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Giftiges Gas aus Containern in vielen Produkten

VORTRAG IM SCHIFFSVERKEHR WERDE VERMUTLICH JEDER ZWEITE BEHÄLTER GEGEN PFLANZENSCHÄDLINGE BEGAST
KOSTENDRUCK UND UNWISSENHEIT SEIEN DIE GRÖßTEN RISIKOFAKTOREN. DAS SAGTE DR. WOLFGANG MEINERS.

VON BEATRIX SCHULTE
IFFENS - Die einen wissen nichts davon, die anderen ignorieren es einfach: Immer wieder werden Container im Schiffsfrachtverkehr mit gesundheitsschädlichen Stoffen begast. Ziel ist es, Pflanzenschädlinge wie den asiatischen Laubholz-Bockkäfer zu töten. Doch immer wieder werden auch Menschen davon krank.
71 Menschen geschädigt
Im vergangenen Jahr seien nachweislich 71 Menschen geschädigt worden, sagte der Chemiker Dr. Wolfgang Meiners in einem Vortrag in der Umweltstation Iffens. Die Dunkelziffer sei aber viel höher, weil die Erkrankungen oft erst zwei Tage nach dem Kontakt mit dem giftigen Gas auftreten und der Zusammenhang damit nicht sofort ersichtlich ist.
Zudem kennen sich viele Ärzte laut Meiners mit dem Phänomen nicht aus. Meiners ist Kreisvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

In Deutschland ist die Begasung mit Methylbromid mittlerweile verboten, aber in außereuropäischen Ländern gehört sie nach Angaben von Meiners immer noch zum Standard. Etwa jeder zweite Container werde begast. Doch auch in Deutschland gebe es Ausnahmen, sagte Meiners. So seien noch vor fünf Jahren in Hamburg 24 Tonnen dieses Stoffes eingesetzt worden.
Wenn Menschen diesem Stoff zu lange ausgesetzt sind, können neuronale und chronische Erkrankungen entstehen, auch Krebs kann dieser Stoff auslösen. Damit kann der Kontakt mit diesem Gift tödlich enden.
Wie Wolfgang Meiners weiter sagte, werden zur Begasung auch andere Industriechemikalien wie Formaldehyd, Benzol, Halogenkohlenwasserstoffe und Nervengifte wie Xylol und Toluol eingesetzt. Messungen in Containern hätten ergeben, dass bei Benzol und Formaldehyd oft die Grenzwerte überschritten werden.
Über Stoffe wie Sulfuryldifluorid sei nur sehr wenig bekannt, und es habe schon Todesfälle im Zusammenhang mit den Begasungen und der folgenden Ausgasung gegeben. Die Ausgasung könne bis zu 14 Tagen dauern.
Container untersuchen
Vorschriften fordern die Kennzeichnung der Begasung, doch daran werde sich kaum gehalten, sagte Meiners weiter. Nur etwa jeder zehnte begaste Container sei auch gekennzeichnet.
Generell forderte Meiners, eine Kennzeichnung und Untersuchung aller Container. Mit modernsten Messgeräten könnten die Frachtkisten auf gefährlichen Stoffe untersucht werden.
Fragwürdige Prozedur gefährdet die Konsumenten
Auch Verbraucher gefährdet die Begasung von Containern - nicht nur Arbeiter. Das sagte Dr. Wolfgang Meiners. Denn schließlich würden selbst Nahrungs- und Genussmittel wie Gewürze und Tabak begast. Auch Hölzer, Möbel und Matratzen würden dieser fragwürdigen Methode unterzogen. Selbst Plüschtiere und Federkissen würden begast.
Verkäufern empfiehlt Meiners deshalb dringend, die Ware nach dem Auspacken eine gewisse Zeit ausdünsten zu lassen und sie erst dann in die Auslage zu packen.


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