Feuerökologie & Feuer: Böschungspflege und brennende Raine am Kaiserstuhl
Kritischer Rückblick auf AK Böschungspflege
(Susanne Kleikamp)
Warum eine rückschauende Auseinandersetzung mit meinem Mitwirken in dem Arbeitskreis Böschungspflege? Da ist mein eigener Unmut und Ärger, mit dazu beigetragen zu haben, dass im Kaiserstuhl Böschungspflege zur Zeit vor allem durch kontrolliertes Brennen betrieben wird. Wie kam es dazu, hätte es anders kommen können und was würde ich heute anders angehen. Aus gemachten Fehlern kann man selber und andere immer auch lernen.
Lagebeschreibung + Einführung
Der Kaiserstuhl, ein kleines vulkanisches Gebirge mit zum Teil sehr mächtiger Lößüberdeckung in klimatisch begünstigter Lage im Oberrheingraben, ist ein uraltes Anbaugebiet für Wein. Die Rebberge wurden früher - und heute wieder - in kleinen Terrassen angelegt, um eine gute Bewirtschaftung zu ermöglichen. Die Böschungen, die die Terassen abstützen, wurden früher immer von den Winzern mit gepflegt. Im Zuge der großen Flurbereinigungen entstanden große zusammenhängende, leicht zu bewirtschaftende Terrassen mit entsprechend großen nur sehr schwierig zu pflegenden Böschungen, die in Gemeindebesitz übergingen. Durch den Wandel in der Landwirtschaft, nahezu keine Viehwirtschaft mehr im Kaiserstuhl, die Notwendigkeit immer effektiver und kostengünstiger zu wirtschaften, und durch das Verbot die Böschungen abzubrennen, wurden auch die kleinen noch in Winzerhand befindlichen Böschungen zunehmend weniger und gar nicht mehr gepflegt, so dass Gehölze aufkommen und sich ausbreiten konnten, vor allem auf nord und- westorientierten Böschungen, weniger auf den trockenen Südböschungen. Dieser Gehölzaufwuchs bereitet nun den Winzern zunehmend Probleme durch Beschattung, erhöhte Fraßschäden durch Vögel und Veränderung des Mikroklimas. Durch die wegfallende Pflege können bestimmte Pflanzen wie z. B. die amerikanische Rebe (Propfunterlage), Waldrebe, Schlehe, Brombeere und Goldrute, sich ausbreiten und die aus Naturschutzsicht wertvollen Flächen überwachsen und seltene Arten verdrängen. Es gab und gibt also nicht nur aus Winzersicht Handlungsbedarf, sondern auch aus Sicht des Natur- und Artenschutzes.
„Historie“
Die Winzerschaft konnte sich bei der damaligen, aus dem Kaiserstuhl stammenden, Landwirtschaftsministerin Gerdi Staiblin Gehör verschaffen und so wurde 1997 vom Landwirtschaftsministerium das Projekt „kontrolliertes Brennen in der Landschaftspflege im Kaiserstuhl“ ins Leben gerufen. Die Position der Naturschutzverbände und auch meine war eindeutig ablehnend, weil viel Geld, das für andere naturschutzbezogene Forschungen damit nicht mehr zur Verfügung stand, und Zeit investiert werden sollten, um letzten Endes den Winzern das Brennen der Böschungen wieder zu erlauben. In der Winzerschaft wurden große Erwartungen geweckt, obwohl klar war, dass nur ein geringer Teil der Böschungen für den Feuereinsatz überhaupt in Frage kommt, und die bereits verbuschten und bewaldeten Flächen durch Feuer nicht mehr in Grünland umgewandelt werden können.
Für den Naturschutz ist das Brennen der Böschungen als Pflegemethode relativ uninteressant, da im Kaiserstuhl die wertvollen und interessanten Flächen mit Halbtrockenrasen und Trockenrasenvegetationen durch eine andere Nutzung entstanden sind und durch Brennen sehr wahrscheinlich nicht erhalten werden können. Doch das Projekt war nicht zu stoppen.
Im November 1999 wurden wir dann von dem Leiter des Projektes Feuerökologie zu einer über 4 Sitzungen geplanten Veranstaltung eingeladen. Inhalte: Informationen zum kontrollierten Brennen, Stellungnahmen der Teilnehmer, Erarbeitung eines Leitbildes zur Böschungspflege im Kaiserstuhl, Möglichkeiten der Umsetzung der erarbeiteten Leitlinien.
Auf der Informationsveranstaltung wurde wieder klar, dass es seitens der Winzer einen großen Handlungsbedarf bei der Böschungspflege gibt, dass es aber auch von Seiten des Naturschutzes Handlungsbedarf gibt, denn viele wertvolle Flächen haben durch die Nicht-Pflege sehr stark in ihrer Wertigkeit verloren (Diplomarbeit Tobias Mennle). Klar wurde aber auch, dass der Handlungsbedarf des Naturschutzes keinesfalls mit Feuer gedeckt werden kann und der der Winzer nur zu einem geringem Teil. Klar wurde auch, dass Feuer, kontrolliert eingesetzt, geringere Schäden in der Fauna und Flora verursacht als bisher angenommen.
In den Stellungnahmen des ehrenamtlichen Naturschutzes, der Bio-Winzer und auch der BNL wurde unsere sehr kritische Einstellung zum kontrollierten Brennen deutlich, möglichen Einsatz sahen wir nur auf naturschutzlich uninteressanten Flächen, die noch nicht verbuscht waren. Probleme in unseren Augen: wie legt man diese Flächen fest, wer überprüft die Einhaltung der Regeln, Kosten, Feuer kann und darf nur eines von vielen Instrumenten der Böschungspflege sein. Das entwickelte Leitbild gibt unsere Positionen eigentlich recht gut wieder.
