Tagebuch

Wochenendausflug nach Antigua

Di., 14. November 06

Da am 2. November hier in Mittelamerika Feiertag war - gerade einen Tag nach Allerheiligen - nahmen wir uns Freitag den 3. als Brückentag, um einen Wochenendausflug nach Antigua, Guatemala zu unternehmen. Die Stadt war über 200 Jahre lang das Zentrum der Kolonialisierung Zentralamerikas, bis Sie im Jahre 1773 durch das bis dato schwerste Erdbeben fast völlig zerstört wurde.

Im Bus lernten wir zunächst an der Grenze zwei Straßenmusiker kennen (einer davon Lehrer aus San Salvador, der andere Vollblut-Musiker aus Honduras, der mit anderen Gruppen schon auf sämtlichen Weltmusik-Festivals Europas aufgetreten ist), die ebenfall übers Wochenende in die Stadt fahren wollten. Zum Glück konnten wir so zu viert den Umsteige-Albtraum in Guatemala-Stadt nach Einbruch der Dunkelheit über uns ergehen lassen, denn es bedurfte mehrmaligen Fragens, bis klar war, wo zu dieser Urzeit die Busse nach Antigua nun auch wirklich abfahren. Nach dreimal Umsteigen und gut 8 h Gesamtreisezeit kamen wir dann auch in der Stadt an und fanden auf Anhieb ein günstiges Hostel für die erste Nacht. Nach der Erkundung der Stadt und Konsultation des Bankautomats gönnten wir uns zum Abschluss des Tages ein leckeres Abendessen in einer mexikanischen Bar, die mit Bildern der bekannten Künsterlin Frida Kahlo (den Film über ihre Leidens- und Lebensgeschichte kennt ihr vielleicht - äußerst empfehlenswert!) sehr nett eingerichtet ist.



Aktivitäten von Mitte November bis Mitte Dezember

Di., 12. Dezember 06


Wieder unter den Lebenden (Update von Ralf)

Di., 24. Oktober 06

Seit dieser Woche sind Niklas und ich wieder auf dem Damm, auch wenn wir nach auskurierter Krankheit noch jeder mit unliebsamen Nachwirkungen zu kämpfen hat - beim einen ist es die Verdauung, beim andern die Nase. Dennoch konnten wir unsere Aktivitäten wieder aufnehmen und so auch am Ende dieses erlebnisreichen Monats Oktober etwas für uns und unser Projekt tun.


Die Erkältung hat zugeschlagen (Update von Ralf)

Di., 24. Oktober 06

Nach einem Wochenende am Meer, wo wir u.a. nachts ein „Bad“ in der Brandung nahmen, kämpfe ich mit einer Erkältung und Fieber. Bereits seit letzter Woche geschwächt durch Verdauungsprobleme tat diese Aktion offensichtlich ihr übriges, um zusätzlich Nasenlaufen und Halsschmerzen auszulösen. Dank Erick, dem angehenden Arzt, konnte ich mir am Di. Tipps für die weitere Genesung geben lassen. Hoffentlich gibt ein Test bald Aufschluss darüber, mit welchen Erregern meine Verdauungsprobleme zusammenhängen, damit ich durch Einnahme eines geeignetes Preparats bis Ende der Woche wieder auf dem Damm bin.

Natürlich freue ich mich zur Zeit ganz besonders über Euren Anruf; Telefonnummern stehen unter „Kontakt“.


