Landesverband Thüringen22.11.2002BUND Thüringen: Ignoranz der Politik und nicht der Wachtelkönig kostet MillionenErfurt. In der Auseinandersetzung um die Ausweisung von EU-Vogelschutzgebieten kontra Strassenbauvorhaben entlang der Werra macht der BUND Thüringen Lokalpolitiker für schwere Fehlentscheidungen verantwortlich. Die verantwortlichen Politiker hätten bewusst geltendes EU-Recht und die eindringlichen Mahnungen der Umweltverbände ignoriert, um die Einzelinteressen von Kiesabbauunternehmen durchzusetzen.„Das ist ein billiges Schauspiel, mit dem die für die Entwicklung in der Region Verantworlichen, von eigenen Fehlentscheidungen und Versäumnissen abzulenken versuchen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Schließlich ist durch die geplante Verlegung der B62 im Bereich der Werraquerung um ganze 150 Metern kaum der wirtschaftliche Kollaps der gesamten Region zu befürchten, wie es einige Politiker jetzt behaupten“. Nach Angaben des BUND Thüringen sei bereits seit den 1960er Jahren bekannt, dass die Werraauen zwischen Barchfeld und Bad Salzungen ein international bedeutendes Brut- und Rastgebiet für seltene Vogelarten seien. Im März 1990 seien die wertvollsten Teile als Naturschutzgebiet und die gesamte Werraaue als Landschaftsschutzgebiet zum Schutz vor nachteiligen Veränderungen einstweilig sichergestellt worden. Mit der Wende seien diese Gebiet nach der 1979 erlassenen EU-Vogelschutzrichtlinie sog. „faktische Vogelschutzgebiete“ geworden. Dennoch habe das Immelborner Kieswerk die teilweise unter Naturschutz stehenden Abbaufelder von der Treuhand erworben. Um den nach der Wende notwendigen Neubau der B 62 zwischen Bad Salzungen und Barchfeld und weiteren Kiesabbau zu ermöglichen, habe man sich vor Ort zügig auf einen von allen Beteiligten gestützten Kompromiss geeinigt. Dieser sei bereits 1994 von den damaligen Ministern Bohn und Sieckmann auf Regierungsebene bestätigt worden. Als die Kiesindustrie trotz des Kompromisses im Nachhinein Schadensersatz forderte für Flächen, die bereits beim Kauf unter Naturschutz standen, hätten auch die verantwortlichen Lokalpolitiker den Konsens ohne Not wieder aufgekündigt. Statt dessen hätten die Entscheidungsträger fünf Jahre gebraucht, um schließlich 1999 ohne Raumordnungsverfahren eine neue Trassenvariante mitten durch das geplante Naturschutzgebiet „Erlensee“ festzulegen. Die Verletzung europäischen Rechts habe man dabei ebenso billigend in Kauf genommen, wie die Vernichtung wertvoller Brutgebiete für den Wachtelkönig. „Der Wachtelkönig ist der einzige Brutvogel in Deutschland, dessen Bestand weltweit vom Aussterben bedroht ist“, erklärte Landesgeschäftsführer Vogel. „Eine Verschiebung der Werraquerung um 150 Meter auf die alte Kompromisslinie von 1994 könnte zur Sicherung dieser vom Aussterben bedrohten Art beitragen ohne den Bau der B 62 grundsätzlich zu gefährden. Die Planungsverzögerungen haben diejenigen zu verantworten, die den Kompromiss von 1994 einseitig aufgekündigt haben!“ Der BUND Thüringen rief die Bevölkerung dazu auf, die Chancen des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 für die Entwicklung ländlicher Räume zu erkennen. Schließlich sei spätestens ab 2006 eine verstärkte Förderung des ländlichen Raumes durch die EU nur noch innerhalb dieser Schutzgebietskulisse zu erwarten. Bei Rückfragen: Dr. Burkhard Vogel, Tel. 0170-7319593 |
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