Landesverband Thüringen

20.02.2004

Hochwasserschutz im Einklang mit der Natur - Regionales Netzwerk von Initiativen zum Fließgewässerschutz gegründet

In der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön fand auf Einladung des Projektes „RHÖN IM FLUSS“ ein erster Erfahrungsaustausch von Fließgewässerprojekten in der Region Rhön, Vogelsberg und Spessart im Dreiländereck von Bayern, Hessen und Thüringen statt.

In den letzten Jahren sind unabhängig voneinander unterschiedliche Projekte entstanden, die das Ziel verfolgen unsere Bäche und Flüsse naturnäher zu gestalten und durch ökologische Maßnahmen zum vorbeugenden Hochwasserschutz beizutragen.

Bei dem Treffen auf der Wasserkuppe kamen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Projekte „Lebendige Fulda“ und „Lebendige Werra“, des „Kinzigprojektes“, der „Sinn-Allianz“ und des Projektes „RHÖN IM FLUSS“ zusammen, um sich über bisher erreichte Ergebnisse sowie über weitere Ziele und gemeinsame Strategien auszutauschen.

Die verschiedenen Projekte werden von den Naturschutzverbänden NABU, BUND, der HGON Kreisgruppe Main-Kinzig, des Bund Naturschutz Bayern, sowie der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt getragen und aus Eigenmitteln der Verbände sowie aus unterschiedlichen Fonds, wie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt oder des Bayerischen Naturschutzfonds finanziert. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt in der Regel durch entsprechende Landesmittel, die gezielt an den Gewässern eingesetzt werden.

Im Vordergrund des Treffens standen die Präsentation der bisherigen Ergebnisse, die unterschiedlichen Ansätze in Fragen der Einbeziehung aller an den Projekten beteiligten Institutionen, Strategien der Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung sowie verschiedene Finanzierungsmodelle.

Es wurde deutlich, dass trotz unterschiedlicher Struktur der Projekte Einigkeit in der Zielsetzung und der Umsetzung von Maßnahmen an den Fließgewässern besteht:
· Flüsse und Bäche werden aus ihrem teilweise engen Korsett befreit
· durch mehr Uferdynamik werden naturnahe Strukturen an den Gewässern geschaffen, die Arten wie dem Eisvogel oder der Bachforelle zugute kommen.
· durch die Anlage neuer Feuchtgebiete entsteht natürlicher Rückhalteraum für Hochwasser.
· Querbauwerke wie Dämme und Stauwehre werden entfernt oder durchlässig gestaltet, um Fischen und anderen Tierarten ein ungehindertes Wandern zu ermöglichen.
· Durch Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung wird die Bevölkerung informiert und in die Projektarbeit mit einbezogen.

Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt in erster Linie durch den Ankauf von Grundstücken an den Gewässern und den anschließenden Abbau vorhandener Uferbefestigungen, um den Gewässern eine natürliche Dynamik zu ermöglichen.

Trotz der Verabschiedung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die einen guten ökologischen Zustand der Gewässer bis 2015 vorsieht, sind teilweise noch erhebliche Vorbehalte bei Behörden und in der Politik gegenüber dieser Form des ökologischen Hochwasserschutzes vorhanden. Der Verbau der Gewässer und die schnelle Ableitung des Hochwassers werden oftmals noch als bessere Lösung angesehen, obwohl die Hochwasserereignisse der letzten Jahre das Gegenteil gezeigt haben.

Hier gilt es aus Sicht der Projektpartner die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren, um eine Bewusstseinsänderung vor allem bei den Entscheidungsträgern herbeizuführen. Aus diesem Grund wurde ein Netzwerk der verschiedenen Initiativen vereinbart, um in Zukunft verstärkt gemeinsam die Anliegen des ökologischen Auenschutzes zu vertreten.

Dazu sind Treffen in den unterschiedlichen Projektgebieten geplant, um sich vor Ort über die erzielten Erfolge zu informieren.

Die erste Exkursion findet im Mai in Bad Brückenau statt, wo die Sinn-Allianz ihre bisherigen Ergebnisse vorstellen wird.

Die Projekte und Ihre Ansprechpartner:

„Lebendige Werra“, Träger: BUND Thüringen mit Kooperationspartnern,
Ansprechpartner: Stephan Gunkel,
Tel: 0 36 1 – 55 50 31 4, E-Mail: rivernet@gmx.de
www.lebendige-werra.de

„Lebendige Fulda“, Träger: NABU und BUND in Kooperation mit anderen Verbänden,
Ansprechpartner: Dr. Reiner Cornelius
Tel.: 0 66 25-91 93 44, E-Mail: Rcornelius@t-online.de
hessen.nabu.de

Kinzigprojekt: Träger: HGON Kreisverband Main-Kinzig mit Kooperationspartnern
Ansprechpartner: Susanne Hufmann, Günter Könitzer
Tel.: 0 61 84-56 16 0, E-Mail: hgon.mkk@t-online.de
www.hgon-mkk.de

„Sinn-Allianz“, Träger BN Bayern mit Kooperationspartnern
Ansprechpartner: Dr. Stefan Kneitz
Tel.: 0 97 41 – 93 87 58, E-Mail: mail@sinnallianz.de
www.sinnallianz.de

„RHÖN IM FLUSS“, Träger: Zoologische Gesellschaft Frankfurt mit Kooperationspartnern
Ansprechpartner: PD Dr. Eckhard Jedicke, Matthias Metzger
Tel.: 0 66 54 – 96 12 16, E-Mail: metzger@rhoen-im-fluss.de
www.rhoen-im-fluss.de


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