Diese Seite ausdrucken

Wachstum und Wachstumskritik - Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme

Eine Einführung: Wachstum und Wachstumskritik

Wachstumskritik & Finanzkrise

Griechenlandkrise, globale Finanzkrise, beginnende Energiekrise, Peak Oil, Peak Gas, eine Milliarde hungernder Menschen... Multible Krisen eines nicht nachhaltigen Raubbausystems


Die ökonomischen "Gesamtverluste" der "letzten" Finanz- und Wirtschaftkskrise schätzte der IWF im April 2009 auf 4,054 Billionen US-Dollar (3093 Mrd. Euro). Eine Zahl, die das menschliche Vorstellungsvermögen sprengt. Millionen Arbeitslose und Millionen von zusätzlichen Hungernden sind eine indirekte Folge dieser Krise.

Der Hintergrund der Probleme ist nicht nur die Habgier und Dummheit einiger Weniger, auch wenn dies jetzt gerne so dargestellt wird. Wir leben in einem System das nur funktioniert wenn es wächst und sich damit zwangsläufig selber zerstört.


Wieviel Prozent Wachstum
hätten Sie denn gerne? Fragen Sie einen Politiker von CDU/FDP/SPD und Sie werden vermutlich keinen finden, der nicht ein langfristiges Wachstum von mehr als 5% anstrebt. Mindestens 3% Wirtschaftswachstum seien nötig, um die Arbeitslosenzahlen zu senken. Vollbeschäftigung ließe sich frühestens ab 5% jährlichem Wachstum erreichen, werden Ihnen auch viele PolitikerInnen der GRÜNEN und der Demokratischen Linken vorrechnen.

Doch hinter solchen Aussagen,
Wahlkampfparolen, Wirtschaftsinteressen, Wünschen und Problemlösungsansätzen stehen unhinterfragte Mythen und der alte, zerstörerische Irrglaube, unbegrenztes Wachstum sei dauerhaft möglich.

Wachstum & Wachstumskritik

Bei einem anhaltenden Wachstum
von 3% verdoppelt sich das Bruttosozialprodukt alle 23 Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung. Als Problemlösungsansatz kann es langfristig und global nicht dienen. Durch die periodischen Kriege im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde das bisherige Wachstum immer wieder unterbrochen. Es wäre anzustreben, die aktuellen Probleme ohne großen (und damit vermutlich letzten) Krieg in den Griff zu bekommen.

Aktueller Einschub: Wachstumsbeschleunigungsgesetz


  • Wachstumsbeschleunigungsgesetz
  • Schuldenwachstumsbeschleunigungsgesetz
  • Genkartoffelwachstumsbeschleunigungsgesetz
  • Atommüllwachstumsbeschleunigungsgesetz
  • Straßenundflugverkehrwachstumsbeschleunigungsgesetz
  • Klimawandelwachstumsbeschleunigungsgesetz
  • Abstandzwischenarmundreichwachstumsbeschleunigungsgesetz
    Axel Mayer



  • Dieses neue Banner gibt´s für 20 Euro beim BUND in Freiburg


    Raubbauökonomie und Ökologie
    sind immer noch unvereinbare Gegensätze, auch wenn immer wieder fälschlicherweise und vielstimmig das Gegenteil behauptet wird.

    Immer wieder werden in der öffentlichen Debatte
    andere Länder benannt, die ein stärkeres, „vorbildhaftes“ Wachstum haben. Vor dem Jahr 1990 wurde Japan als das „große Vorbild“ dargestellt. Die boomende japanische Wirtschaft wurde idealisiert und den deutschen Arbeitnehmern sagten Medien und Politik, sie sollten sich die Japaner endlich als Vorbild nehmen. Dann platzte 1990 in Japan (als Folge exponentiellen Wachstums) die Immobilienblase, die Börse ging in den Keller und von einem Tag auf den anderen war in Deutschland das „Vorbild Japan“ kein Thema mehr. Aufgearbeitet wurde dieser Medienflopp nie. Und die Staatsverschuldung mancher Länder, die uns heute als Vorbild dienen sollen, ist für die Medien wieder kein Thema.
    Die Weltwirtschaftskrise des Jahres 2008 führt dazu, dass einige neoliberale Politiker, Journalisten und Wirtschaftsbosse kurzfristig "in Deckung" gehen. Nach kurzer Zeit sind sie wieder da...