Ausflug zur "Laguna" (Update von Ralf)

Fr., 20. Oktober 06

Vorgestern nahmen wir das Abenteuer auf uns, mit Yohalmos 9. Klasse zur berühmt-berüchtigten, ca. 8 km entfernten Lagune zu wandern. Unsere Vorstellung, dass dies ein "normaler" Schulausflug würde, wie man ihn aus früheren Tagen kennt, hatte sich schnell zerschlagen, als es recht bald mehr als zügig bergan ging. Ein noch steileres Stück Waldweg folgte dem nächsten, und irgendwann dachten wir, das war's jetzt - nun weiter in Serpentinen bergauf. Denkste: An einer für europäische Verhältnisse unmöglichen Stelle führte plötzlich ein Weg unter einem Baumstamm hindurch senkrecht zum Gipfel. Bei Steigungen von schätzungsweise bis zu 40° führte dieser Pfad aus blankem Lehmboden nur regelmäßig über freigelegte Wurzeln - in den meisten Fällen das einzige, worauf man sich stützen konnte um nicht postwendend unfreiwillig den Rückweg per Rutschbahn anzutreten.

Dank des regelmäßigen Trainings diesen Sommer kam ich einigermaßen mit bei dieser abenteuerlichen Kletteraktion, schnell gewohnt daran, mich beim Überschreiten mitten im Weg liegender Baumstämme dreckig zu machen. Aber so ist das hier halt, und trotz bzw. gerade wegen den vielen Ausrutschern hatten alle ihren Spaß. Außerdem war es toll zu sehen, wie jeder jedem und jeder eine helfende Hand reichte oder auch mal von hinten anschob, um einem Mitschüler oder Lehrer über die nächste "Klippe" zu verhelfen. Ein total Klasse Event zur Sozialisierung und Gruppenfindung!

Trotz des rel. chaotischen und unkoordinierten Aufstiegs kamen über kurz oder lang alle bei der Lagune an - und welch ein Ausblick! Das entlohnte für all den Dreck und Schweiß, der bei dieser Aktion jedem Einzelnen - und mir (als übrigens einzigem Brillenträger unter gut 50 Personen!) im Besonderen - anhaftete. Zu guter letzt kamen auch die Polizisten an, die eigentlich den Geleitschutz für die Gruppe hätten bilden sollen - aber die Herrschaften haben erst am 7 Uhr Dienstbeginn, dadurch waren sie "nicht im Stande", die Schüler eine halbe Stunde vorher - d.h. von Anfang an - zu begleiten. Der Hammer! Ein weiterer Punkt der Inkonsequenz und temporären Nachlässigkeit, die hier in vielen Bereichen deutlich wird. Genau wie das "Mitnehmen" von Müll durch die Studenten nach dem Picknick, über den sich jetzt die nächsten Wanderer freuen können...

Nach dem zweieinhalbstündigen Aufenthalt an diesem magischen Ort, an welchem man innerhalb von fünf Minuten alle Wetterlagen von Nieselregen bis zur knallenden Sonne erlebt, machte sich die muntere Truppe auf den Rückweg, einen ca. 2-3 m breiten Waldweg wie man ihn von zu Hause im Schwarzwald kennt - von der schmierseifenähnlichen Lehmoberfläche und den bis zu einem halben Meter tiefen, ausgewaschenen Löchern (der Weg ist gleichzeitig der Bach) abgesehen. Entsprechend feucht-fröhlich-dreckig war der "Abstieg", auf dem ich öfters als gelegentlich von meinen bescheidenen Snowboard-Fähigkeiten Gebrauch machen konnte. Dennoch landete auch ich zweimal auf dem Hosenboden, und nach der Ankunft nach 4 h bergab durfte ich minutenlang Beine und Füße schrubben, um den Dreck los zu werden. Alles in allem ein hervorragender Ausflugstag mit dem gewissen "Kick", der dafür sorgte, dass unserem lieben Yohalmo noch zwei Tage später die Beine weh tun und viele Schüler am Donnerstag aus gutem Grund blau machten.

Schulausflug auf salvadorenisch - Outdoor-Herz, was willst du mehr!


