Atomlobbyist Sarkozy will Fessenheimer Gefahrzeitverlängerung
09.02.2012
Frau Merkel sollte sich überlegen wen sie küsst...
Frau Bundeskanzlerin Merkel, die „chère amie“ des französischen Staatspräsidenten, hat die Zeichen der Zeit nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima erkannt und, wenn auch zögerlich, dem öffentlichen Druck nachgegeben und die Energiewende in Deutschland eingeleitet.
Herr Sarkozy hat bei seinem heutigen Besuch im elsässischen Fessenheim wieder einmal gezeigt, dass er französischer Staatspräsident und Atomlobbyist ist.
Er setzt den Auftrag der EDF um und will die Gefahrzeitverlängerung für das älteste französische AKW, das nicht erdbebensicher ist und bei einem Bruch des Rheinseitenkanals überflutet werden könnte. Das Fundament der Anlage weist eine Dicke von nur 1,5 Metern auf. Dies ist somit die dünnste Fundamentierung aller französischen Atomkraftwerke. Die „Nachrüstung“ würde die französische EDF über 100 Millionen Euro kosten, Kosten an denen auch die deutsche EnBW mit 17,5% beteiligt wäre.
Doch unsichere Atomanlagen sind für Herrn Sarkozy kein Problem. Vor wenigen Jahren wollte er dem damaligen libyschen Staatspräsidenten Ghaddafi ja sogar noch Atomkraftwerke liefern und hat damals sogar eine Gefährdung durch Atomkraftwaffen in Kauf genommen.
Üblicherweise werden Besuchstermine eines Staatspräsidenten Monate zuvor bekannt gegeben, doch "erstaunlicherweise" nicht so bei diesem Besuch. Im kleinen Ort Fessenheim bekam Herr Sarkozy selbstverständlich den erhofften Pro-Atom-Jubel, denn da werden auch Ängste geschürt. Ängste um Arbeitsplätze, das Schwimmbad, die Gewerbesteuer und um die 1% vom EDF-Umsatz (!) für das Sozialwerk der Gewerkschaft... Doch der Abriss des alten AKW würde ebenso für Jahrzehnte Arbeit schaffen und die Energiewende beschert Deutschland gerade ein Jobwunder.
Da Herr Sarkozy nur die Belegschaft des AKW und die EinwohnerInnen von Fessenheim besucht, wird er einen gezielt falschen Eindruck mit nach Paris nehmen. Im Elsass und der trinationalen Region um Fessenheim, dort wo die Menschen nicht von der EDF profitieren sondern nur das enorme atomare Risiko tragen und grenzüberschreitend solidarisch das AKW ablehnen, hätte Herr Sarkozy einen anderen Eindruck mitgenommen.
Frau Merkel sollte Herrn Sarkozy beim nächsten Besuch mal erzählen, wer in diesem kalten Winter gerade Strom importiert (F) und wer Strom exportiert (D). Sie könnte von den vielen Arbeitsplätzen berichten, die in Deutschland gerade im Bereich der alternativen Energien geschaffen werden. Ansonsten wird sie in Zukunft vielleicht den jetzigen französischen Präsidentschaftskandidat Hollande herzen müssen, der Fessenheim nach der Wahl abschalten möchte.
Axel Mayer (BUND Geschäftsführer)
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