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Reiner Rhein: Die Erfolge sind nicht vom Himmel gefallen

03.07.2003
An die Medien

Am 1. Juli 2003 berichtete die Internationale Rheinschutzkommission (IKSR) über die Erfolge in Sachen Wasserqualität des Rheins (siehe untenstehende Veröffentlichung). Es gibt vermutlich wenige, die sich über diese Erfolge so freuen wie die Aktiven des BUND.
Dennoch wollen wir anhand von 3 regionalen Beispielen auch daran erinnern, dass diese Erfolge nicht vom Himmel gefallen sind, sondern teilweise hart erkämpft werden mussten.

1972


Aktive der Aktion Umweltschutz und des Schwarzwaldvereins verlangen die Abwassererklärung der Papierfabrik in Neustadt und die Beendigung der massiven Wasserverschmutzung der Wutach. Nach vielfältigen Aktionen wird eine Kläranlage eingebaut, ein weiterer Schritt zur Reinhaltung des Rheins.

1986


Sandozbrand (Basel/Schweizerhalle) und massive Rheinvergiftung durch auslaufende Pestizide. Protestdemonstrationen in der ganzen Region u. a. Menschenkette am Rhein. Die Wasserqualität des Rheins wird noch stärker zum Thema.

1994 bis 1996


Rot, blau, gelb... in allen Regenbogenfarben färbt sich, an einer einsamen Stelle, der Rhein unterhalb der beiden Rohre der elsässischen Papierfabrik Kaysersberg gegenüber von Breisach. Viele Millionen Menschen beziehen ihr Trinkwasser aus dem Uferfiltrat des Rheines. Eine erste Recherche ergab, daß hier tatsächlich die einzige Papierfabrik im Dreyeckland ohne Kläranlage arbeitet und seit Jahrzehnten mit Farben und Schwermetallen den Rhein vergiftet.

"Eine Kläranlage muss her", unter diesem Motto gingen der BUND und seine elsässische Schwesterorganisation Alsace Nature gemeinsam das Problem an. Die klassische Umweltverschmutzung wurde mit den klassischen Methoden der Umweltverbände angegangen. Hier eine kurze Auflistung der wichtigsten Aktivitäten im Jahr 1994.

  • Erstellung und Verteilung eines Flugblattes

  • Presseerklärung an die badischen und elsässischen Medien

  • Anschreiben an die Firmenleitung der Usine Kaysersberg

  • In der neuen Ausstellung des BUND Regionalverbandes zu den Umweltproblemen im Dreyeckland wird das Problem aufgezeigt

  • Die Ausstellung wird in Baden und dem Elsass gezeigt

  • "Das Rohr" wird zum Thema in einem Dia-Vortrag des BUND-Regionalverbandes

  • Busexkursionen zu den ökologischen Problemfeldern im Dreyeckland führen jetzt auch zur Usine Kaysersberg

  • Im Sommerloch werden die holländischen Medien informiert, denen das Thema Rheinverschmutzung sehr am Herzen liegt

  • Die Print-Medien greifen das Thema auf und der "Monsieur le Directeur" erhält immer eine Kopie der Artikel

    - Horst Hildbrand, Freiburger Filmemacher greift auf Anregung des BUND das Thema auf und produziert den Kurzfilm "Ein ungeklärte Affäre". Der Film erhält in einem grenzüberschreitenden Videowettbewerb den ersten Preis und wird im französischen Fernsehen ausgestrahlt.

  • Im Südwestfunk Film "Sprengstoff in der Regio" wird das Rohr gezeigt

  • Die Nachrichtensendungen von S3 und RTL berichten. Vor jeder Sendung erhält "Monsieur le Directeur" ein Fax: "Heute Abend kommt Ihre Firma im Fernsehen"

  • Der Umweltbeauftragte des Erzbistums Freiburg Rainer Bäuerle unterstützt Alsace Nature und den BUND in Sachen Kaysersberg

  • Der Südwestfunk zeigt, was eine gute Recherche ist. Da "Monsieur le Directeur" keine Auskunft gibt, befragt Jürgen Dettling vom SWF einfach das Rohr. Wasserproben werden genommen und analysiert

  • Die Wasserproben zeigen, daß die Rheinverschmutzung noch viel schlimmer ist als angenommen (Schwermetalle, Organische Halogene, Sauerstoffbedarf...).

