Landesverband Thüringen19.02.2003Dioxinskandal in Thüringen: So kommen uns Billiglebensmittel teuer zu stehenDer BUND Thüringen nimmt beim jüngsten Dioxinskandal auch die Verbraucher mit in die Pflicht. Denn dass ein an sich kleines Problem derartige Kreise ziehen kann, liegt auch an unser aller Einkaufs- und ErnährungsverhaltenErfurt. Eines haben die Lebensmittelskandale der letzten Jahre gemein: Es mangelt nicht an gegenseitigen Schuldzuweisungen, und die Verbraucher stehen fassungslos daneben, weil letzten Endes niemand mehr durchblickt. So stellt sich in etwa auch die Situation im jüngsten Dioxinskandal in Thüringen dar. Vom Futtermittelhersteller, der möglicherweise mehr weiß, als er sagt, bis zu den Behörden, die sich angesichts der unglaublich langen „Reaktionszeiten“ sehr gelassen geben, reicht die Palette der typischen Reaktionen. Für den BUND Thüringen ist diese Diskussion nicht das Hauptproblem. Dazu Dr. Frank Augsten vom geschäftsführenden Vorstand des Landesverbandes: „Beim letzten großen Dioxinskandal 1999 mit belgischen Geflügelprodukten hatten Futtermittelhersteller absichtlich entsorgungspflichtige Substanzen ins Futter gemischt, das war kriminell. Anders in Apolda, dort kann höchstenfalls von Fahrlässigkeit gesprochen werden. Und dass die Behörden um die Weihnachtszeit nicht besonders schnell arbeiten, ist auch kein Geheimnis.“ Zum Problem werden die erhöhten Dioxinwerte für den BUND Thüringen vor allem durch die vielfältigen Geschäftsbeziehungen des Trockenwerkes. Erst nach und nach wird klar, wohin das kontaminierte Futter geliefert wurde und dass hier mehrere `zig Betriebe betroffen sein werden. Für die Verwunderung der Verbraucher über ein derartiges Geflecht von Handelsbeziehungen allein beim Futtermittel hat Augsten kein Verständnis: „Natürlich muss sich jeder, der beim Discounter einkauft – und das werden ja immer mehr – auf die Unbedenklichkeit der Produkte verlassen können. Aber dass der Landwirt dem ständigen Kostendruck irgendwann nicht mehr gewachsen ist und sich dann von unrentablen Produktionszweigen trennt, liegt auf der Hand. So schaffen die viehhaltenden Betriebe ihre Futterproduktion ab und kaufen möglichst billiges Futter auf dem freien Markt.“ Es ist also auch der Verbraucher, der mit seinem Griff nach Billigstlebensmitteln dafür sorgt, dass die Spezialisierung in der Landwirtschaft immer mehr zunimmt. Und dass bei einem „Unfall“ die entsprechenden Konsequenzen nicht regional begrenzt bleiben, sondern weite Kreise ziehen. Der BUND Thüringen fordert deshalb, die von Ministerin Künast gestartete und vom Deutschen Bauernverband unterstützte Kampagne gegen eine immer weitergehende Verbilligung von Lebensmittel zu unterstützen. Während der Thüringer Bauernverband hier bereits Unterstützung zugesagt hat, steht ein derartiges Bekenntnis seitens des Thüringer Landwirtschaftsministeriums auch weiterhin aus. |
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