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Siedewasserreaktor - Atomreaktor - Kernreaktor: Funktion und Gefahren


Wie funktioniert ein Siedewasserreaktor?

Der Siedewasserreaktor
ist ein Atomreaktor, der dem Druckwasserreaktor in vielem ähnelt. Nur wenige, ältere Atomkraftwerke sind Siedewasserreaktoren. Ein Siedewasserreaktor ist ein wassergekühlter und wassermoderierter Atomreaktor und gehört wie der Druckwasserreaktor zu den Leichtwasserreaktoren.

Im Gegensatz zum Druckwasserreaktor
gibt es aber nur einen einzigen Wasser – Dampfkreislauf, was eine besondere Schwachstelle dieses Reaktortyps ausmacht. Der Reaktordruckbehälter ist zu ungefähr zwei Dritteln mit Wasser gefüllt. Durch die, bei der Kernspaltung in den Brennelementen entstehende Wärme, verdampft ein Teil des Wassers bei 71 Bar und 286°C im Druckbehälter; dieser Dampf treibt die Turbine direkt an. Steuerstäbe dienen zur Regelung und zur Abschaltung des Atomreaktors. Sie können aus technischen Gründen nur von unten eingeführt werden. Wenn sich Steuerstäbe im Reaktorkern befinden, absorbieren sie einen Teil der durch die Kernspaltung freigesetzten Neutronen, so dass diese nicht für weitere Kernspaltungen zur Verfügung stehen. Auf diese Weise wird das unkontrollierte Anwachsen der Kettenreaktion im Reaktor verhindert.

Der „Verzicht“ auf einen zweiten Wasserkreislauf
im Siedewasserreaktor führt dazu, dass radioaktiv kontaminiertes Wasser auch ins Maschinenhaus und an die Turbinen kommt. So werden Rohrleitungen und Teile der Turbinen durch den permanenten Kontakt mit diesen radioaktiven Stoffen im Laufe der Zeit an der Oberfläche kontaminiert. Aus diesem Grund sollte auch das Maschinenhaus wegen radioaktiver Belastung möglichst wenig betreten werden. Technische Probleme an mechanischen Teilen (Turbinen u.ä.) führen dazu, dass Reparaturen wesentlich aufwändiger sind. Den einzigen Wasserkreislauf durch das sicherheitstechnisch sehr schlecht gegen Anschläge geschützte Maschinenhaus zu führen, stellt auch ein besonderes Sicherheitsrisiko dar.

Radioaktivität im so genannten Normalbetrieb
In der Propaganda der Atomkonzerne werden Atomkraftwerke häufig als "abgasfrei" bezeichnet. Doch Atomkraftwerke geben auch im so genannten Normalbetrieb über den Kamin, das Maschinenhaus und das Abwasser radioaktive Stoffe an die Umwelt ab. Jede noch so geringe radioaktive Strahlung kann Krebs auslösen. In der Umgebung vieler Atomanlagen wurden erhöhte Krebsraten festgestellt. Die erlaubte "Entsorgung durch Verdünnung", die schleichende Verseuchung über den Kamin und das Abwasser, ist ein Skandal. Bei Wikipedia heisst der Schornstein der AKW sehr häufig verharmlosend "Abluftkamin".

Siedewasserreaktor un Krebs
Aus einer Studie, die das Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) im Dezember 2007 veröffentlichte, geht hervor, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. Die Studie mit Daten von über 6000 Kindern liefert die bislang deutlichsten Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern in der Nähe von Kernkraftwerken. Das Risiko ist demnach im 5-km-Radius für Kinder unter fünf Jahren um 60 Prozent erhöht, das Leukämierisiko um etwa 120 Prozent. Im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren wurde für den Zeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs erkrankten, davon 37 Kinder an Leukämie. Im statistischen Durchschnitt wären 48 Krebserkrankungen beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten. Der Studie zufolge gibt es also zusätzlich 1,2 Krebs- oder 0,8 Leukämieerkrankungen pro Jahr in der näheren Umgebung von allen 16 untersuchten Akw-Standorten. Die Studie zeigt aber, dass auch im weiteren Radius um AKW die Kinderkrebshäufigkeit zunimmt. Der prozentuale Anteil sinkt zwar, dafür nimmt aber die Anzahl der kranken Kinder zu, denn dort wohnen und leben mehr Kinder als in direkter Nähe des AKW. Gerade die alten Siedewasserreaktoren mit nur einem Wasser- Dampfkreislauf sind berüchtigt für die Abgabe von Radioaktivität im so genannten "Normalbetrieb".