Feste feiern (Update von Ralf)

Di., 17. Oktober 06

Am 3. Oktober feierten wir den Abschied von Marito, einem Freund der Familie, der nach fast einem Jahr Warten die kurzfristige Zusage bekommen hat, am folgenden Tag nach Kuba zu fliegen um mit dem Medizinstudium zu beginnen. Auch er gehört zu den glücklichen Stipendianten, die im Rahmen des Kooperationsprogramms der fmln mit der Regierung Kubas die Chance erhält, dort seine Ausbildung zum Arzt zu absolvieren.

Am Samstag den 7.10. erlebten wir in San Salvador zusammen mit fast 50000 Zuschauern das von der fmln veranstaltete, erste „Festival por la paz“. Bei dieser Veranstaltung mit historischem Charakter für El Salvador kamen außer Politikern der Linkspartei auch Redner aus Kirche und Gesellschaft zu Wort, welche sich über die korrupte Regierung und deren repressive Politik ausließen und für soziale Gerechtigkeit skandierten, für welche es weiter zu kämpfen gilt. Nach dem Motto „La Lucha sigue“ (der Kampf gehe weiter) wurden die „Volkshelden“ Ché Guevara, Farabundo Martí, Oscar Romero und Schafik Handal wieder zum Leben erweckt. Echt der Wahnsinn, den Ruf der Revolution einmal so hautnah mitzuerleben in einem Meer aus roten T-Shirts und Fahnen. Musikalisch umrahmt wurde das Ganze von bekannten Bands aus der unabhängigen, revolutionären Ecke, die uns zum mitsingen und -tanzen animierten. Hasta la victoria siempre!

Anfang letzter Woche kamen und Caro und Judith, unsere beiden ASAtinnen aus El Salvador in Atiquizaya besuchen. In der Kooperative El Jicaro gönnten wir uns am Dienstag ein besonders leckeres Mittagessen: frischer Fisch und Camarones aus eigener Aufzucht. Am Freitag schießlich bauten Niklas und ich die Versuchs-Biogasanlage in El Jicaro auf, nachdem wir sie in den Tagen zuvor Dank der tatkräftigen Unterstätzung des ADEMUZA-Mitglieds Meme zusammengesetzt hatten.

Freitagabend waren wir zusammen mit unserer Hausmutter Chela und Sohn Jose auf einer „Fiesta Rosa“ im ca. 20 km entfernten Ahuachapan. Dieses Fest feiern die (v.a. aus betuchteren Häusern stammenden) Salvadorenierinnen anlässlich ihres 15. Geburtstags (= heiratsfähiges Alter ;o) Ich kann nur sagen, dass noch kein Fest, welches ich bisher erlebt habe, an Kitsch und Pomp an dieses im entferntesten herangekommen wäre! Außer den rosaroten Luftballons, die z.T. auch über dem Pool im angemieteten Casino-Areal der Kaserne von Ahuachapan schwebten, konnte man sich an Halbstarken in Anzug und Krawatte erheitern. Dank Alkohol und Musik von der eigens angemieteten mobilen Disko ließ sich auch dieser Kulturschock im doppelten Sinne (auf krassere Art kann sich die Kluft von arm und reich in einem Dritte-Welt-Land wohl nicht kaum mehr manifestieren) aushalten, sodass wir dieses künstliche Fest ohne bleibende Schäden aber mit neuen Bekanntschaften überlebten.

Samstag vormittag konnte ich den Abschlussbericht meines letzten Praktikums am PSI in der Schweiz endlich abschließen. Somit kann ich mich nun auf unser Projekt hier konzentrieren und wieder etwas mehr für die Verbesserung meiner Spanisch-Kenntnisse tun. In diesem Sinne: Hasta la proxima!


