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Verschwinden der Ladengeschäfte bedroht Lebensqualität

13.11.2000
(in den Landkreisen Emmendingen, Ortenau und Breisgau-Hochschwarzwald)
An die Medien im Landkreis Emmendingen

Für einige Wochen müssen die BürgerInnen Riegels auf ein Lebensmittelgeschäft verzichten. In Waldkirch schließen alteingesessene Ladengeschäfte und viele Geschäfte stehen leer. In Endingen ist neugeschaffener Verkaufsraum auch in guter Lage fast nicht zu vermieten und die letzten Lebensmittelgeschäfte in kleinen Kreisgemeinden haben immer größere Existenzprobleme. In manchen Dörfern wird das Angebot bestehender Geschäfte ausgedünnt, ein weiterer Schritt in Richtung Geschäftsaufgabe. In Baden Württemberg gibt es bei zunehmender Tendenz ca. 2000 Dörfer ohne ortsnahe Lebensmittelversorgung.

Für BUND Geschäftsführer Axel Mayer ist das langsame aber kontinuierliche Verschwinden der Ladengeschäfte und insbesondere der Lebensmittelgeschäfte ein Zeichen für einen Verlust an Lebensqualität im Landkreis. Positive Tendenzen wie die Zunahme von Wochenmärkten und Verkauf ab Hof können die Verluste nicht aufwiegen.

Die Ursachen für diese negative Entwicklung sind vielfältig. Da ist, als Nebenaspekt der Globalisierung, aktuell der gnadenlose Preiskampf der großen Handelsketten (Walmart, Aldi...), der nicht nur kleine Einzelhändler in ihrer Existenz bedroht. Wenn die Kleinen erst geschluckt oder verdrängt sind, dann gehen die Preise wieder nach oben, wie die Beispiele anderer Länder zeigen. Die billigen Preise für industriell produzierte Lebensmittel müssen wir dann langfristig teuer bezahlen. Das führt dann auch dazu, dass aktuell die Landwirte im Kreis für hundert Kilo Mostäpfel nur noch 12,- DM bekommen.

Ein anderer Grund für diese Entwicklung liegt auch in der Ansiedlungspolitik der Gemeinden. Eine viel zu großzügige Ansiedlungspolitik für Großmärkte auf der grünen Wiese (nach dem Motte: Die Nachbargemeinde ist der Konkurrent und Feind) führt langfristig zu einem Ersterben von Lebensqualität in den Städten und Dörfern des Landkreises.

Auch die Politik auf allen Ebenen und in (fast?) allen Parteien ist viel zu stark metropolenorientiert. Bei Debatten wie der aktuellen Diskussion um das Ladenschlussgesetz spielen die Auswirkungen der Gesetzgebung auf die ländlichen Bereiche der Republik fast keine Rolle. Viele der PolitikerInnen kommen aus den Städten, und Rest geniert sich offensiv die Interessen der Provinz zu vertreten.

Doch nicht nur "die da oben" sind für die Negativentwicklung verantwortlich. Gerade auch das Konsumverhalten auf dem Land verstärkt die Entwicklung. Wer ein Auto hat, kauft eben auf der grünen Wiese oder in Freiburg, und erst das "Stadtambiente Freiburgs" versüßt den Kinobesuch, obwohl der gleiche Film nach kurzer Zeit auch in den wenigen verbliebenen Kinos unserer Kreisgemeinden läuft.

Doch der BUND fragt auch nach den Folgen dieser Entwicklung. Was ist mit den Alten und Kranken, die nicht Auto fahren können? Wieviel zusätzlichen Verkehr, Lärm und Umweltverschmutzung bringt diese Entwicklung? Was geht an Kultur und Struktur verloren? Werden unsere Städte und Kreisgemeinden zu gesichtlosen Schlafstätten Freiburgs, bevor sie dann durch das eigene Wuchern und das der Breisgaumetropole irgendwann endgültig geschluckt werden? Es ist mehr als ein Identitätsverlust, wenn irgendwann Einkaufen, Flanieren, Leben und Kultur nur noch auf der (ehemals) grünen Wiese, in der Freiburger Konsumrennbahn oder dem Internet möglich sind und in manchen Gegenden des Kreises nur noch "gewohnt" wird.

Es kann nicht darum gehen, das Rad zurückzudrehen und zum "Tante Emma Laden" zurückzukehren. Doch die Auswirkungen von politischen Entscheidungen auf unsere ländliche Lebensrealität sind stärker zu hinterfragen und zu überprüfen. Sei es in Berlin beim Ladenschlussgesetz, oder sei es im Landkreis, wenn wieder eine Kreisgemeinde die Hypermarche(un)kultur des Elsass auf ihre Gemarkung übertragen möchte.

Um weitere Fehlentwicklungen zu verhindern müssen politische Gremien wie die Regionalverbände gestärkt werden. Die weitere Zweckverbandisierung des Breisgaus und die gewollte Schwächung des Regionalverbandes ist der falsche Weg.
Axel Mayer

Mehr Infos:
hier:Transitland Oberrhein - Verkehr und Verkehrsprobleme
hier: Die Verscheußlichung des Breisgaus
hier:Flächenverbrauch und Zersiedelung am Oberrhein

Weblinks Kaiserstuhl:




Ein Blick über den Rand des Kaiserstuhls:







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Dieser Artikel wurde 3410 mal gelesen und am 13.1.2009 zuletzt geändert.