    Unser Wirtschaftswachstum
    ist immer noch nicht ganz abgekoppelt von einem erhöhten Energie- und Rohstoffverbrauch. Das Ende des Öl- und Uranzeitalters ist absehbar und wird durch den Export unseres Verschwendungssystems nach China und Indien noch verstärkt.

    Deutlich wird dies u.a. durch die erkennbare Verknappung der fossilen Rohstoffe und damit aktuell beim Benzinpreis. Das weltweit knapper werdende Öl löst beim abhängigen Patienten Mensch klassische Suchtsymptome aus. Statt Energie zu sparen und Alternativen zu fördern, rufen wachstumsgläubige Politiker nach einer intensiveren Ölförderung und nach der noch härteren Energiedroge Atomenergie.

    Die Umweltbewegung in Deutschland
    hat viel erreicht. Luft und Wasser sind tatsächlich sauberer geworden und auch sonst gab es viele Erfolge. Das bedeutet aber nicht mehr und nicht weniger, als dass die weltweiten Zerstörungsprozesse hier ein wenig langsamer ablaufen als anderswo. Immer noch gehören auch wir in Deutschland zum zumeist unzufrieden gehaltenen, kleinen „reichen“ Teil der Menschheit, der aber den Großteil der Energie und Rohstoffe verschwendet und damit hauptsächlich für die weltweite Umweltverschmutzung verantwortlich ist.

    Ein Teil des bisher „unterentwickelten“ Rests der Welt
    (insbesondere China und Indien) ist gerade gerade dabei, unser zerstörerisches Modell einer Raubbauwirtschaft nachzuahmen und zu einer ernstzunehmenden industriellen Konkurrenz zu werden. Wie in Deutschland nach dem Krieg wird auf niedrige Lohnkosten und geringe Sozial- und Umweltstandarts gesetzt. Der beginnende Autoboom in diesen Ländern wird in unseren Medien immer noch unkritisch bejubelt. Die Folgen dieses Booms für Ökologie und Weltklima sind kein Thema. In China und Indien läuft zur Zeit das "spannendste ökologische Belastungsexperiment" der Menschheitsgeschichte. Und ist es den Menschen in Asien zu verdenken, dass sie unserem schlechten Beispiel nacheifern?


    Hundertfünfzig Jahre Industrialisierung

    haben dazu geführt, dass die in vielen Millionen Jahren geschaffenen Energievorräte und die Rohstoffreserven der Welt zur Neige gehen und wir gleichzeitig u.a. mit Atommüll Gifte produziert haben, die über eine Million Jahre sicher gelagert werden müssen. Während sich bei uns in diesen 150 Jahren zumindest einige regulierende Gegenkräfte entwickelt haben (Gewerkschaften, Umweltbewegung, etc.) um die schlimmsten Folgen des krebsartigen Wachstums für die Menschen abzumildern, wuchern die Metastasen des Industriesystems in China, Indien und den so genannten „Tigerstaaten“ ungehemmt, mit enormen Folgen für die Umwelt, die Sozialsysteme und die Menschen

    Die Prognosen des Club of Rome

    über die Grenzen des Wachstums aus dem Jahr 1972 haben sich bisher nur zum Teil erfüllt. Doch zum damaligen Zeitpunkt waren die Wachstumsgesellschaften Indiens, Chinas und Südostasiens auch noch im Embrionalzustand. Jetzt, wo diese großen Märkte für ihr Wachstum immer mehr Energie und Rohstoffe verbrauchen, zeigt sich wie richtig die Thesen des Club of Rome waren.

