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Wildkatze in Deutschland: Erfreulich! „Wildkatzen am Kaiserstuhl

06.03.2007
In einer Zeit, in der positive Meldungen aus dem Umwelt- und Naturschutz-bereich eher Seltenheitswert haben, freut sich der BUND-Regionalverband besonders über das jetzt bestätigte Vorkommen der Wildkatze am Kaiserstuhl.

"Erstmals seit 1912 ist der sichere Nachweis über ein Vorkommen der Wildkatze in Baden-Württemberg gelungen. Die Untersuchungen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt haben ein Vorkommen der
scheuen Tiere rund um den Kaiserstuhl bestätigt"
, sagte der baden-württembergische Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk MdL, am Dienstag (6. März) in Stuttgart.

Die erste Wildkatze nach 100 Jahren und das im Kaiserstuhl. Nachdem in den letzten beiden Jahren, nach langer Zeit, endlich auch wieder Lachslaich in den Schwarzwaldbächen Murg und Kinzig gefunden wurde, ist dies eine sehr positive und überraschende Entwicklung.

Seit Jahren engagiert sich der Bund für Umwelt und Naturschutz bundesweit für die scheuen und seltenen Tiere. So gibt es bereits in einigen Bundesländern ein BUND-Projekt „Ein Rettungsnetz für die Wildkatze“. Auch der Bund in Baden Württemberg ist in Sachen Wildkatze aktiv.



Wildkatze in Deutschland
Fotos: Thomas Stephan


Jetzt gilt es die Wildkatzen, die vermutlich aus den Vogesen zugewandert sind, auch tatsächlich am Kaiserstuhl und hoffentlich auch bald im Schwarzwald, willkommen zu heißen. Wichtig ist jetzt eine alte Forderung des BUND Regionalverbandes umzusetzen. Die Bachläufe von Elz und Dreisam sollten renaturiert und die Dämme zurückverlegt werden. So können, mit Ausgleichsgeldern des Bahnausbaus, in der durchschnittenen, zersiedelten Landschaft am Oberrhein grüne Durchgangskorridore für Tiere geschaffen werden. Auch die Renaturierung der Auewälder am Rhein
kann einen wichtigen Beitrag für das Überleben der Wildkatze am Oberrhein leisten.

Eine Gefahr für Menschen und Nutztiere geht von den wunderschönen Wildkatzen nicht aus.

Axel Mayer Regionalgeschäftsführer

für Rückfragen:
Dipl.-Biol. Laura Bollwahn
Koordinatorin für Artenschutzprojekte

BUND-Landesverband Baden-Württemberg e.V.
Landesgeschäftsstelle Stuttgart
Paulinenstraße 47
70178 Stuttgart

fon: +49 (0)711 620306-14

Rettungsnetz Wildkatzen - Auf leisen Solen


Wildkatzen Felis silvestris am Kaiserstuhl nachgewiesen
- erster sicherer Nachweis für Baden-Württemberg seit 1912 -

Quelle: www.fva-bw.de
Auszug aus einem Beitrag der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden Württemberg


Micha Herdtfelder, Martin Strein, Rudi Suchant,
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg

Wissenschaftler der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) untersuchten im Zeitraum Januar 2006 bis Februar 2007 mehrere überfahrene Katzen, deren äußeres Erscheinungsbild denen von Wildkatzen Felis silvestris entsprachen. Bei zwei Tieren aus der Region Kaiserstuhl im Oberrheingraben bestätigten sowohl die morphometrischen als auch die genetischen Untersuchungen den Verdacht auf Wildkatze. Damit sind seit 1912 Wildkatzen erstmals wieder sicher in Baden-Württemberg nachgewiesen worden.

Die beiden bestätigten Funde im Einzelnen:

  • Die erste Katze wurde im Januar 2006 auf der L 134 zwischen Gündlingen und Oberrimsingen, nahe dem Kaiserstuhl überfahren und von einem Mitarbeiter der Straßenmeisterei bei Instandhaltungsarbeiten neben der Straße gefunden. Da das Fell und insbesondere die Größe des männlichen Tieres dem Finder ungewöhnlich erschienen, meldete er den Fund mit Verdacht auf Wildkatze an die FVA.