Der Atomexperte Raimund Kamm schreibt:
"Diese veralteten Reaktoren haben nur einen Hauptkreislauf. Für die Betreiber haben sie jedoch den Vorteil, daß mit ihnen Lastsprünge gefahren werden können. Die Reaktoren können in Sekundenschnelle um hunderte Megawatt, also 100.000 Kilowatt und mehr, Leistung rauf und runter gefahren werden. Das AKW Gundremmingen, das einmalig in Deutschland sogar aus zwei Siedewasserreaktoren besteht, hat diesen Lastfolgebetrieb eigens beantragt und von Bayerns Regierung genehmigt bekommen.
Diese Betriebsweise belastet die AKW außerordentlich, so wie extremes Bremsen und Beschleunigen ein Auto stark beansprucht. Hinzu kommt, dass in Siedewasserreaktoren, in denen das Wasser im Reaktor zum Sieden, also zur Dampf- einschließlich Blasenbildung gebracht wird – in Druckwasserreaktoren wird im Reaktorkreislauf, dem Primärkreislauf, nur der Druck gesteigert - das Reaktorgefäß infolge der die Neutronen kaum bremsenden Dampfblasen besonders stark angegriffen und geschwächt wird. Auch geben, wie die offiziellen Jahresstrahlungsberichte zeigen, die Siedewasserreaktoren im Durchschnitt mehr Radioaktivität über den Kamin und das Abwasserrohr an die Umwelt ab als die Druckwasserreaktoren."
Zitatende

In jedem AKW,
also auch in jedem Siedewasserreaktor, wird in einem Betriebsjahr pro Megawatt elektrischer Leistung die Radioaktivität einer Hiroshima-Bombe erzeugt. Das heißt, dass in einem Atomkraftwerk mit 1200 MW Leistung im Jahr in etwa die kurz- und langlebige Radioaktivität von ca. 1200 Hiroshima-Bomben entsteht. Ein Teil dieser radioaktiven Stoffe zerfällt sehr schnell, andere (Plutonium) sind bei Halbwertzeiten von von über 24 000 Jahren faktisch dauerhaft vorhanden. Alternde, laufzeitverlängerte AKW mit versprödeten Reaktordruckgefäßen vergrößern die Unfallgefahr.

Schwere Unfälle in deutschen Siedewasserreaktoren (kleiner Auszug)

  • Der Siedewasserreaktor in Gundremmingen / Bayern
    Der Block A musste 1977 durch einen schweren Unfall mit radioaktiven Verseuchungen und Totalschaden stillgelegt werden. Die Atomlobby hat es sehr erfolgreich verstanden diesen schweren Unfall aus dem Gedächtnis der Menschen zu „löschen“.

  • Atomunfall im Siedewassereaktor Brunsbüttel.
    Dieser Unfall vom 14. Dezember 2001, wurde vom "Spiegel" als bisher gravierendsten Unfall in einem deutschen Atomkraftwerk bezeichnet. Er wurde von den Betreibern eine ganze Zeit lang als "spontane Dichtungsleckage" beurteilt und als "Routineproblem" behandelt. Untersuchungen der Wasserstoffexplosion, die im Sicherheitsbehälter des Siedewasserreaktor Brunsbüttel eine Rohrleitung über etwa drei Meter völlig zerfetzte, ergaben jedoch ein weitaus gefährlicheres Schreckenszenario.