    Kein Wunder, dass der Atom- und Gentechniklobbyist Michael Miersch,
    der für die Industrie wirtschaftsfreundlichen neoliberalen "Ökooptimismus" verbreitet, in Zeitungen wie der Welt heftig gegen den Club of Rome und gegen Wachstumskritik wettert und diese als „Die Verdrossenheit der Satten“ bezeichnet“.

    Die Folgen unseres Handelns
    sind weltweit nicht zu übersehen. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre nimmt zu und das Weltklima verändert sich. Die so genannte friedliche Nutzung der Kernenergie gefährdet durch Unfälle, Terrorismusbedrohung und die Weiterverbreitung von Atomwaffen unsere Zukunft. Alles Wissen um Umweltfragen verhindert nicht den massiven Raubbau an den letzten Urwäldern der Erde und am beschleunigten Artensterben. Während der überentwickelte Teil der Welt mit den Folgen von übermäßigem Konsums und Wohlstandsverwarlosung zu kämpfen hat, sterben nach einem Bericht für die UNO täglich 100 000 Menschen wegen fehlender Nahrung. Im Jahr 2004 litten 842 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung.

    Innenweltverschmutzung
    Die größer werdende Ungleichheit zwischen den Nationen und den Menschen verstärkt die Kriminalität und ergibt einen fruchtbaren Nährboden für Fundamentalismus und Terrorismus. Zur weltweiten Umweltzerstörung kommen im Zeitalter der Globalisierung ein zunehmend ungehemmter Konsumismus, eine Gefährdung der Demokratie u.a. durch die zunehmende politische Macht der Konzerne, soziale Ungerechtigkeit und Sozialabbau. Habgier und Egoismus als gefördertes und gewünschtes Lebensmodell zerstört die Gesellschaft. Die Unwirtlichkeit der Vorstädte, Ghettobildung, vor allem aber die ungleiche Verteilung von Arbeit und Chancen führt in vielen Ländern zu sozialer Entwurzelung und Gewalt. Brennende Autos und gewalttätige Aufstände der Entwurzelten, schon lange nicht mehr nur in weit entferneten Ländern, sondern auch in Paris und Straßburg, sind deutliche Zeichen einer mit der Umweltzerstörung einhergehenden Innenweltverschmutzung. Bewachte Ghettos für verängstigte Reiche nach amerikanischem Vorbild sprechen auch nicht für eine hohe Lebensqualität im selbstgewählten Käfig. Es gibt keine Nachhaltigkeit und kein gutes Leben ohne Gerechtigkeit.

    "Der real existierende Sozialismus war immerhin so freundlich, 1989 „not with a bang, but with a wimper“ zusammenzubrechen. Es ist zu hoffen, aber keineswegs sicher, daß der Kasinokapitalismus seinen Ab- und Untergang mit ebenso viel Feingefühl und Anstand inszeniert."
    Zitat: Thomas Hoof, Manufactum Hausnachrichten, Herbst 2007


    Das Denken des größten Teils der politischen Klasse,
    der Medien und auch der Menschen beruht auf Mythen und Illusionen:

    • Unbegrenztes Wachstum sei dauerhaft möglich
    • Wir alle könnten irgendwann genau so verschwenderisch und zerstörerisch leben wie die Menschen in den USA
    • Der arme "Rest der Welt" könnte unser verschwenderisches und zerstörerisches Wohlstandsmodell übernehmen
    • ungehemmter Konsum würde glücklich und zufrieden machen


    Doch wenn unser System unbegrenzt wächst,
    wenn weiterhin weltweit Energie, Rohstoffe und gesellschaftliche Reichtümer verschwendet werden, dann stellt sich nicht die Frage, ob das System kollabieren könnte, sondern nur noch die Frage, wann dieser Crash kommt. Woher sollen Rohstoffe und Energie kommen, wenn sich der American Way of Life weltweit verbreitet? Wer soll all die Produkte kaufen, wenn unsere Produktivität sich weltweit verbreitet? Und sind die Menschen, die heute den so genannten „hohen „Lebensstandard“ haben, tatsächlich zufrieden und glücklich, oder wachsen mit zunehmendem Wohlstand nicht sogar Habgier und Unzufriedenheit?

