Landesverband Thüringen

Die Situation der Ost-Landesverbände

Auch wir hatten die Hoffnung, daß entlang den Konfrontationen um Großprojekte auch diese kleinen Landesverbände größer und groß werden, so wie der BN an den zahlreichen Auseinandersetzungen um Straßenbauprojekte oder der BUND Hessen an dem Kampf um die Startbahn West gewachsen ist. Das hat sich nicht eingestellt.
Jetzt haben wir insgesamt immer noch nicht die Größe einer bayrischen Kreisgruppe erreicht. Wir sind - Berlin mitgerechnet - 8.400 Mitglieder, vor vier Jahren waren wir 5.000, immerhin.

Ich habe den Wunsch, daß die besondere Situation der Ost-Landesverbände im BUND verstanden wird, auch damit wir an dem Solifonds festhalten, nicht so lange wie möglich, aber solange wie nötig. Und das ist er, die Aufgabenfülle für die Ost-Landesverbände ist nicht mehr verschieden von der der größeren und westlichen Landesverbände. Die Befindlichkeiten und die soziale Situation ist aber anders und dazu möchte ich ein paar Sätze sagen:


  • Für die Menschen im Osten hat sich vor 10 Jahren alles, aber auch alles, geändert, von den Autokennzeichen bis zu den Speisekarten (mit denen ich heute noch nicht zurechtkomme), Ämter deren Namen wir zu lernen hatten, Sozialamt und Arbeitsamt, wo das Schlangestehen weiterging. Alles war neu. Das Ganze verbunden mit der existenziellen Unsicherheit, die es vorher nicht gegeben hat, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit waren Fremdwörter.
  • Die existenzielle Situation entspricht auch heute bei weitem noch nicht der im Westen. Viele Gehälter liegen immer noch bei 80%, manche bei 70%, und es muß mehr dafür gearbeitet werden. Die offizielle Arbeislosenrate ist doppelt bis dreifach so hoch wie in Westdeutschland. Es ist symptomatisch, daß die professionelle Haustürwerbung im Osten eben nicht funktioniert und die österreichischen Studentinnen und Studenten nach 3 Tagen aufgeben und eben dorthin gehen, wo die Abschlüsse sicher und höher sind.
  • Es darf auch nicht die Enttäuschung und Resgination auch 10 Jahre nach der Wende noch unterschätzt werden. Ich habe in dieser Woche Unterschriften für ein Volksbegehren „Mehr Demokratie in Thüringen“ gesammelt und da hört man da eben Sätze wie „Ich hatte einmal ein Vierteljahr lang Hoffnung, daß sich etwas ändert - danach nie wieder.“
  • Erschwerend für eine Entwicklung war auch, daß einige Landesverbände wie Mecklenburg und auch Sachsen-Anhalt schon nach 2,3 Jahren den ersten Generationswechsel vollziehen mußten. Das waren Landesverbände, wo sich alte Kulturbund-Kader festgesetzt hatten. Mit BUND hatte das nicht viel zu tun. Ich habe Hubert Weinzierl mehrfach die Anekdote erzählen hören, daß er bei einem Besuch in Sachsen-Anhalt ein damaliges Vorstandsmitglied fragte, warum denn keine Journalisten da seien und er zur Antwort bekam, daß „man lieber verdeckt arbeite“. Hier mußte aufgeräumt werden. Die DDR-Vergangenheit hatte sich in den BUND verlängert. Das hat gedauert und auch gelähmt. Die beiden Landesverbände sind nicht umsonst die kleinsten.
  • Aber der BUND hat allen Fusionsbestrebungen mit dem Kulturbund widerstanden. Wir hätten 5.000 Mitglieder mehr haben können. Da waren schon Treffen verabredet zwischen dem Bund für Natur und Umwelt, einer Nachfolgeorganisation des Kulturbundes der DDR, und dem BUND. Wir wollten das nicht. Das war undenkbar für uns, waren doch Kulturbund-Funktionäre als IMs gegen uns unterwegs gewesen.
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