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Wesermarsch
Kreiszeitung Wesermarsch 24.5.05
Vom Saft bis zum Luftbild
Umweltstation Iffens, BUND und Rüstringer Heimatbund veranstalteten Apfelblütenfest in Moorsee
Moorsee (rade). Viele Gäste nutzten am Wochenende einen Besuch des Apfelblütenfestes an der Moorseer Mühle, um sich darüber zu informieren, was dieser Obstbaum alles zu bieten hat. Die Umweltstation Iffens, der BUND und der Rüstringer Heimatbund hatten zu dem Fest eingeladen.
Als heimische Obstbaumart geben Apfelbäume einer Vielzahl von Insekten und Vögeln Nahrung und Unterschlupf. Neben seiner Bedeutung für den Natur- und Umweltschutz können aus der heimischen Frucht viele Leckereien gewonnen werden. Die Umweltstation Iffens hatte Rezepte für Apfelbrotaufstriche mitgemacht und bot ihren selbstgepressten Apfelsaft zum Verkauf an.
Nisthöhlen für Meisen
Ein paar Meter weiter informierte der Gartenfachberater Werner Saueressig über die richtige Behandlung von Apfelbäumen, erklärte den Besuchern den korrekten Schnitt und informierte über die verschiedenen Apfelsorten und die unterschiedlichen Baumforen. Es ist auch wichtig, in den
Zweigen Nisthöhlen für Meisen aufzuhängen, betonte der Fachberater, man sorge dann für natürliche Schädlingsbekämpfung.
Neben diesen Informationen kam auch die spielerische Beschäftigung auf dem Apfelblütenfest nicht zu kurz. Jeder konnte einen an einem langen Faden aufgehängten, baumelnden Apfel mit dem Mund einzufangen versuchen. Nebenan waren die Besucher damit beschäftigt, aus Filz kleine Äpfel zu drehen, die als Anstecker oder Haarschmuck schick aussehen.
Die Goldschmiedin Christine Pape zeigten ihren Blütenschmuck und die Floristin Iris Meiners fantasievolle Arrangements aus Apfelblüten und Efeu. Beide haben in der Umweltstation Iffens ihre
Werkstätten. Mit der Gruppe Seewind war die Station auch musikalisch vertreten und sorgte mit ihren Liedern aus allen Himmelsrichtungen für Unterhaltung.
Daneben informierte die Umweltstation über das Projekt "Apfelgärten im Seewind". Hier gab es auch Luftbildaufnahmen zu sehen: Bei einem Rundflug über Butjadingen waren Luftnahmen entstanden, die belegen, dass die Wesermarsch nur einen sehr geringen Baumbestand aufweist. Dabei zeigte sich auch, so betonte Dr. Wolfgang Meiners, dass die ursprünglichen großen Apfelgärtender alter Bauernschaften viele Lücken aufweisen. Die Bebauung in den Neubaugebieten sei dagegen so eng, dass dort nur sehr wenig Obstbäumen stehen.
Kostproben im Gepäck
Zu guter Letzt war zu Füßen Moorseer Mühle das so genannte Q-Mobil vom Öko-Markt Bremen zu sehen. Neben Spielen und anderen Mitmachaktionen hatte das "Kuh"-Mobil einige Kostproben im Gepäck. Die Besucher hatten die Möglichkeit, den Unterschied zwischen Supermarkt-Käse und Bio-Käse zu schmecken. Das erste Apfelblütenfest sorgte neben vielen Information auch für die nötige Kurzweil mit Spielen und Bastelaktionen für Kinder, während es sich die Erwachsenen bei schönem Wetter auf der großen Freiluftterrasse gemütlich machten und Apfelkuchen aßen.