    Das Wachstum im Bereich der Alternativen Energien,
    gehört zu den wenigen hoffnungsvollen Zeichen der Zeit. Von 1995 bis 2005 haben sich die Preise für atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für erneuerbare Energien halbiert haben. Windstrom ist global die am schnellsten expandierende Energienutzung. In der EU gingen im Jahr 2005 alle zwei Monate 1000 MW neue Windenergie ans Netz. In Kilowatt (Leistung) entspricht dies einem neuen AKW Gösgen (CH), in Kilowattstunden (Produktion) wird damit ein Atomreaktor der Grösse Beznau(CH) ersetzt - und dies alle 60 Tage. Und genau dieses positive Wachstum der zukunftsfähigen Energien wird von den Anhängern der atomar-fossilen Energiegewinnung massiv bekämpft.

    Wir haben Technologien und Waffen enwickelt,
    welche die Zukunft der Menschheit bedrohen. Gleichzeitig zeigen aber manche Fortschritte, nicht nur bei Sonnen- und Windenergie, dass der technische Fortschritt dem Menschen auch nützen kann. Nicht alle Rationalisierungtechnologien schaffen Probleme. Mit der heute verfügbaren Technik, mit der Produktion von reparaturfähigen, langlebigen Produkten könnten wir, größtenteils befreit von stupiden Tätigkeiten, ein „gutes“ Leben führen. „Gut leben statt viel haben“ muss der heutigen „Ich kaufe, also bin ich“- Ideologie entgegengesetzt werden. Das bedeutet weniger bezahlte Erwerbsarbeit und die gerechtere Verteilung des durch die Rationalisierung zurückgehenden Arbeitspensums auf mehr Menschen. Weniger Arbeit und gleichzeitig mehr Lohn und Konsum wird es dann aber nicht geben. Das aktuelle Motto auch der politischen Linken: „Leute, kauft mehr kurzlebigen Scheiß, um die Wirtschaft anzukurbeln“ ist kurzsichtig und zerstörerisch.

    Es kann auch nicht angehen hohe Löhne beziehen zu wollen und gleichzeitig am liebsten billige Produkte zu kaufen, die unter Sklavenhalterbedingungen in den armen Ländern produziert wurden.

    Eine Gefährdung der Demokratie

    und eine zunehmende Einschränkung der Freiheitsrechte geht einher mit der neoliberalen Globalisierung. Mit Greenwash, Public Relations, Werbung, mit „Konsum und Spielen“ werden die Menschen unmündig gehalten. Silvio Berlusconie ist nur ein Beispiel für die demokratiegefährdende Verbindung von Wirtschaftsmacht, Medienmacht und Politik. Kriege um Öl werden von Werbeagenturen psychologisch vorbereitet und mit Lügen begründet. Auch in Deutschland nimmt die Zahl der Volksvertreter in den Parlamenten ab und die Zahl der Industrievertreter zu. Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern sind kein Problem, wenn die entsprechenden Diktaturen wirtschaftsfreundlich sind. Großkonzerne und neoliberale Eliten und eine zunehmende Selbstzensur, häufig industrienaher Medien gefährden die Demokratie.

    Nur wenn es uns gelingt
    mit einem wesentlich verringerten Input von Energie, Rohstoffen und Arbeitszeit ein gutes Leben zu führen, könnten auch die Länder des Südens an den Reichtümern der Welt gleichberechtigt teilhaben. Ohne einen gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Ressourcen der Welt, ohne Abrüstung, Demokratie und Menschenrechte gibt es keine nachhaltige Zukunft.


