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Aus der Kreiszeitung Wesermarsch vom 29.2.08

Klimawandel trifft Wesermarsch hart

Bremer Wissenschaftler referiert auf Einladung des BUND

Nordenham (diek).
Im Rahmen des Forschungsprojektes "Klimawandel an der Unterweser - informieren, erkennen, handeln" erläuterte Dr. Michael Schirmet von der Universität Bremen bei einem Vortrag im Gymnasium, wie der Klimawandel die Wesermarsch und Nordenham treffen kann. Er kam auf Einladung des BUND nach Nordenham.

Dass der Klimawandel voll eingesetzt hat, bestätige der aktuelle Zustandsbericht des Weltklimarates IPCC, so Michael Schirmet. Dir Bericht besage, dass die vergangenen Jahre zu den wärmsten in den zurückliegenden 150 Jahren zählen und die Temperaturen weiter steigen werden. Es sei sicher, dass die Menschen an dieser Entwicklung einen hohen Anteil haben, betonte der Referent. Wie dis Zukunft aussehen wird, hänge vor unserem Verhalten ab.

Es gibt verschiedenen Szenarien, die Klimaforscher für möglich halten. Das optimistischste Szenario geht von einem Temperaturanstieg von 2 Grad bis zum Ende des 21. Jahrhunderts aus. Das sei noch verkraftbar, meint Michael Schirmer. Andere Szenarien besagen, dass eine globale Erwärmung von 6 Grad und mehr möglich sei. Die Berechnungen beziehen sich auf die Höhe der anzunehmenden Treibhausgasemissionen, die durch die Erdbevölkerung verursacht werden. "Die Trockengebiete der Erde werden sich erweitern. Regionen hingegen, die mit Wasser gut versorgt sind, werden davon noch mehr bekommen", sagte Michael Schirmet. Kriege um Wasser und Flucht vor Trockenheit seien ebenso vorhersagbar wie stärkere Stürme und sonstige extreme Witterungsverhältnisse. Hinweise darauf gebe es jetzt schon. Es sei festzustellen, dass die Winter bei uns immer kürzer und wärmer werden. Aufzeichnungen, die sich mit dem periodischen Jahresablauf in der Natur befassen, bestätigten diesen Sachverhalt.

Finstere Prognose
Hinsichtlich des Klimawandels an der Unterweser haben Forschungsprojekte der Uni Bremen zu folgenden Prognosen geführt: Die Menge des Binnenwassers in der Marsch', wird um 15 Prozent steigen - was bedeutet, dass mehr Pumpenleistung zur Entwässerung benötigt wird. Im Sommer trocknen die Marschböden wegen sinkender Bodenfeuchte aus. Außerdem besteht eine erhöhte Erosionsgefahr im Watt und auf den Salzwiesen.
Die Landwirtschaft könne bei richtiger Anpassung durch eine längere Vegetationsperiode allerdings ihren nutzen ziehen, sagte Michael Schirmet. Für die Binnenschifffahrt würden sich dagegen durch niedrigere Wasserstände Nachteile bekäme. Der durch den Treibhauseffekt zu erwartende Anstieg des Meeresspiegels sei nicht zu unterschätzen. Die Unterweserregion sei besonders davon betroffen. Forscher rechnen mit einem Anstieg um bis zu 80 Zentimeter in den nächsten 100 Jahren. Anhand einer Karte zeigte Michael Schirmet, was das für die Norddeutsche Tiefebene bedeuten könnte. "Wir müssen für die nächsten Generationen den Küstenschutz ausbauen", mahnte der Referent. Eine Vergrößerung des Tidenhubs und die Zunahme der Strömungsgeschwindigkeiten infolge der Vertiefung der Weser seien schon jetzt ein Problem.

Die Seedeiche seien zurzeit ausreichend. Sie müssten aber. den Entwicklungen angepasst werden. Irgendwann sei eine Grenze erreicht - weil Platz fehle oder anderer Ursachen eine Erhöhung nicht mehr zulassen, erläuterte Michael Schirmet. Lösungsmöglichkeiten könnten Schlafdeiche sein wie es sie in Schleswig-Holstein oder den Niederlanden gibt. Der Referent sprach auch den möglichen Bau von Sperrwerke an Flussmündungen an.


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