Kreisverband WetteraukreisEin Sieg für Natur, Kultur und Vernunft – Hochspannungsleitung wird erdverkabelt
Ausdauer zahlt sich aus! Die neue 110 kV-Hochspannungsleitung zwischen Büdingen und Altenstadt wird gebaut – als Erdkabel! Wesentlich hat hierzu das Engagement des örtlichen BUND –Vorsitzenden und Energieexperten, Dr. Werner Neumann, beigetragen. Schon im Jahr 1993 hatte er gefordert: Mit Stromein-sparung wird die Leitung überflüssig und wenn sie doch gebraucht wird, soll diese als Erdkabel gebaut werden. Nach 16 Jahren ist nun das Ziel des BUND erreicht worden. Seltene Vögel im FFH-Gebiet wie der Große Brachvogel, der Wachtelkönig und die zunehmende Zahl von Störchen werden von der Freileitung verschont. Auch für den Archäologischen Park am Glauberg ist die Gefahr der Landschaftsverschandelung vorbei. Am 21.10.2009 fand der 1. Spatenstich für das fast 10 km Erdkabel statt. Die Geschichte dieser Freileitung ist zugleich ein Lehrstück, dass man sich von Behauptungen großer Stromkonzerne wie E.ON (damals noch PreussenElektra) nicht beeindrucken lassen soll. Erst wurde behauptet, eine Erdverkabelung wäre gar nicht möglich, dann hieß es, diese würde 5mal teurer als die Freileitung. Daraufhin holte der BUND – unterstützt von der Gemeinde Limeshain - im Jahr 2003 eigenständig Angebote für den Bau von Erdkabeln ein. Es zeigte sich, dass die Lösung mit 110 kV-Erdkabeln maximal 30 % mehr kostet als eine Freileitung und sich durch geringere Stromverluste ökonomisch rechnen wird. Um die Verkabelung 110 kV-Leitung zu erreichen, hatte der BUND schon im Jahr 1999 beim Hessischen Umweltministerium und der Europäischen Kommission eine Beschwerde eingereicht, weil E.ON die Vorschriften der Umweltverträglichkeitsprüfung nicht einhielt. Der BUND konnte im Genehmigungsverfahren schließlich mit einem eigenen Gutachten auch die verharmlosenden Behauptungen der E.ON zum Vogelschutz widerlegen. Wesentlich war, dass sich eine starke Gemeinschaft von Naturschutzgruppen, Anwohnern (die ihre Grundstücke nicht für die Freileitung hergaben) und den Kommunen Limeshain, Glauburg und Büdingen zusammengefunden hat, die sich konsequent für die Erdverkabelung eingesetzt hat. Dr. Werner Neumann, der inzwischen auch energiepolitischer Sprecher des BUND auf Bundesebene ist, hat hierbei unzählige Stunden für Recherchen, Berechnungen, Stellungnahmen aufgebracht. Wo andere schon aufgegeben haben, wurde nach weiteren Schwachstellen der E.ON-Planungen gesucht und Alternativmodelle entwickelt. Das 110 kV-Erdkabel für Altenstadt ist nicht nur für die Region von Bedeutung. Einerseits wird die Stromversorgung abgesichert, zukünftig soll auch Strom aus einer geplanten Biogasanlage über das Kabel laufen. Der BUND fordert, dass mehr Strom aus erneuerbaren Energien über die Stromleitungen laufen zu lassen. „Klimaschäden und Atomrisiken sollten aus unserer Stromversorgung verschwinden!“ (z.B. von der Naturstrom AG oder der „Gründlich-Strom“) Daher gelte es weiterhin, sparsam mit Strom umzugehen. Um die Leitung zu verhindern war in den Jahren 1993-1995 ein Stromsparprogramm für die Region entwickelt worden und mit dem Wuppertaler Preis der „Schuler-Stiftung“ prämiert worden. Hieraus entwickelte Dr. Neumann die Firma „SparWatt“, die gezielt Energiesparangebote offerierte. Die von ihm entwickelte Methodik zum Stromsparen in Haushalten wurde mittlerweile durch den Caritasverband übernommen und wird gefördert durch das Bundesumweltministerium – u. a. in Frankfurt, Giessen, Wetterau – in 60 Städten als Stromsparservice für Haushalte mit geringem Einkommen eingesetzt. Auch die Erdverkabelung von 110 kV-Leitungen, die zuerst „unmöglich“, dann „zu teuer“ war, wird inzwischen zur Pflicht. Am 7. Mai hat der Deutsche Bundestag beschlossen, dass 110 kV-Erdkabel bei den Netzkosten anerkannt werden, wenn diese nicht mehr als das 1,6 fache einer Freileitung kosten. Diese Mehrkosten rechnen sich durch geringere Stromverluste. Dr. Neumann stellte dazu fest – „mit dem Altenstädter Erdkabel ist ein Modell entwickelt worden, dass bundesweit nun Nachahmer finden wird. Vor 15 Jahren waren wir Spinner, heute sind wir Vorreiter!“ Der Widerstand gegen die Freileitung hat sich mehrfach gelohnt! Es wurden neue Konzepte entwickelt – fürs Stromsparen und für Erdkabel, die nun bundes- und europaweit zum Einsatz kommen können, zugunsten von Klimaschutz und Naturschutz! Neumann: „Wir hatten manchmal schon den Eindruck, dass genau deswegen gegen unsere Alternativen vorgegangen wurde.“ Es zeigt sich, dass mit hoher Kompetenz und Beharrlichkeit Ziele des Umwelt- und Naturschutzes erreicht werden können. Es gilt hierbei die Devise: „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen – und verlasse dich nicht auf Energiekonzerne und Genehmigungs-behörden!“ Dieses Motto gilt auch beim nächsten Projekt von E.ON gegen das der BUND kämpft – den Bau des Blocks 6 des Kohlekraftwerks Staudinger bei Hanau/Großkrotzenburg. Dr. Neumann hat schon ein Alternativkonzept ausgearbeitet, wie der neue Kohleblock verhindert werden kann. Im Frühjahr 2009 haben der BUND und betroffene Kommunen sich zwei Wochen lang mit e.on und deren Gutachtern auseinandergesetzt. Am 10. November geht die Erörterung weiter… |
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