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Burson Marsteller - Klimawandel kein Problem?

02.08.2001

"Klimawandel und Erderwärmung sind kein Problem"


zumindest nicht für die "Global Climate Coalition", eine Lobbyorganisation der amerikanischen Öl- und Kohleindustrie. Damit diese Firmenmeinung zur öffentlichen Meinung wird braucht es Werbeagenturen.

Parallel zur Weltklimakonferenz in Bonn hat jetzt die protestantische Schwedische Kirche vorzeitig die Zusammenarbeit mit der weltgrößten PR-Agentur Burson-Marsteller gekündigt. Ein Grund für diese Kündigung: Burson-Marsteller hat dabei geholfen, die Global Climate Coalition zu gründen und geriet deshalb mit den ethischen Prinzipien der Schwedischen Kirche in Konflikt.

Diese aktuelle Vertragskündigung wirft ein Licht auf die Meinungsmacher, die ansonsten zumeist anonym und still agieren. Organisationen mit denen sich der BUND, die Umweltbewegung aber auch die Medien viel zu wenig auseinandersetzen. Denn nicht nur bei der Verhinderung eines wirksamen Klimaschutzes ist Burson-Marsteller aktiv.

Sie sind Chef von British Beef und die Verbraucher wollen wegen des BSE Skandals Ihr Rindfleisch nicht mehr kaufen? Sie leiten den amerikanischen Chemiemuli Union Carbide und wegen eines kleinen Unfalls im indischen Bhopal mit 2000 Toten bräuchte Ihr Firmenimage eine kleine Aufbesserung? Eine rot-grüne Regierung verdirbt Ihnen, dem großen Verpackungsproduzenten, mit einer geplanten Verpackungssteuer die erhofften Gewinne? Ihre Soldaten in Osttimor konnten das letzte Massaker nicht verheimlichen? Ihre Aktien sinken, weil die Menschen keine genmanipulierten Nahrungsmittel kaufen wollen? Mit solchen und ähnlichen "Kommunikationsproblemen" wenden sie sich am besten an eine Fachfirma.

Burson-Marsteller(B-M) heißt der Global Player in Sachen Public Relations und käuflicher öffentlicher Meinung. Die weltweit führende Beratungsfirma auf dem Gebiet der strategischen Kommunikation beschäftigt weltweit mehr als 2200 Werbefachleute in 35 Ländern und erzielte 1999 einen Honorarumsatz von 275 Millionen US-Dollar. Die Firmenleitung versteht "Kommunikation als Instrument, durch Überzeugung Verhaltensweisen herbeizuführen, die zum wirtschaftlichen Erfolg der Kunden führen". Burson-Marsteller berät alle, die es nötig haben und die über das erforderliche Kleingeld verfügen. Seriöse und weniger seriöse Großkonzerne, Diktaturen, Militärmachthaber, Firmen, die Umweltkatastrophen kleinreden wollen und eben alle, die Geld haben. Aus einem internen Papier für den europäischen Gentechverband Europa Bio geht hervor, wie die Bevölkerung an die Gentechnik gewöhnt werden soll. Der Industrie wird empfohlen, Diskussionen über sogenannte "killing fields" (Schlachtfelder), die realen Umwelt- und Gesundheitsrisiken der Gentechnologie, zu vermeiden. Nicht etwa die Gefahren, sondern nur die Chancen der Gentechnik sollen diskutiert werden. Die Medien, vor allem die Privatsender, sollen regelrecht zu neuen Marketinginstrumenten umgeformt werden. Greenpeace hat Auszüge aus dem weltweiten Wirken von Burson-Marsteller zusammengetragen:

Nach der Chemiekatastrophe in Bhopal im Jahr 1984, bei der schätzungsweise 2000 Menschen starben und 200 000 verletzt wurden, setzten sich B-M-Mitarbeiter und die Verursacherfirma Union Carbide zum Krisenmanagement zusammen und erarbeiteten Konzepte für die PR-Strategie. B-M berät u.a. weltweit Diktaturen und führt Imagekampagnen durch, damit Staatsterror, Massaker und Gräueltaten nicht zu wirtschaftlichen Nachteilen und Sanktionen für die betreffenden Staaten führen. Dies geschah in der Vergangenheit u.a. in Osttimor (Indonensien) und Argentinien. 1990 wurde B-M für die amerikanische Firma Dow Corning Inc. aktiv, deren Silikon-Brustimplantate teilweise geplatzt waren und im Verdacht standen Brustkrebs auszulösen. Auch für britisches Rindfleisch in Zeiten von BSE entwarf die Firma Werbekampagnen.

Die Global News berichten, dass B-M die nigerianische Regierung während des Biafra-Krieges beriet, um Berichten über Völkermord in den Medien entgegenzuwirken. Nach der Reaktorkatastrophe von Three-Mile-Island durfte die Agentur das angekratzte Image der Betreiberseite aufpolieren. Auch der Ölriese Exxon griff nach dem Tankerunglück vor Alaska auf die Dienste von Burson-Marsteller zurück. Auch für Stuttgart 21 war B-M kurzzeitig aktiv. Mit Burson-Marsteller ist also wirklich eine Firma mit "internationalen Erfahrungen" für die Multis aktiv. Die wenigen internen Papiere, die an die Öffentlichkeit gelangen, sind vermutlich nur die Spitze des Eisbergs der legalen Manipulation und käuflichen Desinformation. Kunde von B-M könnte selbstverständlich auch der BUND sein, wenn er so viel Geld hätte wie die Genlobby oder manche Diktatoren, die ein besseres Image brauchen. Meinung, Öffentlichkeit und Image sind, wie so vieles heute, käuflich. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit Greenwash, Akzeptanzforschung und Werbefirmen wie Burson - Marsteller muss der BUND und die Umweltbewegung offensiv führen. Es geht auch um Demokratie.

Axel Mayer





Mehr Informationen über die Greenwash - Aktivitäten von Burson-Marsteller finden Sie mit Hilfe der Suchfunktion auf der BUND Homepage.
Wie die PR-Agentur Burson Marsteller Wahlen beeinflusst um Stuttgart 21 durch zu setzen


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Dieser Artikel wurde 4473 mal gelesen und am 23.11.2012 zuletzt geändert.