Yello - Strom: Stromwäsche und Verbrauchertäuschung?
11.05.2000
Billiger, gefährlicher Atomstrom
Yello - Aus norwegischer Wasserkraft, einem skandinavischen Strommix oder aus Fessenheim und Cattenom?
In der gestrigen ZDF-Dokumentation "Risiko Billigstrom - Die Tricks der Stromverkäufer" wurden die vom BUND-RV im Februar 2000 aufgeworfenen Zweifel an Yello verstärkt. Nach ZDF-Recherchen bezieht Yello seinen Strom nicht direkt aus Norwegen, sondern über den schwedischen Stromverteiler NordPool. Die ursprüngliche Yello Angabe, 70% des Stromes stamme aus norwegischer Wasserkraft ist recht fragwürdig und wurde von Yello in einem Brief ans ZDF auch nochmals relativiert und abgeschwächt.
Der BUND-RV hatte in seiner Pressemitteilung vom Februar 2000 die folgenden Hintergründe aufgezeigt:
In der Welt vom 10.8.99 fand sich das folgende Zitat: "Den Strom wird Yello in erster Linie von ihrer Mutter EnBW beziehen, aber auch aus anderen Quellen. (Yello-Geschäftsführer) Zerr nennt Österreich, die Schweiz und Frankreich. Dabei wird Yello bei den Franzosen etwa 10% Wasserstrom und 60 bis 70% Atomstrom einkaufen. Lieferanten sind die beiden grenznahen Kernkraftwerke der EDF Fessenheim und Cattenom." Ähnliche Antworten ergaben im letzten Jahr auch Anrufe des BUND bei Yello.
Nachdem die Umweltbewegung bundesweit u.a. mit Plakaten unter dem Motto "Gelb-Giftig-Gefährlich" auf Yello reagiert hatte, kam erstaunlich rasch ein Umschwung.
In Reaktion auf eine Flugblattaktion in Bremen behauptete Yello in einer Presseerklärung in Köln:
"Bereits ab dem 1.1.2000 wird Yello-Strom zu über 70% aus Wasserkraft gewonnen, die zusätzlich in Norwegen eingekauft wird. Der restliche Anteil besteht aus der Eigenerzeugung des Yello-Mutterkonzerns EnBW."
Vom Umwelt-Saulus zum Umwelt-Paulus, und das so schnell? Beziehen Yello-Kunden in Südbaden ihren Strom aus norwegischer Wasserkraft, einen skandinavischen Strommix mit schwedischem Atomstrom (laut ZDF) oder aus dem maroden französischen AKW Fessenheim?
Auf Anfragen von BUND-Geschäftsführer Axel Mayer hat Yello seit Monaten nicht reagiert. Es ist doch mehr als erstaunlich, wenn die EnBW/EDF-Tochter Yello angesichts des Atomkraftwerksparks der Mütter auf norwegischen Wasserkraftstrom setzt.
Eine weitere, mögliche Erklärung für den erstaunlich schnellen "Umschwung" findet sich im Internet. In Diskussionsforen von Anti-Atomgruppen wird gesagt, daß es nicht nur die bekannte Geldwäsche, sondern neuerdings auch Stromwäsche geben könnte.
"Stromwäsche bedeutet, daß z. Bsp. EnBW oder jetzt auch EDF Atomstrom nach Norwegen verkauft und dafür dann Yello-Wasserkraftstrom von dort bekommt. Das Geschäft findet natürlich nur auf dem Papier statt, denn es gibt ja nicht eine Hin- und eine Zurückleitung."
Diese Thesen verstärken Befürchtungen des BUND. Theoretisch erhöht sich in Norwegen der Atomstromanteil und theoretisch sinkt der dortige Wasserkraftanteil während sich real nichts verändert. Yello-Atomstrom aus Fessenheim und Cattenom? Oder Yello-Wasserkraftstrom aus Norwegen oder einen skandinavischen Energiemix aus Schweden? Die Kunden und Kundinnen sollten in Zeiten der Globalisierung nicht nur die "Farbe" ihres Stromes kennen, sondern auch die Quellen. Die Liberalisierung des Strommarktes führt zu einer großen Unübersichtlichkeit für die Kunden.
Der ZDF-Beitrag hat erst vorsichtig begonnen, Licht ins Dunkel zu bringen. Ein weites Feld für journalistische Recherchen. Axel Mayer
Dieser Artikel wurde 722 mal gelesen und am 8.1.2008 zuletzt geändert.
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