    Angaben zur Katze aus Vogtsburg

    Fundort Gemeindestraße bei Vogtsburg Burkheim, 192müNN
    RW 3394710, HW 5330430,

    Funddatum Januar 2007

    Finder Jagdpächter

    Geschlecht Weiblich (Katze)

    Äußere Kennzeichen Buschiger Schwanz mit schwarzen
    Ringeln und schwarzer Spitze; Aalstrich

    Körpermaße
    Kopf-Rumpf 52,0 cm
    Schwanz 29,0 cm
    Hinterfuß 12,0 cm
    Ohr 6,5 cm
    Leithaar Schwanz 5,4 cm
    Gewicht 3,7 kg
    Darmlänge 142,0 cm

    Mageninhalt 70 g:
    Stark anverdaute Mäuse – Menge
    und Art nicht bestimmbar

    Schädel zertrümmert

    Darmindex (n. Schauenberg 1977) 2,7

  • Die zweite Katze wurde ein Jahr später von einem Jagdpächter bei Burkheim / Vogtsburg im Kaiserstuhl am Straßenrand gefunden. Er sprach das Tier direkt als Wildkatze an und meldete den Fund daher an das Regierungspräsidium Freiburg. Die durch das Regierungspräsidium benachrichtigten Mitarbeiter der FVA konnten das weibliche Tier zur Untersuchung abholen.


    Angaben zur Katze aus Gündlingen

    Fundort
    L 134 zwischen Gündlingen und
    Oberrimsingen, 197müNN
    RW 3398900, HW 5318600

    Funddatum Januar 2006

    Finder Straßenmeisterei Breisach

    Geschlecht Männlich (Kuder)

    Äußere Kennzeichen Buschiger Schwanz mit zwei
    Ringeln und schwarzer Spitze. Aalstrich auf Rücken. Geringer
    Kontrast der Fellzeichnung.

    Körpermaße
    Kopf-Rumpf 54,5 cm
    Schwanz 32,5 cm
    Hinterfuß 14,4 cm
    Ohr 6 cm
    Leithaar Schwanz 5,8 cm
    Gewicht 4,9 kg
    Darmlänge 164,5 cm

    Mageninhalt
    220 g: 2 Waldmäuse Apodemus
    sylvaticus, 5 Mäuse nicht bestimmbar,
    ein Vogelschnabel nicht bestimmbar

    Schädel
    Schädellänge 10,00 cm
    Schädelvolumen 43 ccm

    Schädelindex (n. Schauenberg 1969) 2,32
    Darmindex (n. Schauenberg 1977) 3,0

    Die Situation der Wildkatze in Baden-Württemberg

    Ursprünglich war die Wildkatze in nahezu ganz Mitteleuropa verbreitet (Piechocki 1990). Das Maximum der europaweiten Ausdehnung erreichte Felis silvestris nach Hemmer (1993) in der postglazialen Wärmezeit. Nach Braun (2003) geht man davon aus, dass die Wildkatze in den Wäldern Baden-Württembergs noch im 17. und 18. Jahrhundert überall anzutreffen war.
    Allerdings wurde die schon allein aufgrund der Klimaveränderung in prähistorischer Zeit beginnende Arealverkleinerung (Hemmer 1993) durch die Ausrottungskampagne gegen diese Katze noch verschärft (Braun 2003). Nachdem die vermutlich letzten Exemplare in Baden-Württemberg 1911 / 1912 bei Lienzingen und Leutershausen erlegt wurden, gilt die Wildkatze in Baden-Württemberg seit 1912 als verschollen. Die letzten Rückzugsgebiete um 1900 vermutet man im Schwäbisch-Fränkischen Wald, im Gebiet Stromberg-Heuchelberg, im Schönbuch / Rammert, auf der Ostalb sowie in Teilbereichen des Nordschwarzwaldes. Die Diskussion, ob die Wildkatze Anfang des 20. Jahrhunderts in Baden-Württemberg wirklich ausgerottet wurde, hält seit Jahren an. Handfeste Nachweise von Wildkatzen konnten aber bisher auch für die genannten Gebiete nicht erbracht werden - alle untersuchten Todfunde und Museumsmaterialien aus der Zeit nach 1912
    stellten sich als Hauskatzen heraus (Braun 2003).

    Dieser Artikel wurde 1574 mal gelesen und am 8.4.2008 zuletzt geändert.
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