Kreisverband Wetteraukreis

BUND-Jugend




"Und jetzt noch die Erde retten ..." – das ist unser Motto. Ob uns dies angesichts der großen Probleme unserer Zeit wirklich gelingt, ist ungewiss. Aber wir wissen, dass wir in den 23 Jahren unseres Bestehens mit Hunderten aktiver, engagierter und motivierter Jugendlicher schon viel bewegt haben und auch weiterhin viel erreichen können, wenn wir wollen!

Die BUNDjugend ist der Jugendverband eines der größten Umweltverbände in Deutschland – dem BUND. Die BUNDjugend gibt es in fast jedem Bundesland mit vielen kreativen Aktionen, Projekten, Kinder- und Jugendgruppen, Workshops, Seminaren und alternativen Reiseangeboten.



Eine-Erde-Camp 2010 auf der Burgruine Lißberg

Eine-Erde-Camp – jugendliche TeilnehmerInnen mit großem Interesse an zukunftsfähigem Lebensstil

Über 60 TeilnehmerInnen, 56 Workshops, Politikerbesuch, eigene Aktionen

Vielseitig und prall voll war das Programm des einwöchigen Zeltlagers der BUNDjugend Hessen, an dem 60 junge Leute zwischen 13 und 27 Jahren aus ganz Hessen in der Burgruine Lißberg bei Ortenberg teilnahmen. Das Spektrum reichte von inhaltlichen Workshops wie Atomkraft, Chemie & Nachhaltigkeit, Bedingungsloses Grundeinkommen, erneuerbare Energien, Umweltschutz in Rußland, Textilproduktion in Bangladesh, Faire Schokolade und weitere Globalisierungsthemen bis hin zu praktischen Angeboten wie Devilstick bauen, Filzen, Seife herstellen, Speckstein bearbeiten oder Korbflechten. Zum Ausgleich gab es immer wieder verschiedene Spiel- und Sportangebote, Yoga, QiGong, Jonglage sowie eine vielseitige Burgolympiade. Ein Imkerei-Workshop, Keschern im Bach, Waldlife und eine Fledermausexkursion boten zudem Gelegenheit, sich naturkundlich zu betätigen.

Während des Camps beschäftigten sich einige TeilnehmerInnen mit Wildbienen und bauten ein großes Insektenhotel, das seinen festen Platz in der Burgruine bekommen hat und so in den nächsten Jahren Solitärbienen helfen und Besuchern der Burg als Anschauung dienen soll.

Das Camp-Programm war in verschiedene Experimentierfelder eingebettet, die dazu anregen sollten, den eigenen Lebensstil zu überdenken und Alternativen auszuprobieren:

Ernährung, Kleidung, Konsum und Mobilität. Eine Kleidertauschbörse, der während des Camps installierte Tauschring (gegenseitig erbrachte Dienstleistungen) und verschiedene Workshops zum Recycling oder Selbermachen luden dazu ein, Neues auszuprobieren.

Besonders deutlich wurde das beim Essen – ein junges Küchenteam versorgte die Gruppe mit vegetarischen und vollwertigen Speisen. Das Essen wurde auch von denen hoch gelobt, die sonst eine andere Ernährung gewohnt sind. Ein Viertel der Gruppe ließ sich darauf ein, eine Woche vegan zu leben, d.h. gänzlich auf tierische Produkte zu verzichten. Alle Lebensmittel waren aus ökologischem Landbau und fairem Handel. Das Brot wurde von einer regionalen, alt-eingesessenen Bio-Bäckerei geliefert. Das Gemüse und Obst kam von einem regionalen Bio-Lieferservice, der die Ware überwiegend von regionalen Bio-Bauern bezieht. Alles wurde frisch zubereitet, Fertigprodukte gab es nicht. Der selbst betriebene Kiosk ermöglichte den TeilnehmerInnen, ihr Taschengeld in fair gehandelte Süßigkeiten und Knabbereien zu investieren. Immer wieder konnten sich TeilnehmerInnen auch an der Versorgung des Camps beteiligen – beim Brotbacken, Frischkornbrei ansetzen (mit einer Handgetreidemühle wurde dafür zunächst Dinkel geschrotet) und bei der eigenen Herstellung vegetarischer Brotaufstriche und Energiekugeln. Zusätzlich gab es Workshops wie „Tatort Küche“ oder „vegan-vegetarisch“, die den Zusammenhang von Fleischproduktion, Gesundheit und Klimaschutz verdeutlichten und über ökologischen Landbau, Gentechnik und gesunde Ernährung informierten.

Nicht nur der eigene Lebensstil stand zur Diskussion, auch Forderungen für eine nachhaltige Politik zum Schutz des Klimas wurden formuliert. An einem Nachmittag hatten die TeilnehmerInnen unter dem Motto „Come in Contact“ Gelegenheit, ihre Positionen mit Politikern zu diskutieren. Der Kontakt wurde über den Hessischen Jugendring hergestellt. Leider war von der FDP und CDU niemand bereit, zum Camp zu kommen. Dafür nahmen sich Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die GRÜNEN, Fraktionsvorsitzender, Mitglied des Hessischen Landtags) und Ernst-Ewald Roth (SPD, Mitglied des Hessischen Landtags) zwei Stunden lang Zeit, um mit den Jugendlichen intensiv über Atomausstieg, regenerative Energien und die Möglichkeiten und Grenzen der Politik auf diesen Feldern gestaltend einzugreifen, zu debattieren.
Viele Jugendliche wollen sich gerne politisch engagieren. So entwickelte sich im Laufe des Camps als kleine, konkrete Aktion ein Forderungskatalog an die für die Burgruine Lißberg zuständige Stadt Ortenberg, unter anderem Energiesparmaßnahmen bei der Renovierung der Burghalle zu berücksichtigen und auf Ökostrom umzustellen. Der Forderungskatalog wurde von allen Camp-TeilnehmerInnen unterzeichnet und wird demnächst der Stadt Ortenberg überreicht.

Hautnah erlebbar wurde das Thema „Eine Erde“ beim Simulationsspiel „Fair play für den Welthandel“, bei dem die TeilnehmerInnen sich auf verschiedene Länder aufteilten und die unfairen Handelsbedingungen im Spiel erfuhren.

Das Abendprogramm war ähnlich vielseitig wie die Tages-Workshops. Ein Auftritt der Altenstädter Trommelgruppe ermunterte sofort die meisten zum Tanzen. Ebenfalls bewegt ging es zu bei einem Live-Auftritt der jungen Band „Cressy Jaw“ und den angeleiteten Kreistänzen zweier Drehleierspieler aus Lißberg. Lagerfeuer mit Gitarrenspiel gab es fast jeden Abend, einmal zusätzlich eine Fackelwanderung mit selbstgebauten Fackeln.
Ein besonderer Abschluss des Camps war der letzte Abend mit verschiedenen, eigenen Darbietungen der TeilnehmerInnen: Feuerjonglage-Vorführungen, kurzes Theater, Spielen und einem Lied des Camporchesters.

Alle TeilnehmerInnen lobten die Mischung zwischen mehr theoretischen und praktischen Angeboten und die Möglichkeit, frei wählen zu können, sowie die gute Gemeinschaft und Stimmung im Camp.

Für das junge 14-köpfige Camp-Team der BUNDjugend Hessen steht fest:

Der Aufwand hat sich wieder gelohnt - auch im nächsten Sommer wird es ein Eine-Erde-Camp geben.

Nähere Infos: BUNDjugend Hessen, Ostbahnhofstraße 13, 60314 Frankfurt, 069-67737630, bundjugend.hessen@bund.net, www.bundjugendhessen.de.


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