Resolution der Rheingemeinde Weisweil zur sofortigen Stilllegung des AKW Fessenheim
... und gegen den Zubau weiterer Reaktoren - Fessenheim geht uns alle an!
Aufgrund der zahlreichen gemeldeten Störfälle der vergangenen Wochen, verbunden mit der zeitweiligen Stilllegung, von den nicht gemeldeten Störfällen ganz zu schweigen, sowie aufgrund der beiden kleineren Erdbeben im Jahr 2003 und in diesem Jahr ist die Diskussion über die Sicherheit des AKW Fessenheim wieder brandaktuell und unabdinglich.
Schon mehrfach wurde hierzu neben verschiedenen Umweltverbänden und politischen Gruppierungen auch von unserer Seite aus Initiative ergriffen, die jedoch bisher zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führte. Nach den heutigen Erkenntnissen bleibt als einzige ehrliche und verantwortungsbewusste Möglichkeit die sofortige Stillegung des 27 Jahre alten, maroden AKW Fessenheim. Nur so kann man den Sicherheitsbedürfnissen der Bevölkerung beidseitig des Rheins und weiten Teilen Mitteleuropas gerecht werden.
Grundsätzlich ist Folgendes festzustellen :
Der erdbebengefährdete Oberrheingraben war von Anfang an ungeeignet als Kernkraftwerksstandort. Wenn man bedenkt, dass das AKW Fessenheim auf einem für seine Erdbebenunbeständigkeit charakterisierten Standort gebaut ist und sich im Jahre 1965 eine seismische Erschütterung mit Epizentrum Fessenheim ereignete, war der Bau geradezu fahrlässig. Zweifel an der Erdbebensicherheit wurden oberflächlich abgewiesen und auch wir wurden mit dem Hinweis auf ein Gutachten mehrere Jahre vertröstet. Die Kraftwerksleitung hat mit Ihrem offensichtlich laschen Umgang mit bestehenden Sicherheitsbestimmungen und Ihrer skandalösen Informationspolitik Behörden und Bevölkerung beidseits des Rheins betrogen. Tatsache ist, dass wichtige Teile des AKW zugegebenermaßen nicht erdbebensicher waren und trotz der Nachbesserungen im Jahre 2000 noch nicht sind. Zahlen der EDF, die das seismische Risiko betreffen, werden auch von der nuklearen Kontrollbehörde sehr in Frage gestellt.
Es ist offensichtlich, dass die Kernenergie-Industrie aus Kostengründen (200 Millionen Euro pro Reaktor) die Forderung der ASN (Nukleare Sicherheitsbehörde) ablehnt, eine Realisierung der Sicherheitsmaßnahmen angesichts des seismischen Risikos durchzuführen.
Des Weiteren ist seit langem bekannt, dass das AKW nicht in der Lage ist, den Absturz eines Linien- oder Kampfflugzeuges zu überstehen, sich aber in der Richtung der Landebahn des Flughafens Basel/Mulhouse befindet, der etwa 30 Kilometer entfernt ist.
Dies ist gerade nach den Attentaten des 11. September 2001, des 11. März 2004 und der andauernden akuten Bedrohung durch Terroristen äußerst gefährlich, da ein in Basel/Mulhouse entführtes Flugzeug in wenigen Minuten Fessenheim erreichen könnte.
Wenn man außerdem weiß,
dass das Überschwemmungsrisiko infolge eines Bruchs des Rheinseitenkanals nicht definitiv ausgeschlossen werden kann und sich das AKW unterhalb befindet,
dass 20 Jahre nach der Inbetriebnahme Risse im Behälter eines Reaktors aufgedeckt worden sind und deren Entwicklung noch unklar ist,
dass die Explosionsgefahr mit Wasserstoff im Falle eines Bruches im Primärkreis und einer Überhitzung des Kerns nicht gelöst worden ist
dass ein Konstruktionsfehler bei einem Störfall das Wasserkühlsystem verhindern könnte (Schlechte Senkgrubendimensionierung)
dass, aufgrund eines Handhabungsfehlers Harz in den Reinigungskreislauf des Primärkreises abgelassen worden ist und eine Verstopfung der Filter bewirkt hat. Folge dieses nicht vorgesehenen Zwischenfalls : Bestrahlung von 12 Angestellten. Das Risiko des menschlichen Versagens wurde also total unterschätzt.
dass drei alte Wärmetauscher zu radioaktiv verseucht sind, um transportiert zu werden. Sie müssen über 10 Jahre in einem “Sarkophag” gelagert werden, ohne dass man weiss, was mit ihnen geschehen wird,
dass der Katastrophenschutz, insbesondere die nur relative Schutzwirkung der Jodtabletten (Jodtabletten sind keine Strahlenschutzpillen) sowie die Verteilung der Jodtabletten äusserst umstritten sind, denn wenn die Menschen im Ernstfall erst ihre Jodtabletten abholen müssten, könnten diese nicht mehr rechtzeitig eingenommen werden und damit wären Panik und Chaos bereits vorprogrammiert.
Deshalb müssen wir, bevor es zu spät wird, die endgültige Schließung des AKW Fessenheim und die Einführung eines Zeitplanes für seinen Abbau fordern.
Wir halten es für eine unsere wichtigsten Aufgaben, in Zusammenarbeit mit anderen Initiativgruppen beidseits des Rheins für die Stillegung des AKW Fessenheim zu sorgen.
Die Erweiterung um zwei neue Reaktoren (Euroreaktor) in Fessenheim wäre eine Provokation für die Region, die nicht hinnehmbar wäre!
Weisweil, den 24. März 2004
Ähnlich lautende Resolutionen wurden von folgenden Gemeinden unterzeichnet: Auggen, Bad Krozingen, Breisach, Bürgermeistersprengel Batzenberg/Schönberg, Denzlingen, Ebringen, Eichstetten, Emmendingen, Freiburg, Freiburg-Hochdorf, Lahr, Müllheim, Oberried, Pfaffenweiler, Riegel, Schliengen, Staufen, Vogtsburg, Vörstetten und Weisweil, dem Kreistag Lörrach sowie dem Regionalverband Südlicher Oberrhein.
Dieser Artikel wurde 320 mal gelesen und am 16.5.2007 zuletzt geändert.
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