wurstfabrik, sondern bei einem AKW. In einem AKW entsteht in einem Jahr pro Megawatt Leistung ungefähr die kurz- und langlebige Radioaktivität einer Hiroshimabombe. Das heisst, allein im AKW Leibstadt entsteht jährlich die Radioaktivität von ca. 1100 Hiroshimabomben.

Aus diesen Gründen wäre es gut und wichtig, mehr über die zunehmenden technischen Probleme im AKW Leibstadt zu erfahren.

Das Grundproblem der Öffentlichkeit und der Medien ist die Definitionsmacht der Betreiber und der wenig neutralen "Kontroll" behörden (HSK) über Störfälle und Gefahren. Ein aktuelles beispiel dafür ist der schwere Störfall im schwedischen AKW Forsmark. Der Unfall im AKW, das knapp vor dem GAU stand, wurde auf der 7stufigen INES - Skala nur als Unfall der Stufe 2 eingestuft um die Bevölkerung zu beruhigen.

Es wäre wichtig von tatsächlich unabhängigen Fachleuten mehr über den Zustand des AKW Leibstadt zu erfahren.

Dazu gehören nach Ansicht des BUND u.a. die folgenden Fragen:

  • In welchen Bereichen der Schweissnähte sind die Probleme aufgetreten?

  • Welche Dimension haben die Probleme an den Schweißnähten?

  • Warum wurden die aus der Herstellung der Plattierung resultierenden Fehler nicht bei den vorherigen mit Mediengetöse durchgeführten "gründlichen" Prüfungen festgestellt und welche Auswirkungen haben sie auf die Sicherheit.

  • Warum häufen sich im AKW Leibstadt in den letzten Jahren die technischen Probleme?

  • Worauf beruht die Einschätzung, dass das AKW zumindest den nächsten Betriebszyklus unbeschadet überstehen wird?


Die Menschen auf beiden Seiten des Rheins haben ein Anrecht auf mehr objektive und neutrale Informationen zu diesem wichtigen Thema, denn sie wären im Falle eines Unfalls auch die Betroffenen.

Axel Mayer


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Dieser Artikel wurde 2550 mal gelesen und am 12.7.2012 zuletzt geändert.