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die Ankündigung

Experte: Nordseeschutz geht unter

Umweltschützer der Aktionskonferenz Nordsee sehen noch viel Arbeit zum Schutze des Meeres auf sich zukommen.
Von Frank Miener
in der Kreiszeitung Wesermarsch am 16. 11. 2002
Stollhamm.
Zufrieden ist Rolf München nicht. Seine fast zwei Jahrzehnte dauernde Arbeit für den Schutz der Nordsee in der Aktionskonferenz Nordsee (AKN) hat sich bisher nicht ausgezahlt. In einem Vortrag beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat der Loxstedter Lehrer die AKN-Ergebnisse vorgestellt.
Die Nordsee als Ökosystem hat sich nicht grundlegend verändert, sagt der Aktivist. Einige der Umweltbelastungen, die zur Gründung der Aktionskonferenz geführt hätten, seien zwar verringert worden. Ausreichend ist das aber nicht. Zudem habe das Interesse der Öffentlichkeit am Schutz der Nordsee dramatisch abgenommen: Andere Dinge sind heute wichtiger, meint Rolf München, einer der Gründer der AKN.
Geschaffen wurde der Verein 1983. Damals gab es die erste Ministerkonferenz der Nordseeanrainerstaaten in Bremen, um ein Nutzungskonzept für die Nordsee zu erstellen. Dabei ging es aber nicht um den Umweltschutz, sondern um rein ökonomische Probleme. Das war eine PR-Veranstaltung, betont Rolf München.
Umweltaktivisten, die sich in den Jahren zuvor wegen anhaltender Ölverschmutzung, Dünnsäureverklappung, Industrieansiedlung und fortschreitendem Hafenausbau organisierten, wurden jedoch nicht eingeladen. Daraufhin haben sich die Umweltschützer zu Protesten in der Hansestadt getroffen, ein Nordsee-Memorandum verfasst , und in der Folge die AKN als Koordinationsorgan gegründet. Viele der Probleme, die uns damals bewegten, gibt es noch heute. Lediglich die Verklappung und Chemikalienverbrennung sind verboten und das Wattenmeer ist Nationalpark - jedoch nur in Deutschland. Schadstoffe wie Schwermetalle sind seit dem Ende der DDR ebenfalls nicht mehr ins Meer eingeleitet worden. Große Ziele wie den Nitratabbau oder die Pestizidverringerung seien jedoch verfehlt.

Unterrichtsmaterialien

Wir haben die Folgekonferenzen der Minister immer begleitet und auch eigene Gegenkonferenzen organisiert, sagt Rolf München. Zusätzlich gibt die AKN das Magazin Wattenmeer heraus, und hat verschiedene Unterrichtsmaterialien erstellt. Mit der Konferenz Nordsee Visionen im vergangenen Jahr wurde die Bremer Charta verabschiedet, in der alte Forderungen bekräftigt und neue aufgestellt wurden. Wir wollen mit der Vision 2020 erreichen, dass die Nordsee am Leben bleibt; sagt Rolf München. rolf münchen
Dazu gehören unter anderem das Ende der Kernenergie, Senkung des Schadstoffeintrags auf Null, höhere Sicherheitsstandards für Schiffe. Hinzu kämen eine nachhaltige Fischwirtschaft.
Wir brauchen Schutzzonen, damit sich die Bestände erholen können; fordert Rolf München. 25 Prozent der Nordsee sollen einem generellen Fangverbot unterstellt werden. Die dringendste Aufgabe ist aber der Stopp der Weservertiefung und des Hafenausbaus in den Städten Bremerhaven, Hamburg und Wilhelmshaven. Das ist ökonomischer und ökologischer Unsinn weiß Rolf München. Trotzdem habe die Ökonomie immer Vorrang bei Entscheidungen. Schon vor 18 Jahren galt die Prämisse: ,Wir haben kein Geld, daher brauchen wir die Industrie. Dann können wir uns um die Umwelt kümmern. Geklappt hat das nicht.


Rolf München ist einer der Gründer der Aktionskonferenz Nordsee und kämpft für das Ökosystem. Die Bilanz der Arbeit fällt aus seiner Sicht jedoch bescheiden aus.

Aktuelles Stichwort: Bremer Charta
Die Bremer Charta fordert drastische Mittel zum Schutz der Nordsee. Sie ist auf der Internetseite der Aktionskonferenz Nordsee unter www.aknev.org zu finden. 
Die Charta fordert unter anderem: 
· Ein Raumordnungsplan für alle Nordseeanrainerstaaten 
· Eine EU-Chemiepolitik, die auch Pestizide behandelt. Bisher gibt es diese nicht, Chemikalien seien in keiner Weise bewertet und begutachtet. 
· Änderungen der Landwirtschaft durch Regelungen, um stickstoffhaltigen Dünger drastisch zu verringern. 
.Ökologische Fischpolitik und ein Ende des Raubbaus. Dazu Einrichtung eines Schutzgebiets (25 Prozent der Nordsee) · Erstellung eines Europäischen Hafenkonzepts.

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