Um den Winzern Arbeitserleichterung zu verschaffen und um sie damit auch für andere Böschungspflegemethoden zu motivieren (Argument der Winzerschaft!!), waren wir nicht rigoros gegen den Feuereinsatz, sondern vertraten – naturschutzfachlich völlig korrekt – die Position Feuereinsatz grundsätzlich „Nein“, aber Ausnahmen können möglich sein. Dies war jedoch politisch betrachtet der „Dammbruch“ und fortan konzentrierten sich alle darauf, diese Pflegemethode in einem Großversuch den Winzern zugänglich zu machen.
Damit trat genau das ein was wir zu Beginn des Projektes befürchtet hatten, dann aber in der Situation nicht rechtzeitig realisierten und auch nicht mehr stoppen konnten. Enorm viel Geld, Zeit und Energie wurden für das kontrollierte Brennen freigesetzt, über andere Pflegemethoden wurde nicht mehr geredet.
„Ursachenforschung“
Im Detail verhaftet, den Überblick verloren.
Viele Auseinandersetzungen um die Regeln und Rahmenbedingungen für das kontrollierte Brennen wurden geführt, hier wurde uns relativ viel Mitspracherecht eingeräumt, es entstand der Eindruck etwas bewirken zu können, aber eben nur auf einem Nebenschauplatz. Denn für den Naturschutz ist das Brennen nach wie vor nicht interessant und für die Pflege der uns wichtigen Böschungen hat sich bis heute nichts getan.
Die Struktur des Arbeitskreises
Man hat sich kennen gelernt und Verständnis für die Nöte der anderen entwickelt Die Leitung des Arbeitskreises „Böschungspflege“ hatte der Projektleiter Feuerökologie inne, ihm lag und liegt am Feuereinsatz und nicht an der Böschungspflege allgemein. Öffentlichkeitsarbeit sollte einheitlich betrieben werden, de fakto damit von der Leitung des AK.
Geschicktes Vorgehen der Feuerökologen
Das Projekt Feuerökologie wurde umbenannt in Böschungspflege, die Inhalte änderten sich jedoch nicht, oder nur auf dem Papier. Ein negativ besetzter Begriff wurde durch einen in Naturschutzkreisen positiv belegten Begriff ersetzt. Die Botschaft an den Naturschutz war damit, es geht nicht nur um kontrolliertes Brennen, sondern umfassend um die Pflegemöglichkeiten der Böschungen, Feuer ist nur ein Instrument unter vielen. Bis heute, das sind jetzt knapp 4 Jahre, wurde keine andere Methode zur Böschungspflege seitens des Arbeitskreises behandelt. Das soll sich jetzt endlich ändern, denn jetzt soll der Einsatz von Herbiziden in der Böschungspflege durch den AK ermöglicht werden.
Das Projekt sollte in Teilschritten ablaufen, also vom Versuchsprojekt zum Großversuch zur Ausnahmegenehmigung über 6 Jahre für den gesamten Kaiserstuhl., und bei negativem Verlauf nach dem Großversuch gestoppt werden. Mit dieser Vorgehensweise wurde geschickt suggeriert, dass erst mal nur zu einem Versuch zugestimmt wird, und in Abhängigkeit von den Ergebnissen diese Versuches würde unabhängig von den bereits getroffenen Entscheidungen weiter überlegt. Außerdem wurde signalisiert, es bestehe Konsens darüber, dass nur bei positiven Ergebnissen die Ausdehnung erfolgen kann. Nur dumm, dass jeder unter einem positiven Ergebnis etwas anderes versteht. Ist es ein positiv zu bewertendes Ergebnis, wenn nach intensiver Schulung und Beratung im Großversuch ca. 1/3 der Böschungen falsch gebrannt wird ? Ist es ein positiv zu bewertendes Ergebnis, wenn im gesamten Kaiserstuhl, auch nach intensiver Schulung und Beratung, 1/3 der gebrannten Böschungen nicht nach den Regeln gebrannt wurde und damit jeder 6. Winzer falsch gebrannt hat ? Das „wilde, unkontrollierte Brennen“ hat massiv zugenommen.
Die Strategie: ging auf, der an sich eher unverdauliche Klops wurde in einigermaßen verdaulichen Häppchen serviert.
Resumée
Zu meinen fachlichen Stellungnahmen und Einschätzungen stehe ich nach wie vor, ohne das Mitwirken des ehrenamtlichen Naturschutzes wäre auch das eine oder andere an Richtlinien, Konsequenzen bei Verstößen und wissenschaftliche Begleituntersuchungen nicht in das Projekt eingegangen. Die Konsequenzen auf politischer Ebene habe ich so nicht vorausgesehen.
Wenn ich wieder mal in einem Arbeitskreis mitarbeiten sollte, würde ich die Teilergebnisse und erarbeiteten Kompromisse immer wieder den ursprünglichen übergeordneten Zielen des Naturschutzes gegenüberstellen und versuchen, die nicht-fachlichen Auswirkungen genau im Auge zu behalten.
Susanne Kleikamp, Rottweil, ehemalige Vorsitzende der BUND-Bezirksgruppe Nördlicher Kaiserstuhl
Dieser Artikel wurde 546 mal gelesen und am 9.1.2008 zuletzt geändert.
Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link: <a href="http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/feueroekologie.html">Feuerökologie & Feuer: Böschungspflege und brennende Raine am Kaiserstuhl</a>