Siedewasserreaktor - Keine Sicherheit bei
Terroranschlägen und Flugzeugabsturz


Bei einem Unfall
oder Terroranschlag wird das AKW mit Hilfe der Steuerstäbe zwar (wenn möglich) abgeschaltet, dennoch wird durch den radioaktiven Zerfall der Spaltprodukte weiterhin noch mehrere Tage Wärme produziert.
Um die Nachzerfallswärme auch in Katastrophenfällen sicher abführen zu können, besitzen alle Atomkraftwerke Notkühlsysteme. Wenn diese, redundant angelegten Systeme versagen, kann es durch die steigenden Temperaturen zu einer Kernschmelze kommen.
Wenn mehrere Kernbrennstäbe miteinander verschmelzen, verstärkt sich die Kettenreaktion und es kommt zu einer enormen unkontrollierten Aufheizung. Hält das Reaktorgebäude nicht stand oder tritt eine größere Menge radioaktiver Stoffe aus, wird vom Super-Gau gesprochen.



Das Ökoinstitut Darmstadt
hat die räumlichen Folgen einer solchen Katastrophe am Beispiel des Druckwasserreaktors im französischen AKW Fessenheim berechnet (Hintergrund der Studie war ein angenommener schwerer Atomunfall im französischen EDF-/EnBW-Atomkraftwerk Fessenheim): „Bei lebhaftem Südwestwind mit Regen würde sich eine bis zu 370 km lange Schadensfahne von Fessenheim bis in den Raum Würzburg-Nürnberg erstrecken. In deren Bereich müssten alle Siedlungen auf 50 Jahre geräumt werden, sollten die Richtlinien von Tschernobyl zur Anwendung kommen.“

Klaus Traube, der Atomexperte
und ehemalige Direktor des Fachgebiets Kernreaktoren der AEG, bei General Dynamics in San Diego und zuletzt als geschäftsführender Direktor der Kraftwerk-Union-Tochterfirma Interatom schreibt:
„Die Analyse zahlreicher schwerwiegender Reaktorstörfälle zeigt, dass sie in der Regel so, wie in Harrisburg, übrigens auch in Tschernobyl, durch das unerwartete Zusammentreffen von technischen Störungen und Bedienungsfehlern ausgelöst werden, die einzeln betrachtet als trivial erscheinen. Dieses Muster ergibt sich auch aus den aufwändigen Risikostudien, die Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten katastrophalen Versagens von Kernreaktoren analysieren. Sie bestätigen: Jeder betriebene Reaktor ermöglicht jederzeit Unfälle, die zu Kernschmelzen mit nachfolgendem katastrophalem Freisetzen von Radioaktivität führen. Nicht diese Sentenz, sondern lediglich die Eintrittswahrscheinlichkeit ist in der Fachwelt strittig. Es ist auch nicht strittig, dass Terrorakte – darunter auch, aber nicht nur, der gezielte Absturz eines Großflugzeugs – eine Reaktorkatastrophe auslösen können. Streiten kann man hier wieder nur über die Wahrscheinlichkeit.“

Wikipedia & AKW & Atomlobby
Intensiv und leider "erfolgreich" sind die gut organisierten Einflussversuche der Atomlobby auf viele Wikipedia - Seiten zum Thema Atomenergie. Wikipediamanipulation ist heute eine zentrale Aufgabe für die PR-Agenturen der AKW-Betreiber. Häufig gibt es keinerlei Infos zur Abgabe von Radioaktivität im "Normalbetrieb" zu Krebsisiken oder zur Unfallgefahr. Ein Link zu dieser BUND AKW-Seite wurde in der Vergangenheit immer gelöscht, die einseitigen Links zur Betreiberseite blieben stehen. Wenn die Wikipedia-Links zu E.ON, Vattenfall, RWE und EnBW unkritisiert bleiben, die Links zu dieser kritischen Seite bei Wikipedia aber gelöscht werden, dann ist das ziemlich peinlich für eine "freie" Enzyklopädie. Um so wichtiger ist Eure sachliche Einmischung in die Wikipedia-Debatte und ein Link von Eurer Homepage zu dieser BUND-Seite.