Update von Ralf

Mo., 2. Oktober 06

Bei unserer Rückkehr nach Atiquizaya am Donnerstagabend lernten wir endlich unseren Gastgeber Yohalmo Cabrera, studierter Jurist und von Beruf Lehrer, persönlich kennen. Seine herzliche Art ließ uns einmal mehr die große Gastfreundschaft spüren, welche wir hier genießen. Von seinem außergewöhnlichen Engagement zur Verbesserung der Lebensumstände der ärmeren Bevölkerung konnten wir uns schon am Freitag persönlich überzeugen: Nachmittags fuhren wir zusammen in die ca. 20 km entfernte Stadt Ahuachapan, wo jede Woche zu dieser Zeit eine Podiumsdiskussion bzw. Informationsveranstaltung der regierungskritischen Links-Partei FMLN (Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional) stattfindet.

Wir waren recht beeindruckt festzustellen, dass Yohalmo gleich nach dem Vorsitzenden der Partei des hiesigen Departamentos (Landkreises) als Hauptredner auftrat. Angesprochen wurden die neusten erschreckenden Meldungen aus den rechtsgerichteten Regierungskreisen, wo geschmiert und korrumpiert wird, wo es nur geht! Ein führender Funktionär aus diesem Lager ist in einen millionenschweren Geldwäscheskandal verwickelt, und mit dem Wissen und Dulden der Regierung läuft der Drogenschmuggel in großem Stil munter weiter, wobei der Stoff aus Kolumbien kommend von El Salvador weiter Richtung Norden vertickt wird. Gleichzeitig verabschiedete die Regierung, welche sich (paradoxer geht es schon nicht mehr) hier im Fernsehen als „Regierung mit einem Gespür für Menschlichkeit“ in bester Propaganda-Manier präsentiert, neulich ein sog. „Anti-Terror-Gesetz“. Tatsächlich wird durch dieses Gesetz lediglich die öffentliche Versammlungsfreiheit weiter eingeschränkt um zu verhindern, dass sich aufgeklärte Kreise in solcher Anzahl versammeln, welche dem Staatsapparat zu einem noch größeren Dorn im Auge werden könnten. Davon abgesehen wurden letzthin „Sparmaßnahmen“ verabschiedet, nämlich das Einfrieren eines Kreditfonds, welcher in den Siebzigerjahren eingeführt wurde, um der ärmsten Bevölkerung eine Schulbildung zu ermöglichen. Bei soviel Ignoranz gegen die Bedürfnisse des Volks von Seiten der Regierung verwundert es nicht, wie es hier auf dem Land aussieht, wenn die Leute dort bewusst manipuliert und für dumm verkauft werden und die FMLN ihrerseits mit aller Macht versucht, dem Verfall in ökonomischer, ökologischer und moralischer Hinsicht Einhalt zu gebieten. Man muss sich mal vorstellen, dass hier vor den Wahlen von der rechten Regierung eine (von den USA unterstützte) 100 Mio. USD schwere Kampagne gestartet wird, wobei der ahnungslosen Bevölkerung Geschenke (Kleidung und Essen) gemacht werden bzw. ihnen direkt gedroht wird dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren, falls sie nicht die „richtige“ Partei wählen. Politisch sind das Verhältnisse wie im Mittelalter – Willkommen im 21. Jahrhundert des Neo-Imperialismus!

Angesichts all dieser Stories konnten wir gut nachvollziehen, warum sich die Redner bei dieser Veranstaltung dermaßen ins Zeig legten, um ihrem Unmut Luft zu verleihen und die Bevölkerung über das mafiöse Treiben der Regierung (was im Radio und TV natürlich niemals thematisiert wird) aufzuklären. Beachtlich ist auch, dass FMLN gemeinsam mit Kuba ein Programm ins Leben gerufen hat, durch welches Studenten aus El Salvador die Möglichkeit bekommen, dort für sechs Jahre in Verbindung mit einem Vollstipendium ein Medizinstudium zu absolvieren. An Ärzten mangelt es auf dem Land ganz besonders, darum stellt diese Initiative eine Chance dar, die teils unzumutbaren Verhältnisse zu verbessern, welche dem Staat selbst offensichtlich egal sind bzw. welche dieser allenfalls mit Gewalt und noch mehr Repression unter Kontrolle zu halten versucht. Im Sinne der Premisse des großen Ché – Hasta la victoria siempre – fuhren wir mit dem Bus zurück nach Hause in dem Bewusstsein und mit dem Verständnis, dass der Sozialismus unter den hiesigen Umständen der einzige Weg ist, der breiten Masse ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, da die „große Politik“ als Marionette von Konzernen und Banken dies nicht zu richten vermag.