    Die schwierigste Zukunftsaufgabe der Umweltbewegung

    wird es sein, aufzuzeigen, dass unbegrenztes Wachstum begrenzte Systeme zerstört. "Gut leben statt viel haben" ist die Zukunftsdevise. Es gilt, eine tatsächlich nachhaltige Entwicklung einzuleiten und Wege für ein gutes, nachhaltiges Leben aufzuzeigen. Die größten Einschränkungen auf diesem Weg sind die ökonomischen Widerstände und die Tatsache, dass dieser zukunftsfähige Weg Vernunft und ein massives Umdenken voraussetzt.
    Das Beispiel der Osterinsel zeigt, wie Menschen es in der Vergangenheit geschafft haben, ihren überschaubaren Lebensraum zu entwalden, die Insel zu verwüsten und die Grundlagen für ein gutes Leben zu vernichten.
    Wir müssen aus der Geschichte lernen und die sich beschleunigenden, weltweiten Zerstörungsprozesse beenden.
    Axel Mayer




    Quelle: Radio France International
    Beitrag vom 03.06.2009

    "Décroissance"

    Verzicht und Lebensfreude


    Christine Siebert

    Politiker und Unternehmen aller Welt setzen alles aufs Wirtschaftswachstum. Die französischen Wachstumsverweigerer wollen jedoch das genaue Gegenteil: "Décroissance", Schrumpfung von allem was Stress produziert und die Umwelt kaputt macht. Für die Décroissance machen sich immer mehr französische Intellektuelle, Künstler, aber auch einfache Leute stark - doch die Mainstream-Medien berichten kaum über diese Bewegung. Dafür umso mehr die unabhängigen Zeitungen. Eine Gruppe von Lyoner Werbe-Gegnern, "Les casseurs de pub" [2] erscheint jeden Monat mit einer Auflage von über 40 000 Exemplaren.

    Redaktionssitzung am runden Esstisch mit wild gemusterter Wachstuchdecke. Das Redaktionsteam von "La décroissance, le journal de la joie de vivre" braucht für seine Lebensfreude keine Designermöbel. Für Sophie Divry, Ende Zwanzig, zählt vor allem die finanzielle und somit inhaltliche Unabhängigkeit der Zeitschrift:

    "Als ich die 'casseurs de pub', die Reklamezerstörer, also die Gründer der Zeitschrift, kennen gelernt habe, da habe ich mir gesagt: es ist also möglich, eine Zeitung ohne Werbung und ohne People-News zu machen... und davon zu leben. Wo man mir doch in der Journalistenschule immer beigebracht hat, ein kleiner diensteifriger Presse-Soldat zu sein, der auf nichts Einfluss hat, und der so gut wie möglich die ihm gestellten Aufgaben erfüllt. Aber inzwischen weiß ich: es ist möglich eine alternative Zeitschrift herauszubringen. Die Franzosen warten nur auf so etwas, denn die Ansichten, die die Mainstream-Medien verbreiten, sind immer dieselben."

    Um die 30 000 Exemplare verkauft "casseurs de pub" jeden Monat. Von den Einnahmen werden vier feste und mehrere freie Mitarbeiter bezahlt, sagt Publikationsleiter Vincent Cheynet:

    "Und dann haben wir Autoren, die unentgeltlich mitarbeiten. Zum Beispiel Jacques Testard [3], der berühmte französische Wissenschaftler, der 'Vater' des ersten 'Retortenbabys'. Der schreibt regelmäßig eine Chronik für uns. Außerdem haben wir eine ganze Reihe Helfer, die sich für die Sache engagieren. Die kommen zum Beispiel einmal im Monat hier in die Redaktion, um die Abo-Exemplare einzutüten. Das ist jedesmal ein Highlight: man tauscht sich aus, man freut sich, andere Wachstumsverweigerer zu treffen."