  • BUND und Alsace Nature informieren den Präfekten und die zuständigen Behörden. Im Februar 1995 zeichnete sich der Erfolg ab. Der elsässische Prefekt Cyrill Schott beantwortete eine BUND Anfrage und schrieb:


"Darüber hinaus informiere ich Sie, dass ich demnächst der Kaysersberg A.G. eine ergänzende Betriebsgenehmigung erteilen werde, mit dem Ziel das Abwasser zu klären. Ich werde den Betreiber bitten, innerhalb 6 Monaten die notwendigen Mittel zu beschreiben, die in den folgenden 12 Monaten angewendet werden müssen. Das Projekt einer Kläranlage ist schon in Planung" Sie wurde kurz nach dem Brief tatsächlich auch gebaut.

Die Erfolge in Sachen Wasserqualität des Rhein sind beachtlich. Durch solche Aktionen wird der Rhein wieder rein und auch der Lachs hat im Rhein wieder eine Chance zu überleben. Jetzt kann sich der BUND neuen Themen zu wenden, beispielsweise der dringend nötigen Renaturierung der kanalisierten Flüsse und Bäche unserer Heimat. Und auch beim Grundwasser liegt noch vieles im Argen. Eine langfristige massive Bedrohung für die Wasserqualität des Rheins ist das geplante atomare Endlager der Schweiz in Benken, wenige hundert Meter vom Rheinfall entfernt. Auch in Sachen Salzeinleitung durch die elsässischen Kaliminen bleiben wir weiter am Ball.

Axel Mayer


Bericht der Internationalen Rheinschutzkommission:

"Die Bilanz beweist: Mit dem Rhein geht es bergauf.

1) Die Wasserqualität hat sich stark verbessert, weil weniger verunreinigte Abwässer in den Rhein geleitet werden. Die punktförmigen Einleitungen der meisten Schadstoffe der "prioritären Liste" sanken zwischen 1985 und 2000 um 70 bis 100 Prozent. Der Anschlussgrad von Kommunen und Industrie an Kläranlagen stieg in diesem Zeitraum von 85 auf 95%.
Problematisch bleibt der Stickstoff, der aus landwirtschaftlichen Böden diffus in die Rheinzuflüsse sickert und die Nordsee düngt.
Einige Schadstoffe, z.B. manche Schwermetalle und Pestizide, haben die hochgesteckten Zielvorgaben der IKSR noch nicht erreicht.

2) Die Unfälle mit Wasser gefährdenden Stoffen sind erheblich zurückgegangen, weil die Betriebe am Rhein besser gegen Störfälle gerüstet sind. Sie haben die Empfehlungen der IKSR zur Störfallvorsorge und Anlagensicherheit umgesetzt.

3) Die Tierwelt im Rhein hat sich erholt. Rheinfische außer Aalen sind wieder essbar. Mit 63 Arten ist die Fischfauna des alten Rheins fast komplett, es fehlt nur der Stör. Dank neu gebauter Fischpässe an den Wehren können heute Wanderfische, z.B. Lachs und Meerforelle, von der Nordsee bis in den Oberrhein und einige Nebenflüsse im Elsass und im Schwarzwald aufsteigen und dort laichen. Basel ist für die Fische aber noch nicht erreichbar. Die Artenvielfalt der Kleintiere, z.B. von Schnecken, Muscheln und Insekten, hat zugenommen, wenn auch Anspruchslose und Neueinwanderer oft überwiegen.

4) Das Lachsprogramm hat gegriffen: Bis Anfang 2003 sind mehr als 1.900 erwachsene Lachse nachweislich in das Rheinsystem zurückgekehrt. Da nicht alle bei ihrer Rückreise in die Heimatbäche durch Kontrollen erfasst werden, liegt die wirkliche Zahl noch wesentlich höher."

Erfolg für Rhein und Umwelt - Lachslaich in der Kinzig

Grundwasserversalzung durch Kaliminen -- Umweltskandal am Oberrhein

Atommüll nach Benken am Rheinfall: Gefahr für Rhein und Trinkwasser


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