Am Sonntag früh trafen wir uns mit dem Präsidenten von El Jicaro im Verwaltungsgebäude der Kooperative (mehr hierzu: siehe „Projektverlauf“). Nachmittags waren wir zu Freunden der Familie im Nachbarort San Lorenzo eingeladen. Als wir auf der steinigen Landstraße dorthin die Gemarkung Atiquizaya verließen und auf das Gebiet jener Stadt kamen, fanden wir uns plötzlich auf einer astreinen, frisch geteerten Straße wieder. Grund: In San Lorenzo hat die FMLN die Mehrheit, und außer ordentlichen Straßen sind dort auch die Verhältnisse bei Ausbildung und Arbeit deutlich besser. Echt krass! Empfangen wurden wir erneut sehr herzlich, und neben den netten Leuten hat es uns besonders ein zwei Tage altes Küken angetan, welches sich als (sprichwörtlich) „quietsch“fideles Wollkneul unter uns mischte und Niklas sogar unter den Fuß in die Sandale kroch. Unendlich putzig, das Tierchen! Nach einem Spaziergang zum nahegelegenen Grenzfluss zu Guatemala kamen wir in den Genuss von selbstgebackenen Pupusas (mit unterschiedlichen Gemüse, Käse oder Fleisch gefüllte Tortillas) mit scharfer Soße und Krautsalat (curtido). Dass sich das Nationalgericht derart großer Beliebtheit erfreut, ging uns bei diesem Festschmaus einmal mehr auf. Ein perfekter erster Oktobertag neigte sich nach der Rückfahrt durch die laue Abendluft auf der Ladefläche eines Pickups mit Geprächen auf dem Bürgersteig (das „zweite Wohnzimmer“ der Leute hier) und einem kühlen PILSENER dem Ende entgegen.


San Salvador

Mi., 27. September 06

Sind gestern vormittag mit Erick, einem Freund “unserer” Familie nach San Salvador gekommen. Die Fahrt mit dem Auto dauert ca. anderthalb Stunden, und auf der Strecke dorthin uerholt man auf der Autobahn schonmal eine Gruppe Radfahrer, Maedels und Jungs zu Fuss auf dem Weg zur Schule oder einen alten VW-Bus, der ohne Reifen aufgebockt am Fahrbahnrand steht. In der Hauptstadt selbst haben wir zuerst Ericks Freundin auf Arbeit abgesetzt, sie arbeitet dort im Verwaltungsviertel fuer die linke Oppositionspartei FMLN (Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional), welche die Rechte der breiten, unterpriviligierten Bevoelkerung vertritt. Danach ging es weiter zur Umweltorganisation UNES, die ebenfalls aus der “linken Ecke” stammt und versucht die Umweltprobleme des Landes anzupacken, was die rechts-neoliberale, derUSAindenhinternkriechende Regierungspartei ARENA (Alianza Republicana Nacionalista) straeflichst vernachlaessigt. Der UNES-Chef war nicht da, aber heute ergibt sich vielleicht die Gelegenheit, ihn zu treffen um das mit dem Herausholen unserer Messchemikalien aus dem Zoll abzuklaeren.