Nordwestzeitung 24.5.05
Sichtbare Lücken im Bestand
Veranstaltung Apfelblütenfest in Moorsee - Ideen für regionale Märkte
Die Organisatoren von Bauernmärkten oder kleinen Hoffesten sollen Anregungen finden. Drei regionale Veranstaltungen folgen noch.
von Torsten Lange
MOORSEE - Wenn im Herbst die Äpfel saftig grün oder zart rot an den Baumästen hängen, wird allerorts das in dieser Region beheimatete Obst thematisiert. Die Apfelblüte hingegen findet nur selten große Aufmerksamkeit. Das war am Sonntag anders: Rund um die Moorseer Mühle wurde ein Apfelblütenfest gefeiert. Informationsstände und Spiele machten die Vielfalt der Blüte deutlich.
Das Apfelblütenfest war der erste von insgesamt vier regionalen Themenmärkten. Sie stehen in der Tradition des Ökomarktes Bremen und sind zudem eingebettet in das Projekt "Nordlichter Region Weserland". Organisiert wurde das Fest von der Umweltstation Iffens, dem Rüstringer Heimatbund sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Mit den Veranstaltungen werden nach den Worten von Dr. Wolfgang Meiners, Leiter der Umweltstation Iffens, Möglichkeiten zur alternativen Gestaltung von Märkten aufgezeigt.
Mit Spielen, Kunst und Kultur wollen die Veranstalter die Themen vermitteln. "Die Landwirte auf Bauernmärkten schaffen das nicht zusätzlich zu ihrer Arbeit," weiß Holger Heß-Borski, Koordinator der Themenmärkte. Er sprach den Butjadinger Pionieren sein Lob aus: "Das Apfelblütenfest ist ein schöner Auftakt. Die anderen Kooperationspartner können hier einige Ideen sammeln."
Am Ende des Jahres will die Initiativgruppe eine Ideenkiste für regionale Märkte zusammenstellen: Veranstalter von Bauernmärkten oder kleinen Hof-Festen sollen darin Anregungen finden, wie sie neben dem Verkauf ihrer Produkte auch über ihre Anliegen informieren können.
Um die Apfelblüte kreisen eine Menge Themenfelder: Angefangen bei der Befruchtung der
Blüte, der Bedeutung der Insekten für die Bestäubung bis hin zu Krankheiten, die sich in der Blütezeit der Bäume einnisten. Auch die Ästhetik der Blüten sei nicht zu verachten, sagt Wolfgang Meiners. Kleingärtner informierten Besitzer von Apfelbaumbeständen über die richtige Pflege der Bäume, über
Pilzbefall und Baumschnitt. Imker informierten über die Bestäubung der Blüten. Die Umweltstation Iffens zeigte gepresste Blüten verschiedener Apfelbaumarten und präsentierte Blütengestecke.
Großes Interesse rief auch ein begonnener Versuch zur Kartierung der Apfelbaumbestände in Butjadingen hervor: mittels Luftbildaufnahmen wurden Lücken in den Beständen der Hofgärten deutlich. "Sie reizen geradezu zum Nachpflanzen", meint Wolfgang Meiners. Die Situation in den Neubaugebieten bezeichnet er als "peinlich": Die Häuser stünden so a dicht beieinander, dass kein
Platz mehr für Baume sei. Mit dem Verlust des "Wohlfühlgrüns" würde auch ein Stück Lebensqualität verloren gehen.
Die geschmackvolle Seite von Apfelgärten wurde auch beim Blütenfest betont. Frischer Apfelsaft konnte als kostbare Köstlichkeit wieder entdeckt werden. Auch die gegorene Form des Apfelweins
probierten die Gäste. Für die Kinder gab es Spiele, die Familie posierte hinter einer Fotowand mit Apfelblüten. Jugendliche konnten sich über das Berufsbild des Garten und Landschaftsbauers sowie über Ausbildungsbetriebe informieren. Die "Rollende Rinder-Revue" gewährte Kindern besondere Einblicke und schärfte deren Sinne für das Thema Milchwirtschaft.
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