Wirtschaftspolitik aus der Steinzeit. 

Immer noch nett zu lesen, wenn die Zahlen sich auch eher zum schlechteren gewandelt haben.

Zitieren wir aus der Haushaltsrede des Kämmerers: „Der Finanzplan bis 2004 geht davon aus, dass die Vermögenshalte der kommenden vier Jahre nur mit z.T. erheblichen Kreditaufnahmen ausgeglichen werden können. Danach wird unser Schuldenstand im Jahr 2004 bei über 25 Millionen Euro liegen. Dieser Grad der Verschuldung ist zwar besorgniserregend  - er ist aber gerechtfertigt, weil er nicht durch Konsum verursacht wird , sondern aufgrund der vor uns liegenden Zukunftsinvestitionen, insbesondere im Norden Wülfraths.“ Zum Vergleich: der derzeitige Schuldenstand liegt bei 15 Millionen Euro, die Schulden werden also fast verdoppelt, und das in gerade mal vier Jahren! 
Wenn die geplanten Investitionen tatsächlich einen wirtschaftlichen Fortschritt bewirken würden, dann könnte die Investition tatsächlich richtig sein, sie hat aber einen ganz großen Schwachpunkt. Sie geht davon aus, dass eine Gemeinde nur genug Gewerbeflächen zur Verfügung stellen muss, dann würden die Firmen schon kommen und das Geld fließen. Dieser Zusammenhang mag in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts tatsächlich gegriffen haben, gilt aber schon lange nicht mehr. Wirtschaftskraft koppelt sich immer mehr von Flächenverbrauch ab. Die Wirtschaftskraft und noch stärker die Beschäftigung wird in zunehmender Weise von Dienstleistungsunternehmen getragen. In der Bundesrepublik liegt das produzierende Gewerbe noch 40 % über dem der USA, die Tendenz ist aber eindeutig, auch Deutschland wird in den nächsten Jahren immer weniger produzierendes Gewerbe und mehr Dienstleistungsgewerbe haben (Preussag Dienstleistungsreport 2000), damit wird aber der spezifische Flächenbedarf abnehmen, die Firmen brauchen immer weniger, aber dafür geeignete Flächen. 
Dies sollte man berücksichtigen, wenn man im Norden Wülfraths fast 6 Millionen Euro ausgibt. Sicher, man geht davon aus, dass das Land 3-4 Millionen Euro dazu gibt, aber auch das sind Steuergelder und über zwei Millionen € bleiben auf alle Fälle an Wülfrath hängen.
Ein Drittel der Kosten fällt auf das Verbindungsstück zwischen Kocherscheidt und Nord Erbach. Die Straße über Hammerstein ist gerade mal 200 m länger als über die neu geplante Trasse. Über diese Verbindungsstraße fließt nach dem Verkehrsentwicklungsplan etwa 21 % des Gesamtverkehrs (Statur Quo Szenario). Allerdings muss man bedenken, dass durch die Gewerbegebiete auch zusätzlich Verkehr erzeugt wird. Die Verbindungsstraße kann also keine 21 % sondern höchstens15 % des Gesamtverkehrs auf der Wilhelmstraße reduzieren und dies natürlich nur von Hammerstein bis zur Tönisheider Straße. Das menschliche Geräuschempfinden ist überhaupt nicht in der Lage, diesen Unterschied wahrzunehmen. 
Das Gewerbegebiet am Bochumer Bruch ist mit brutto 3 Hektar vergleichsweise klein und teuer. Die Hanglage wird die meisten Investoren auch nicht gerade begeistern, es sei denn, sie wollen dort eine Sommerskianlage bauen, aber der Bedarf an Skianlagen ist momentan in NRW gedeckt. 
Die Gewerbefläche am Bochumer Bruch ist für die Zukunft Wülfraths nicht nötig, die Straße bringt keine merkbare Entlastung, die Kosten sind zu hoch. 
Am Rande des bestehenden Gewerbegebietes Nord Erbach sind ein Dutzend Gewerbegrundstücke vorgesehen, in einer Größe von 2000 bis 5000 m², also für mittlere und auch größere Unternehmen brauchbar. Zusammen mit den noch zahlreich vorhandenen Flächen in bestehenden Gewerbegebieten sind die Flächen auch für die weitere Zukunft ausreichend. Wenn man sich das Verwaltungsgebäude der Kalkwerke und das Düsseler Tor ansieht, schlagen sich die Investoren ja nicht gerade um den Wülfrather Standort.
Ach ja und wenn man die Attraktivität von Wülfrath verbessern will dann gibt es geeignetere Maßnahmen, als teure Straßen zu bauen. Man erhält das Heimatmuseum, man sorgt dafür, dass Schulbusse nicht Viehtransporten gleichen wie von Düssel oft üblich, man verbessert das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs, dass die Eltern nicht zum Taxiunternehmen mutieren müssen, man sorgt dafür dass Kinder sicher durch die Stadt fahren können und Rollstuhlfahrer nicht an der Treppe zur Schulstraße scheitern und sorgt für viele kleine Verbesserungen an Treppen und Wegen. Zur letzten Kommunalwahl hatte der BUND Ortsgruppe einige der Problemstellen aufgelistet, alles einfach und mit wenig Geld zu beheben. Aber dafür war natürlich kein Geld da. Armes Wülfrath!

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