Mittags haben wir uns mit unseren beiden ASA-Kolleginnen Judith und Caro getroffen, die fuer eine kleine Firma, welche Naturmedizin und -kosmetik herstellt, ein Gesundheitsprojekt mit Frauen auf dem Land durchfuehren. Am Nachmittag sind Niklas und ich ins Café la “T” gegangen (das Café wurde vor einigen Jahren von einer ehemaligen ASAtin eroeffnet, welche hier haengen geblieben ist) und haben einige Fragen fuer unser Projekt zusammen getragen, welche wir dem Director unserer Kooperative stellen werden. Dort ist es uebrigens richtig paradiesisch, wie wir bei unserem Kurzbesuch am Montag nachmittag feststellen durften, und wir freuen uns schon riesig darauf, bei einem solch schoenen Ambiente unter Palmen und in der Naehe eines Sees zur Fischzucht (in den kleinen Fischbecken nebenan kann man sich ein Exemplar aussuchen und fangfrisch auf dem Grill daneben braten) ein geeignetes Konzept fuer eine Biogasanlage zu erarbeiten. Abends hat sich noch unser Schweizer Freund Martin dazu gesellt, und gemeinsam sind wir zum Pupusas essen in ein kleines Lokal gezogen. Ist schon seltsam, in der Stadt immer wieder an bewaffneten Posten vor Geschaeften und oeffentlichen Einrichtungen vorbei zu kommen, der Gegensatz von arm und reich ist schon heftig, vor allem wenn man von einer mit Muell uebersaeaeten Strassenecke in ein geplaettelten Supermarkt stolpert, wo es deutsches Bier zu deutschen Preisen gibt. Sind gerade in einem Inet-Café einer der beiden Unis in San Salvador, Universidad Cetro-Americano (UCA) und nach unserem Besuch gestern auf dem Campus der Universidad de San Salvador gestern kann man echt sagen, dass die Uni-Gelaende hier schon was oasenhaftes an sich haben im Vergleich zu dem eigenartigen Stadtbild, wo sich Dreckschleudern gleichende, alle paar Meter hupende Busse durch die Strassen vorbei an Strassenverkaeufern und McDoof & Konsorten draengeln.

Gerade wegen der vielen Gegensaetzte hier ist es total interessant hier, und Stress kommt absolut keiner auf, da wir uns dem gemaechlichen Tempo anpassen und einfach so arbeiten, wie es uns die Umstaende erlauben. Ende dieser Woche treffen wir unseren Chef zum ersten Mal und werden absprechen, wie wir weiter vorzugehen gedenken. Aber sicher ist auch hier: No worries, wird schon irgenwie klappen mit unserer Studie, unsere Umgebung ist auf jeden Fall schonmal derart angenehm, dass wir mit Freunde und Engagement versuchen werden, gemeinsam fuer die Familien von El Jicaro ein zufriedenstellenderes Energieversorgungskonzept zu erarbeiten.

Also, gehen gleich hier auf dem Uni-Kampus uns an den zahlreichen Imbissbuden was zum Mttagessen holen. Anschliessend wollen wir ins Museum von Oscar Romero, dem Nationalhelden El Salvadors, welcher fuer seinen unermuedlichen Einsatz fuer die Rechte der Landbevoelkerung im Jahre 1980 mit dem Leben bezahlen musste, als er von rechten Todesschwadronen umgebracht wurde, woraufhin der salvadorenische Buergerkrieg ausbrach. Heute Abend gehen wir mit unseren Kolleg/innen auf ein Live-Konzert, und morgen fahren wir mit Erick zurueck nach Atiquizaya. Da ich seit gestern ein Adapter-Stecker fuer meinen Laptop habe, werde ich dort dann auch meine Berichte auf den PC tun bzw. demnaechst im Internet veroeffentlichen koennen. Ausserdem hab ich ja auch noch ein Teil meines PSI-Berichts ausstehen; werde zusehen, dass ich diesen in den naechsten zwei Wochen abschliessen kann.


