Miniermotte: Warnung vor dem Einsatz von Spritzmitteln
28.08.2000
Die Chemikalie schädigt nützliche Tiere und verursacht Allergien Rosskastanien sind auch in Freiburg beliebte Park- und Gastgartenbäume, die jedoch zunehmend durch den Befall der Rosskastanien-Miniermotte in Mitleidenschaft gezogen werden. Ähnliche Probleme gibt es seit Jahren in Tirol. Mit dem Einsatz chemischer Mittel glaubte man dort die Lösung gefunden zu haben. Nun warnen Tiroler Naturwissenschaftler vor dem Einsatz solcher Mittel, die sehr teuer und schlussendlich wirkungslos sind.
Bei Befall durch die Raupe (Larve) des Kleinschmetterlings bekommen die Blätter der Rosskastanie unschöne braune Flecken, der Baum verliert die Blätter vorzeitig. Das beliebte, schattenspendende Blätterdach lichtet sich, und zurück bleiben die kahlen Äste. Um diesem Zustand entgegenzuwirken, wurde in letzter Zeit in Österreich vermehrt das Mittel "Dimilin" gegen die Miniermotte verwendet. Mit hohem finanziellen Aufwand sollten die rund 1200 Kastanienbäume in der Alpenstadt Innsbruck mit diesem Mittel flächendeckend behandelt werden. Dr. Gerhard Tarmann und Dr. Peter Huemer vom Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Naturwissenschaftliche Sammlungen) wehrten sich vehement gegen diese Art des Einsatzes chemischer Mittel.
Durch die Kastanien-Miniermotte sind auch in länger befallenen Gebieten (Linz, Wien) trotz gegenteiligerb Behauptungen keine Bäume abgestorben. Seit 1996 wird im Befallskerngebiet bereits ein Befallsrückgang registriert. Natürliche Regulatoren dürften zunehmend wirksam werden. In Tschechien sind die Miniermottenbestände bereits extrem zurückgegangen. Dies betonen die Innsbrucker Forscher. Vollständige Spritzaktionen, die bis in die obersten Kronenbereiche erfolgen müssen, werden als wesentlich teurer als offiziell angegeben eingestuft. Pro Baum entstehen Kosten zwischen 2000 und 5000 Schilling. Weitere Argumente der Innsbrucker Wissenschaftler: Eine Spritzung ist lediglich kosmetischer Natur, da sie für langfristige Erfolge im gesamten Befallsgebiet gleichzeitig durchgeführt werden müsste. Ansonsten ist bereits nach wenigen Jahren wieder mit gleichen Befallsraten zu rechnen. Zudem werden natürliche Regulationsmechanismen durch chemische Mittel verhindert.
Spritzmittel wie das "Dimilin" verhindern laut Tarmann und Huemer zwar die Entwicklung der Schmetterlingsraupen, vernichten aber auch die natürlichen Feinde der Kastanien-Miniermotte. Zudem würden alle pflanzenfressenden Insekten im Nahbereich getötet. Dabei wird auch auf gefährdete Arten hingewiesen. Neuerdings treten nach Aussage der Innsbrucker Wissenschaftler beim Menschen Allergien gegen "Dimilin" auf, daher habe man etwa in Tschechien Spritzverbote verhängt. Prof. Dr. Dalibor Povolny vom Institut für Zoologie und Bienenzucht in Brno (Brünn) schliesst sich der Meinung der Innsbrucker Wissenschaftler an: Die Rosskastanien-Miniermotte soll nicht chemisch bekämpft werden, da die Wirkung nicht auf die Miniermotte beschränkt bleibt und die Umwelt unnötig belastet wird.
Dieser Artikel wurde 770 mal gelesen und am 10.11.2007 zuletzt geändert.
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