Landesverband Thüringen

22.04.2004

EU-Kennzeichnungsverordnung für Gentech-Lebensmittel: Licht und Schatten

Am 18. April sind zwei neue EU-Verordnungen zum Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen in Kraft getreten, welche die Frage der Kennzeichnung neu regeln.
Der BUND Thüringen begrüßt die Verschärfungen gegenüber der alten Kennzeichnungsverordnung, kritisiert aber gleichzeitig die beträchtlichen Lücken in der Gesetzgebung.


Erfurt. Seit dem 18. April müssen die Verbraucher informiert werden, wenn ein Lebensmittel mehr als 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile enthält bzw. wenn bei der Herstellung von Lebensmitteln Gentechnik mit im Spiel war. Heftige Kritik übt der BUND Thüringen an den weiterhin bestehenden Lücken in der europäischen Gentechnik-Gesetzgebung.

Dazu Dr. Frank Augsten, BUND-Gentechnikexperte: „Der größte Teil der Bevölkerung möchte sich gentechnikfrei ernähren, genauso, wie die meisten Landwirte dieser neuen Technologie skeptisch gegenüber stehen. Die Frage, wie eine gentechnikfreie neben der Gentech-Produktion weiterhin möglich sein soll, ist in den Gesetzen nicht geregelt. Und es fehlen Haftungsregelungen im Falle einer Kontamination von gentechnikfreien Feldern zum Beispiel durch Pollenflug.“

Ein weiterer Kritikpunkt ist für den BUND die unzureichende Kennzeichnung von Produkten, die von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden. Dazu Augsten: „So sehr wir begrüßen, dass die Kennzeichnungspflicht auf Futtermittel ausgedehnt wurde, so sehr kritisieren wir die fehlenden Regelungen bei tierischen Produkten. Gerade weil der übergroße Teil gentechnisch veränderter Pflanzen an Tiere verfüttert wird, muss der Verbraucher darüber informiert sein.“

Die Lücken in der Gesetzgebung sind für den BUND Thüringen Grund genug, um Verbraucher und Landwirte an ihre Verantwortung zu erinnern. Die große Mehrheit der Bevölkerung hat sich in verschiedenen Umfragen klar gegen Genfood ausgesprochen, das ist jetzt durch entsprechendes Einkaufsverhalten in die Tat umzusetzen. Die Landwirte werden aufgerufen, sich dem „Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen“ anzuschließen. In sechs Regionen laufen entsprechende Aktivitäten, der BUND Thüringen rechnet als Mitbegründer des Bündnisses in den kommenden Wochen mit dem Ausrufen der ersten gentechnikfreien Region in Thüringen.

Der BUND Thüringen fordert darüber hinaus die Thüringer Landesregierung auf, den Gesetzesentwurf für das neue deutsche Gentechnikgesetz im Bundesrat nicht weiter zu verwässern. „Den ursprünglichen Entwurf aus dem Bundesverbraucherschutzministerium hat die SPD schon im Sinne der Gentechniklobby verändert, nun droht durch die CDU-regierten Länder im Bundesrat die Komplett-Demontage,“ befürchtet Augsten.


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