    Wachstumsverweigerung - ein weites Feld. "La décroissance" steht für einen ganzen Gesellschaftsentwurf, der sich auf den ersten Blick in eine Reihe "Neins" übersetzen lässt: Nein zum Wirtschaftswachstum um seiner selbst willen, Nein zur Vergeudung, Nein zur Maßlosigkeit dessen, was ein durchschnittlicher Europäer der Erde abverlangt - sprich: nein zum überproportionalen ökologischen Fußabdruck, Nein zum Konsumwahn. Noch einmal Vincent Cheynet:

    "Jeden Monat haben wir die Rubrik 'Der Ramsch, den wir diesen Monat nicht kaufen'. Heute sind ja alle Magazine voll von Kauftipps. Und wir machen das Gegenteil. Dabei versuchen wir, so oft wie möglich den Lesern das Wort zu geben. Gerade diese 'Anti-Kauf-Tipps' schicken uns oft die Leser zu - und wir machen uns eine Freude daraus, ihre Prosa zu veröffentlichen."

    Mit viel Humor nimmt "La décroissance" auch Greenwasher, also falsche Umweltschützer aller Art, auseinander, bis hin zu jenem französischen People-Magazin, das mit 600 Litern roter Farbe sein Logo auf Grönlands Eis schreibt - angeblich um sich für den Klimaschutz einzusetzen. Vincent Cheynet:

    "Außerdem haben wir die Rubrik 'Der Öko-Heuchler des Monats'. Das sind oft reiche, berühmte Leute, Fernsehstars, die die Umwelt total verschmutzen, die jedoch den einfachen Leuten Umweltlektionen erteilen."

    Viel Ironie also, aber auch gründlich recherchierte Dossiers zu politischen und Umweltthemen - und Denkansätze für eine neue Gesellschaft im Sinne der "Décroissance": universelles Basiseinkommen, radikale Arbeitszeitverkürzung, Relokalisierung der Wirtschaft. Das Magazin erinnert an frühe Vordenker wie Ivan Illich [4] und André Gorz [5] und gibt den heutigen Verfechtern das Wort: Wirtschaftswissenschaftlern, Politologen, Philosophen. Und einfachen Leuten, die schon mal anfangen, neue Ideen im eigenen Wohnzimmer umzusetzen: Schluss mit TV und Junkfood, neue Träume statt dem von Rolex und Jet Set. Es sind bevorzugt Zeitgenossen, die mitten in der Gesellschaft stehen. "Auszusteigen" sollte man sich in der heutigen Lage nicht mehr leisten, findet jedenfalls Sophie Divry:

    "Wenn ein Sarkozy mit 37 Millionen Stimmen gewählt wird - und das mit einem Programm, dessen Inhalt ist: Ich gebe euch Geld, ich liebe Geld, ich repräsentiere das Geld - da reagieren natürlich manche Ökos damit, dass sie aufs Land ziehen, ihre kleine Kommune gründen und sagen: Meine Zeitgenossen können mir egal sein, die interessieren sich ja nur für ihr Auto und für ihr Einfamilienhaus. Aber wir finden: So kann's auch nicht gehen! Wir haben ein gemeinsames Schicksal. Da sitzen sie auf dem Land und essen ihr Biogemüse und eines Tages führt eine Autobahn direkt an ihrem Garten vorbei. Oder nebenan explodiert ein Atomkraftwerk und da stellen Sie fest: Ja - ich lebe in der Welt, die mich umgibt."





    Wachstum und Wachstumskritik - Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme
    Information, Hintergrundinfo, Ausstellung, Material, Vortrag, Hausarbeit, Diplomarbeit, Aufsatz, Schularbeit, Referat...


    Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
    <a href="http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/wachstumskritik.html"> Wachstum und Wachstumskritik - Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme </a>

    Weitersagen
    Delicious Twitter Facebook StudiVZ

    Dieser Artikel wurde 7146 mal gelesen und am 11.5.2010 zuletzt geändert.