Ankunft in Atiquizaya

Mo., 25. September 06

Wir sind gut in Atiquizaya angekommen und sehr herzlich im Haus unseres Chefs (der zur Zeit noch in Berlin ist) empfangen worden. Seine Frau Chela hat uns gleich mit einheimischen Spezialitaeten verkoestigt, und abends waren wir gemeinsam mit Freunden des Hauses (alles Mitglieder der Umweltorganisation ADEMUZA) Pupusas essen. Das ist das Nationalgericht hier, gebratene Maisfladen duenn gefuellt mit Kaese oder Hackfleisch, dazu scharfer Krautsalat und Sosse, wirklich total lecker! Dazu gabs das salvadorenische Bier, “Pilsener”, der Name ist Programm.

Die Leute sind wahnsinnig nett und gastfreundlich hier, wir wurden wie Familienmitglieder empfangen und haben jeder sein eigenes Bett bekommen. Die Raeumlichkeiten sind natuerlich relativ einfach, aber es ist alles da: fliessend Wasser, Kueche, Klo, 2 Fernseher, kleiner Innenhof und ein total lieber Hund, Laki. Abends nach dem Essen sassen wir noch eine gute Weile draussen auf der Strasse wie fast alle Leute und haben den lauen Abend genossen, und obwohl es mir noch etwas schwer faellt, mich in zusammenhaengenden Saetzen zu verstaendigen, macht es total Spass sich mit den Leuten zu unterhalten, weil man merkt, wir weltoffen und unvoreingenommen sie uns gegenueber sind. Alles in allem sind wir hier super aufgehoben, und die Ruhe und Gelassenheit, die hier allgegenwaertig ist, tun einem unheimlich gut.

Heute morgen waren wir in der Stadt und haben uns u.a. auf dem Markt umgesehen, wo es alles gibt, was das Herz begehrt. Bei einer solch riesigen Vielfalt sollte man nicht glauben, dass so viele Leute an der Armutsgenze leben. Selbst jeder hat mittlerweile ein Mobiltelefon hier, und wie es ist in Entwicklungslaendern eben ist, sieht man den Gegensatz zwischen High Tech und einfachster Lebensweise schon sehr krass hier. Die Leute machen zwar einen nachdenklichen aber trotzdem gluecklichen Eindruck, und auch obwohl wir von den Einheimischen zunaechst fuer Gringos gehalten warden, fuehlt man sich dennoch nicht besonders unwohl wenn man hier als einzig Weisser durch die Strassen laeuft.

Heute nachmittag werden wir mit zwei Leuten von ADEMUZA zur Kooperative El Jicaro rausfahren und uns mit dem Director dort treffen und uns austauschen, um das Vorgehen fuer unsere Studie zu eroertern. Wir haben uns ja schon einiges im Vorfeld ueberlegt und vorbereitet, sind also gespannt, in wie fern unsere Ideen ankommen und wie weit es uns moeglich sein wird, vor Ort unsere Untersuchungen incl. Versuchsanlage etc. anzustellen.

Morgen frueh gehts mit dem Bus zu unseren ASA-Kollegen nach San Salvador, wo wir fuer eine Nacht bleiben und am Mittwoch mit zurueck nach Atiquizaya fahren, wenn Chela unseren Chef Yohalmo dort vom Flughafen abholt. Freu mich schon, die Leute wieder zu sehen, gibt bestimmt eine ordentliche Empfangs-Fiesta fuer uns beide ;o)


Guatemala

Sa., 23. September 06

sind gut in Guatemala angekommen, nach 12 + 2 h Flug. Liess sich aber gut aushalten mit drei warmen Mahlzeiten, Rotwein und Bailys dazu ;o) Sind hier in einem netten Hostal in der Naehe vom Flughafen untergekommen, sonst kein Mensch da, daher konnten wir hier auch gleich ans Internet. Jetzt freun wir uns auf ein ordentliches Bett und 8h Schlaf, bevor es morgen weiter geht nach el Salvador. Gepaecktechnisch hat auch alles super geklappt, haben doch tatsaechlich unser ganzes Geruempel wie geplant mitnehmen gekonnt.


Letztes Update: 14.11.2006