Teilweise findet sich immer noch orwellsches Neusprech auf den Wikipedia Seiten zur Atomkraft. In vielen Artikeln wird vom „Abluftkamin“ gesprochen. Gemeint ist damit der Schornstein mit dem jedes AKW im so genannten Normalbetrieb krebserzeugende Radioaktivität an die Umwelt abgibt. Aber Abluftkamin klingt im Zeitalter der „Entsorgungsparks“ einfach besser. Wir dürfen Wikipedia nicht den Werbeabteilungen der Atomkonzerne überlassen.
Mischt Euch ein! Tragt Euer Wissen und kritische wissenschaftliche Studien in die Wikipedia Atomseiten.
hier: Die freie Enzyklopädie Wikipedia und die Macht der Atomlobby

Die bezahlten PR-Profis der Atomindustrie manipulieren auch Internetforen, Internetabstimmung und Leserbriefseiten.
Wichtiger Nachtrag:
Diese Kritik hat zu ersten positiven Veränderungen bei einigen Atom-Seiten (und den Links!) von Wikipedia geführt. Die Informationen sind teilweise ein wenig ausgewogener. Dennoch gibt es immer noch sehr einseitige Pro-Atom Seiten (Stand März 2010)





Infos zu Druckwasserreaktoren finden sie hier

Mehr Infos zu den Gefahren der Atomenergie finden Sie hier

Mehr Infos zum geplanten EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) finden Sie hier

Deutsche AKW mit Siedewasserreaktor


AKW Brunsbüttel
AKW Gundremmingen
AKW Krümmel
AKW Philippsburg

Schweizer Atomkraftwerke mit Siedewasserreaktor


Leibstadt
Mühleberg
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Siedewasserreaktoren zuerst bitte!
Kriterien für Gabriel

KOMMENTAR VON BERNWARD JANZING in der TAZ vom 2.9.2007

Reden wir mal nicht nur über das Alter, sondern auch über die Technik von AKWs. Denn in diesem einen Punkt kann man Kritikern des Atomkonsenses nicht widersprechen: Die Sicherheit eines Atomkraftwerks hängt nicht alleine am Alter.

In Deutschland werden derzeit noch zwei grundsätzlich verschiedene Typen von Reaktoren betrieben, die ein unterschiedliches Störfallrisiko bergen. Es gibt einerseits die Siedewasserreaktoren und andererseits die Druckwasserreaktoren. 6 der derzeit noch laufenden 17 Meiler in Deutschland sind Siedewasserreaktoren. Sie unterscheiden sich von den Druckwasserreaktoren darin, dass die Dampfturbine direkt mit dem Wasserdampf betrieben wird, der im Reaktordruckbehälter erzeugt wird. Damit ist der radioaktive Kreislauf nicht auf den Sicherheitsbehälter beschränkt - wodurch sich ein zusätzliches Risiko ergibt.

Zudem ist Wasserstoffbildung, die in Brunsbüttel im Dezember 2001 zu einer Explosion führte, typisch für Siedewasserreaktoren. Ganz nebenbei geben die Anlagen im Regelbetrieb auch mehr Radioaktivität an die Umwelt ab als die Druckwasserreaktoren. Sie sind zudem gegen Anschläge schlechter zu sichern, und sie leiden in der Regel auch noch unter stärkerem Verschleiß - viele Gründe also gegen die Siedewassertechnik. Vor allem die so genannte Baulinie 69, die sich in kastenförmigen Bauten äußert, ist untragbar.

So ist es kein Zufall, dass die beiden Skandalreaktoren Brunsbüttel und Krümmel sowie der Beinahe-GAU-Reaktor Forsmark in Schweden zur Gruppe dieser Siedewasserreaktoren zählen. Und deswegen müssen alle Siedewasserreaktoren so schnell wie möglich vom Netz - und das sind in Deutschland: Brunsbüttel, Krümmel, Philippsburg 1, Isar 1, Gundremmingen B und C.

Der Vorstoß von Umweltminister Sigmar Gabriel, den Atomausstieg zur Verminderung der Risiken zu beschleunigen und in großem Stil Stromkontingente von alten auf jüngere Meiler zu übertragen, ist gut. Wenn der Umweltminister sich am Ende nicht sklavisch am Alter der Reaktoren orientiert, sondern auch noch die Technik als weiteres Kriterium hinzuzieht, ist der Vorstoß grandios.



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Dieser Artikel wurde 17923 mal gelesen und am 10.8.2009 zuletzt geändert.